Video-Streaming: 36% kämpfen mit Latenzzeiten bei Live-Übertragungen

Bitmovins Branchenanalyse zeigt zentrale Streaming-Hürden: geringe Latenz, Kostenkontrolle und Analytics prägen die Prioritäten der Befragten.

Im Vorfeld der Branchenmesse IBC2026 hat das Technologieunternehmen Bitmovin die zehnte Ausgabe seines „Video Developer Report“ veröffentlicht. Der Bericht verdeutlicht die aktuellen Schwerpunkte und Hürden innerhalb der Streaming-Industrie.

Demnach identifizierten 36 % der Befragten die Reduzierung von Latenzzeiten bei Live-Übertragungen als ihre dringlichste technische Herausforderung. Dicht darauf folgen die Kostenkontrolle mit 35 % sowie die Bereiche Monitoring und Analytics mit 28 %.

Künstliche Intelligenz und neue Übertragungsstandards

Die Befragung von 486 Branchenexperten zeigt eine nahezu flächendeckende Integration von modernen Technologien. Laut dem Bericht nutzen bereits 98 % der Teilnehmer künstliche Intelligenz (KI) oder maschinelles Lernen (ML) in ihren Video-Workflows, wobei 46 % diese Werkzeuge täglich einsetzen.

Ein weiterer technologischer Fokus liegt auf dem Protokoll Media over QUIC (MoQ). Den Ergebnissen zufolge planen 28 % der Befragten den Einsatz von MoQ innerhalb der nächsten zwölf Monate.

Guillaume Bichot, CTO bei Broadpeak, bezeichnete MoQ als eines der zentralen Themen der diesjährigen IBC. Das Protokoll nutzt ein Publish-Subscribe-Modell anstelle des herkömmlichen HTTP-Request-Response-Verfahrens, was eine effizientere Verteilung von Live-Medien ermöglichen soll.

Branchenexperten sehen den größten Nutzen dieser Technologie bei Live-Sportübertragungen, Cloud-Produktionen und interaktiven Formaten. Dabei soll MoQ bestehende Standards wie Adaptive Bitrate Streaming (ABR) nicht unmittelbar ersetzen, sondern schrittweise ergänzen.

Kooperationen und technologische Innovationen auf der IBC2026

Auf der Messe in Amsterdam demonstrieren verschiedene Unternehmen die praktische Anwendung neuer Standards. So zeigen Netskrt und Oracle eine End-to-End-Lieferung mittels MoQ. Dabei wird ein Oracle Video Edge Container-Relay in die Infrastruktur von Netskrt integriert und mit dem Relay-Netzwerk von Oracle koordiniert. MoQ wird dabei als eine Initiative der Internet Engineering Task Force (IETF) für eine besonders latenzarme Medienbereitstellung positioniert.

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Parallel dazu treibt das Projekt „Delta Protocol“ im Rahmen des IBC Accelerator Programms die Entwicklung voran. Beteiligte Partner wie DAZN, die EBU und RAI verfolgen das Ziel, die Videoübertragung von der herkömmlichen Pixelebene auf eine semantische Ebene zu verlagern.

DAZN präsentiert im Rahmen der Messe einen entsprechenden Prototyp. Während die interne Implementierung bei DAZN für die nächsten zwei Jahre geplant ist, wird mit einer Öffnung für die breite Industrie in drei bis fünf Jahren gerechnet.

Cloud-Infrastruktur und Ausfallsicherheit im Fokus

Wie leistungsfähig moderne Infrastrukturen bereits sind, verdeutlichte eine Kooperation zwischen Airtel und Google Cloud während der IPL 2026. Über 74 Live-Streams wurden mehrere hundert Petabyte an Daten übertragen.

In der Spitze erreichte das Finale Milliarden von Anfragen und einen Datendurchsatz im Multi-Terabit-Bereich. Durch die Nutzung des Media CDN von Google Cloud verblieben 99,9 % des Datenverkehrs lokal in Indien, wobei eine Cache-Hit-Ratio von über 98 % und eine Latenz von unter 300 Millisekunden erreicht wurden.

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Die wirtschaftliche Bedeutung stabiler Verbindungen unterstreichen Daten von IDC, wonach die Kosten für Netzausfälle in der Branche 100.000 US-Dollar pro Stunde überschreiten können. Um die Zuverlässigkeit zu erhöhen, setzen Unternehmen auf neue Redundanzmodelle.

T-Mobile bietet mit „SuperBroadband“ eine Lösung an, die 5G mit Starlink-Satellitentechnik kombiniert und eine Verfügbarkeit von 99,99 % garantieren soll. Comcast wiederum kooperiert mit Fastly, um Edge-Computing in über 200 US-Rechenzentren bereitzustellen und so die Verzögerungszeiten für Streaming-Dienste weiter zu senken.

In Bezug auf die grundlegende Netzqualität hat die kanadische Regulierungsbehörde CRTC nationale Ziele von 50/10 Mbit/s für die Internetgeschwindigkeit definiert. Branchenexperten weisen jedoch darauf hin, dass Buffering-Probleme oft auch durch überlastete Heimnetzwerke, veraltete Router oder zu hohe Qualitätseinstellungen verursacht werden.

Zur Optimierung professioneller Workflows wird neben Wi-Fi 6/6E zunehmend der Einsatz von kabelgebundenen Lösungen wie Gigabit-Ethernet-Adaptern und unterbrechungsfreien Stromversorgungen empfohlen.