Vertragsprüfung: Google und Harvey revolutionieren Legal-Automation

Harvey verbessert die Vertragsanalyse mit Multi-Agenten-KI, während Google, iManage und spezialisierte Anbieter ihre Legal-Tech-Angebote ausbauen.

Die Automatisierung juristischer Arbeitsprozesse erreicht durch technologische Umstellungen eine neue Leistungsstufe. Wie Anfang September bekannt wurde, hat der Legal-AI-Anbieter Harvey seine Systeme zur Vertragsprüfung auf eine Multi-Agenten-Architektur umgestellt.

Interne Benchmarks des Unternehmens belegen signifikante Qualitätssteigerungen: Die Genauigkeit bei der Risikoklassifizierung stieg um 18 Prozent, während die Qualität der Überarbeitungen, der sogenannten Redlines, um 34 Prozent verbessert werden konnte.

Hoher Zeitaufwand für manuelle Vertragsprüfung

Der Bedarf an effizienteren Lösungen im Rechtssektor ist hoch. Analysen von Marktforschern wie Gartner verdeutlichen den wirtschaftlichen Druck: Demnach verbringen Rechtsabteilungen durchschnittlich 21 Prozent ihrer Arbeitszeit mit der Bearbeitung von Verträgen. Die Prüfzeit pro Einzeldokument variiert dabei erheblich und liegt zwischen 20 Minuten und bis zu fünf Stunden.

Um diese Prozesse zu optimieren, gehen Industrieunternehmen verstärkt strategische Partnerschaften ein. GE Aerospace fungiert in diesem Zusammenhang als Design-Partner für Harvey und hat die Technologie bereits in den Bereichen Legal und Compliance eingeführt.

Jake Phillips, General Counsel von GE Aerospace, und Harvey-CEO Winston Weinberg betonten im Rahmen der Zusammenarbeit die Bedeutung von Vertrags-Intelligenz für komplexe Unternehmensstrukturen.

Integration in bestehende Software-Ökosysteme

Parallel zu spezialisierten Anbietern drängen Technologie-Schwergewichte verstärkt in den Markt für Rechtsinformatik. Google stellte Anfang September „Gemini Enterprise for Legal“ vor. Das System ist bereits in die Arbeitsabläufe von Kanzleien wie Cleary Gottlieb und Freshfields integriert.

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Zu den Kernfunktionen gehören neben der Vertragsprüfung auch die juristische Recherche sowie das regulatorische Monitoring. Die Plattform ermöglicht zudem Integrationen mit Branchenstandard-Lösungen wie Thomson Reuters, DocuSign und iManage.

Auch die Kooperationen zwischen etablierten Softwarehäusern nehmen zu. iManage und Thomson Reuters erweiterten ihre Partnerschaft, um Tools wie CoCounsel Legal, HighQ und Legal Tracker tiefer zu integrieren. Ein technischer Fokus liegt hierbei auf dem Model Context Protocol (MCP), das einen gesteuerten und sicheren KI-Zugriff auf sensible Datenbestände ermöglichen soll.

Spezialisierte Plattformen und internationale Marktdynamik

Neben den großen Ökosystemen etablieren sich spezialisierte Plattformen für unterschiedliche Anwendungsbereiche:

  • Precisely startete mit „Lexnus“ eine CLM-Plattform (Contract Lifecycle Management), die auf einer EU-souveränen Infrastruktur gehostet wird und mit Sprachmodellen wie Claude und Mistral kompatibel ist.
  • Legistify bedient mittlerweile über 350 Enterprise-Kunden, darunter Dell, Coca-Cola und Lenovo. Das Unternehmen, das im September 2023 eine Series-A-Finanzierung abschloss, ist mit über 10.000 indischen Gerichten vernetzt.
  • Filevine führte die „LOIS Console“ ein. Hierbei fassen KI-Agenten umfangreiche Akten zusammen; in einem Anwendungsfall konnte eine 5.000-seitige Schadensakte auf rund 200 Seiten reduziert werden.
  • Akhund Forbes lancierte mit „Conclavity“ eine spezifisch auf das pakistanische Recht ausgerichtete Plattform, die Gesetzesverweise automatisiert prüft.
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Kapitalfluss und operative Effizienzsteigerungen

Die wirtschaftliche Relevanz des Sektors spiegelt sich auch in den Finanzierungsrunden wider. Die Augmented-Intelligence-Plattform Eudia, die kürzlich eine Partnerschaft mit dem Rechtsdienstleister Harbor schloss, konnte über 100 Millionen US-Dollar von Investoren wie General Catalyst einwerben. Harbor berät nach eigenen Angaben rund 80 Prozent der „Global-200“-Kanzleien.

Die Effekte der Automatisierung zeigen sich über den klassischen Rechtsbereich hinaus auch in verwandten Feldern wie dem Labor-Management. Kooperationen zwischen Onymos und Vanta Diagnostics berichten von einer Steigerung der operativen Effizienz um bis zu 72 Prozent durch KI-gestützte Prozesse, wodurch die Kapazität um über 300 Proben pro Tag gesteigert werden konnte.

Im Bereich der CRM-Integration bietet Agiloft nun eine No-Code-Anbindung für Salesforce an, die das Vertragsmanagement direkt aus der Kundenverwaltung heraus ermöglicht.