Der britische Versicherer Aviva erweitert seine KI-Offensive: Kunden können jetzt erste Angebote für Lebensversicherungen direkt über den Chatbot einholen.
Die neue Funktion ermöglicht Interessenten, ihre Daten in ChatGPT einzugeben und eine vorläufige Preis-Schätzung für Schutzprodukte zu erhalten. Erst im zweiten Schritt erfolgt der Vertragsabschluss auf der regulären Aviva-Website. Fran Bruce, Managing Director Protection bei Aviva, bezeichnete den Schritt als Teil der Strategie, Versicherungsschutz niedrigschwelliger anzubieten. Große Sprachmodelle sieht sie als aufstrebenden Vertriebskanal – und rechnet mit wachsender Akzeptanz für KI-gestützte Finanzdienstleistungen.
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KI-Welle erfasst die Versicherungsbranche
Aviva hatte bereits im April 2026 eine erste Angebotsfunktion für Hausratversicherungen auf derselben KI-Plattform gestartet. Die Initiative ist Teil einer breiteren Zusammenarbeit mit OpenAI, das am 9. Februar 2026 offiziell kundenorientierte Versicherungsanwendungen autorisierte.
Der Vorstoß von Aviva fällt in eine Phase rasanter KI-Integration in der gesamten Branche. Ende Mai 2026 brachte Liberty Mutual eine eigene Kfz-Versicherungs-Angebotsmaschine in ChatGPT an den Start. Der Service ist zunächst in sieben US-Bundesstaaten verfügbar – darunter Arizona, Kentucky und Ohio. Bis Jahresende soll er auf über 40 Staaten ausgeweitet werden. Tyler Asher, Chief Distribution Officer bei Liberty Mutual, betonte, die Strategie ziele darauf ab, Kunden in den digitalen Umgebungen abzuholen, die sie ohnehin täglich nutzen.
Weitere Player ziehen nach
Auch andere Marktteilnehmer forcieren ihre KI-Aktivitäten:
- Travelers Insurance kündigte am 1. Juni 2026 einen landesweiten Rollout von OpenAI-gestützten Systemen an, die bei der Bearbeitung von schätzungsweise 1,5 Millionen jährlichen Schadensfällen helfen sollen.
- Coverfox brachte Anfang Juni eine Plattform namens COVER AI auf den Markt, die Policen in mehreren Sprachen verständlich erklärt und Deckungslücken analysiert.
- ClearScore startete am 1. Juni 2026 eine Bildungs-App in ChatGPT, die sich auf Kredit-Scores und Betrugsschutz konzentriert.
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Zwischen Hype und Realität
Ein am 1. Juni 2026 veröffentlichter Branchentrendbericht zeigt: 81 Prozent der Versicherungsmanager haben KI bereits in mindestens einige ihrer Arbeitsabläufe integriert. 80 Prozent der Unternehmen experimentieren derzeit mit generativer KI oder planen deren Einführung innerhalb der nächsten zwei Jahre.
Doch die schnelle Integration in Vertrieb und Angebotserstellung täuscht über ein Ungleichgewicht hinweg. Nur 23 Prozent der Firmen nutzen KI derzeit für die Schadensbearbeitung, lediglich 15 Prozent für die Vorhersage von Kundenabwanderung. Besonders brisant: 83 Prozent der Branchenführer äußerten Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit der Trainingsdaten. Die Folge: 92 Prozent der Organisationen haben regelmäßige KI-Governance-Prüfungen eingeführt, um potenzielle Risiken zu managen.
Ob die neue Bequemlichkeit bei der Angebotseinholung die Kunden tatsächlich überzeugt, wird sich zeigen. Klar ist: Der Wettlauf um die beste Position im KI-Vertrieb hat gerade erst begonnen.

