Das Bildungsministerium in Hanoi hat einen rechtlichen Rahmen für Künstliche Intelligenz an Universitäten erlassen – mit klaren Regeln gegen Betrug und Plagiate.
Die neue Verordnung (Circular No. 49/2026/TT-BGDĐT) definiert erstmals, wie KI in der Hochschulbildung und Berufsausbildung eingesetzt werden darf. Sie tritt am 15. August 2026 in Kraft und gilt als Meilenstein für die digitale Transformation des Landes.
Vier neue Lernformen mit digitalen Werkzeugen
Die Regelung unterscheidet vier Formate: Präsenzunterricht mit digitaler Unterstützung, reines Online-Lernen, Blended Learning sowie personalisierte Bildung auf Basis von Daten und KI. Entscheidend: KI bleibt ein Hilfsmittel – sie ersetzt nicht die eigenverantwortliche akademische Leistung.
Das Ministerium hat sechs konkrete Verstöße definiert:
- Nutzung von KI zur Täuschung bei Prüfungen
- Kopieren oder Plagiieren KI-generierter Inhalte
- Datenfälschung durch KI-Anwendungen
- Beauftragung Dritter oder von KI zur Erledigung von Aufgaben
- Unterlassene Offenlegung des KI-Einsatzes in Forschung oder Kursarbeiten
- Sonstige Verstöße gegen akademische Standards
Jede Hochschule und Berufsschule muss nun eigene KI-Verhaltenskodizes erarbeiten, die mit dem nationalen Rahmen übereinstimmen.
Wissenslücken: 95 Prozent nutzen ChatGPT – nur 29 Prozent verstehen es
Während immer mehr Menschen KI-Tools nutzen, fehlt oft das Verständnis für die rechtlichen Rahmenbedingungen und Pflichten. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über Anforderungen, Fristen und Risikoklassen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Der Vorstoß folgt auf eine Studie der Dong A University vom Jahresanfang. Die Ergebnisse sind alarmierend: 95 Prozent der Studierenden und 89 Prozent der Dozenten hatten ChatGPT bereits genutzt – aber nur 28,6 Prozent der Studierenden und 12,5 Prozent der Dozenten gaben an, die Technologie wirklich zu verstehen.
Die Hälfte der Dozenten nannte fehlende offizielle Richtlinien als größte Hürde. Mehr als die Hälfte der Studierenden und 42 Prozent der Dozenten äußerten zudem Bedenken zur akademischen Ethik.
Hochrisiko-KI: 46 Systeme unter besonderer Beobachtung
Parallel dazu unterzeichnete Vize-Premierminister Ho Quoc Dung am 6. Juli 2026 die Decision No. 33/2026/QD-TTg. Sie identifiziert 46 Hochrisiko-KI-Systeme in sechs Sektoren – darunter Bildung, Gesundheitswesen und Banken.
Die Identifizierung von Hochrisiko-Systemen stellt Unternehmen und Bildungseinrichtungen vor neue Herausforderungen bei der Dokumentation. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche konkreten Schritte jetzt notwendig sind, um die neuen Regeln rechtssicher umzusetzen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Auch diese Regelung tritt am 15. August in Kraft. Sie sieht eine gestaffelte Umsetzung vor: Systeme in Bildung, Gesundheit und Finanzen müssen bis zum 1. September 2027 spezifische Sicherheits- und Transparenzstandards erfüllen. Andere Branchen haben bis zum 1. März 2027 Zeit.
Internationale Entwicklungen: USA und UN ziehen nach
Vietnam reiht sich damit in eine globale Bewegung ein. In den USA trat am 1. Juli 2026 ein neues Gesetz in Illinois in Kraft, das Schulen verpflichtet, ihre Anti-Mobbing-Richtlinien auf KI-generierte „digitale Kopien“ und Deepfakes auszudehnen – insbesondere im Zusammenhang mit unerlaubten sexuellen Inhalten.
Ein am 6. Juli 2026 veröffentlichter Bericht eines unabhängigen UN-Wissenschaftsgremiums warnt indes: Die globale KI-Governance halte mit der technischen Entwicklung nicht Schritt. Während die KI-Leistung bei komplexen Prüfungen von 36 Prozent im Jahr 2023 auf rund 95 Prozent im Jahr 2026 gestiegen sei, bleibe die Lehrerausbildung der Schwachpunkt. Fast drei Viertel der Sekundarschüler erwarten demnach massive KI-Auswirkungen auf ihre Zukunft – aber nur 44 Prozent glauben, dass ihre Lehrer angemessen darauf vorbereitet sind.

