Vishing-Betrug: Google und Apple starten Gegenoffensive

Google und Apple reagieren auf massive Zunahme von KI-Betrug mit neuen Echtzeit-Schutzfunktionen auf dem Smartphone.

KI-Stimmenklone und täuschend echte Video-Fälschungen werden zur größten Betrugsmasche unserer Zeit. Google und Apple schalten jetzt auf Angriff.

Die Zahlen sind alarmierend: Weltweit sind die Fälle von sogenanntem Vishing – also Betrug per Sprachanruf – innerhalb eines Jahres um 442 Prozent in die Höhe geschossen. Kein Wunder, dass die Tech-Branche jetzt mit geballter Kraft gegensteuert. Am heutigen Mittwoch stellten Google und Apple neue Sicherheitsfunktionen vor, die Betrugsmuster in Echtzeit erkennen sollen.

Google und Apple: Zwei Strategien gegen eine Gefahr

Google bringt mit Scam Detection eine Funktion auf den Markt, die direkt auf dem Smartphone läuft. Die Analyse verdächtiger Gespräche erfolgt lokal – ohne Daten in die Cloud zu schicken. Gestartet wird die Funktion zunächst auf den Pixel-Geräten.

Apple kontert mit Trust Insights, das mit dem Update auf iOS 27 im September kommen soll. Die Software prüft die Metadaten von Anrufen und Nachrichten auf ihre Echtheit. Schon jetzt testet Apple in der fünften Beta von iOS 26.6 eine Funktion namens Malicious Message Detected, die vor gefährlichen iMessages warnt. Das finale Update wird für Ende Juli erwartet.

Unternehmen in der Schusslinie

Doch nicht nur Privatnutzer sind betroffen. Die Bedrohungslage für Firmen ist dramatisch. Das Startup Polygraf AI hat am Dienstag Meeting Guard vorgestellt – eine Lösung, die Deepfake-Stimmen und KI-generierte Antworten in Videokonferenzen erkennt. Unterstützt werden Zoom, Microsoft Teams und Google Meet.

Die Marktforscher von Gartner haben ermittelt: 62 Prozent aller Organisationen wurden bereits mit Deepfake-Angriffen konfrontiert. Der finanzielle Schaden pro Unternehmen liegt zwischen 2,5 und 71,4 Millionen Euro jährlich.

Startups im Kampf gegen die Betrugswelle

Die Innovationskraft der Branche zeigt sich auch bei jungen Unternehmen. Reken verließ am Montag den Stealth-Modus und präsentierte Private Core – eine Sicherheitsplattform, die komplett auf dem Gerät läuft. Das Besondere: Sie benötigt keine spezielle Grafikhardware. Der ehemalige Google-Betrugsspezialist, der das Startup gründet hat, sammelte umgerechnet 9,2 Millionen Euro Startkapital ein.

Ebenfalls am Montag startete Savi Security eine mobile App, die Googles KI-Modell Gemini nutzt, um Anrufe, Nachrichten und Sprachnachrichten auf Klonversuche zu überwachen. 6,4 Millionen Euro Seed-Finanzierung stecken in dem Projekt.

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Das kanadische Unternehmen deepidv ging diese Woche eine Forschungspartnerschaft mit Scam.AI ein. Die Zahlen, die sie vorlegen, sind erschreckend: Biometrische Angriffe haben sich innerhalb eines Jahres verneunfacht.

Die erschreckende Bilanz der KI-Kriminalität

Die neuen Schutzmaßnahmen kommen nicht zu früh. Das FBI meldet für 2025 einen Anstieg der Cybercrime-Verluste um 26 Prozent auf umgerechnet 19,2 Milliarden Euro. Allein 22.000 Beschwerden betrafen KI-gestützte Straftaten.

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC beziffert die Verluste durch Identitätsbetrug im Jahr 2025 auf 3,2 Milliarden Euro – eine Verdreifachung gegenüber 2020.

Besonders beunruhigend: Experten zufolge reichen heute bereits drei Sekunden Audiomaterial aus, um eine Stimme täuschend echt zu klonen. Die Rohdaten stammen oft von Social-Media-Profilen. Laut einer Studie von Surfshark haben Deepfake-Betrügereien weltweit bereits Schäden in Höhe von 3,4 Milliarden Euro verursacht – fast die Hälfte aller Fälle startete auf sozialen Netzwerken.

Eine Umfrage der RBC aus dem Jahr 2026 zeigt, wie tief das Misstrauen sitzt: 83 Prozent der Befragten gehen inzwischen davon aus, dass jede unaufgeforderte Nachricht im Netz ein Betrugsversuch ist.

Was jetzt hilft: Experten-Tipps

Ashley Upkins, Präsidentin der National Bar Association, warnt: „Stimmenklone und Deepfakes sind zum bevorzugten Werkzeug von Kriminellen geworden, um Druck aufzubauen – besonders bei Überweisungen.“ Ihr Rat: Führen Sie mit Familienmitgliedern Sicherheitswörter ein, die nur die engsten Vertrauten kennen.

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Drei Sekunden Audio reichen für einen perfekten Stimmenklon. 83% der Befragten halten jede unaufgeforderte Nachricht für Betrug. Dieser Report liefert die konkreten Schutzmaßnahmen für Ihr Unternehmen – von Sicherheitswörtern bis Glitch-Tests. Sicherheitsleitfaden jetzt sichern

Sicherheitsexperten empfehlen zudem sogenannte Glitch-Tests bei Videoanrufen: Bitten Sie den Anrufer, den Kopf zu drehen – echte KI-Fälschungen haben damit oft Probleme. Und: Teilen Sie so wenig persönliche Medien wie möglich öffentlich.

Die Bedrohungslage spitzt sich weiter zu. Erst im Juli 2026 wurde mit JADEPUFFER der erste vollständig autonome Ransomware-Angriff registriert. Die Angreifer brauchen keinen Menschen mehr – die Maschine übernimmt alles.