Kriminelle tarnen sich als Bankangestellte oder IT-Spezialisten. Die Methoden reichen vom Wohnungseinbruch bis zum digitalen Angriff auf Online-Banking-Systeme.
Finanzinstitute und Sicherheitsbehörden in Deutschland, Österreich und weiteren europäischen Ländern schlagen Alarm. Die Zahl der Betrugsversuche steigt rasant. Besonders perfide: Die Täter nutzen Messenger-Dienste, Telefonanrufe und persönliche Besuche.
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Messenger als Einfallstor
Die Erste Bank in Österreich warnte am 5. Juni vor einer neuen Masche. Kriminelle kontaktieren Kunden über WhatsApp und fordern sie auf, in einer Filiale einen QR-Code zu drucken. Diesen sollen die Opfer per Messenger übermitteln. Das Problem: Die Täter erhalten damit vollständigen Zugriff auf die Banking-App „George“. Das Geldhaus stellt klar: Kunden werden niemals über Messenger-Dienste kontaktiert.
Parallel dazu registriert die Sparkasse in Deutschland eine Phishing-Welle. Kunden erhalten E-Mails zu angeblichen Sicherheitsupdates für die „S-pushTAN-App“. Es folgen betrügerische Telefonanrufe. Auch die Bank of Ireland meldet einen massiven Anstieg von SMS-Betrug – ein Kunde verlor zuletzt 10.000 Euro.
Vishing: Die neue Gefahr für Unternehmen
Sicherheitsexperten von Palo Alto Networks und Google Threat Intelligence verfolgen eine neue Erpressergruppe namens „Pink“. Sie setzt auf Vishing – Voice Phishing. Die Täter geben sich am Telefon als IT-Helpdesk aus und ergaunern Multifaktor-Authentifizierungs-Codes (MFA). Ziel: Zugriff auf Cloud-Umgebungen wie SharePoint oder OneDrive. Die gestohlenen Daten dienen als Druckmittel – mit einer Frist von 72 Stunden.
Senioren im Visier – auch an der Haustür
In den letzten Tagen häufen sich Vorfälle, bei denen Kriminelle Senioren direkt in ihren Wohnungen aufsuchen. In Göttingen wurden am 4. Juni zwei Senioren Opfer falscher Bankmitarbeiter. In der Südstadt entwendeten die Täter einer Frau die Bankkarte samt PIN – Schaden im unteren vierstelligen Bereich. In Geismar erbeuteten zwei dunkel gekleidete Männer auf ähnliche Weise die Karte eines Seniors.
Auch telefonisch gelingen folgenschwere Betrugsmanöver. In Ludwigshafen wurde am 2. Juni ein 62-Jähriger um einen Betrag im oberen vierstelligen Bereich geschädigt. Er hatte einem falschen Bankmitarbeiter am Telefon seine Kontodaten preisgegeben. In Stuttgart-Bad Cannstatt verlor ein 87-jähriger Senior zwischen Januar und Juni rund 500.000 Euro – angebliche Börsenmakler auf einer gefälschten Trading-Plattform.
Strafrechtliche Konsequenzen
Vor dem Landgericht Düsseldorf müssen sich fünf mutmaßliche Betrüger verantworten. Die Gruppe – Mitglieder zwischen 19 und 25 Jahren – soll Senioren um insgesamt etwa 400.000 Euro betrogen haben. Vier der Angeklagten haben die Taten bereits weitgehend gestanden.
In der Schweiz gelang der Kantonspolizei Bern am 27. Mai die Festnahme zweier Kuriere. Sie versuchten, Bargeld von einem älteren Mann abzuholen.
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Technologische Gegenmaßnahmen
Die Tragweite von Cybervorfällen ist enorm. Laut einer Deloitte-Studie meldeten 97 Prozent der großen Unternehmen im DACH-Raum bereits Vorfälle. Eine YouGov-Umfrage aus Mai 2026 zeigt: 74 Prozent der Befragten halten ihre Passwörter für sicher. Doch nur 25 Prozent nutzen eine Zwei-Faktor-Authentifizierung, 32 Prozent setzen auf Passkeys.
Google plant für Juni 2026 den Rollout einer Funktion zur Erkennung betrügerischer Anrufe für Android-Geräte. Zunächst soll sie auf Pixel-Smartphones verfügbar sein. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) warnt zudem vor Phishing-Angriffen via WhatsApp, die auf Hotelbuchungsdaten setzen. Diese könnten aus einem Sicherheitsvorfall bei einer großen Buchungsplattform im April 2026 stammen.
Die Polizei mahnt zur Vorsicht: Bankmitarbeiter fragen niemals telefonisch oder per Messenger nach Passwörtern, PINs oder TANs. Auch die Abholung von Bankkarten an der Haustür gehört nicht zur Praxis seriöser Finanzinstitute.

