Apples Mixed-Reality-Headset Vision Pro durchläuft eine Phase widersprüchlicher Entwicklungen. Während der Konzern in seiner Vision-Pro- und Siri-Sparte Stellen abbaut, treibt er gleichzeitig die Software-Weiterentwicklung des Geräts voran und öffnet es für Drittanbieter-Hardware. Die Ereignisse aus dem Spätsommer 2026 zeichnen das Bild eines Produkts, das sich neu erfinden muss.
Stellen abbau in Vision Pro und Siri
Apple hat mehr als 200 Stellen gestrichen, rund 100 davon im Vision-Pro-Bereich und etwa 100 im Bereich Siri und Software. Das Vision-Pro-Gaming-Team wurde dabei weitgehend aufgelöst, auch der Bereich Immersive Video wurde reduziert.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Kürzungen wurden 147 Stellen unter dem WARN Act gemeldet, ein US-Gesetz, das Unternehmen bei größeren Entlassungswellen zur Vorabmeldung verpflichtet; weitere 60 Rollen im Vision- und VR-Bereich sind zusätzlich betroffen.
Als Hintergrund für den Einschnitt werden schwache Verkaufszahlen genannt: Laut Daten des Marktforschers IDC wurden im betroffenen Quartal nur rund 45.000 Vision-Pro-Einheiten verkauft.
Der Umbau fällt in eine Phase des Führungswechsels: John Ternus übernimmt zum 1. September die Position des CEO. Zudem ist für den 9. September ein Launch-Event angekündigt. Der angekündigte Umbau von Siri in Richtung künstlicher Intelligenz ließ die Apple-Aktie im Zuge der Nachrichten um 3 Prozent nachgeben.
Vision Pro bleibt im Portfolio – Fokus verschiebt sich
Trotz der Einschnitte wird Vision Pro nach bisherigem Stand nicht eingestellt. Ein neues Modell soll frühestens Ende 2028 folgen. Parallel verlagert Apple strategische Ressourcen in Richtung Smart Glasses, deren Einführung möglicherweise für 2027 angepeilt wird. Siri selbst soll grundlegend auf Basis von KI-Technologie neu aufgebaut werden.
visionOS 27: Neue Funktionen und Öffnung für Zubehör
Am 25. August 2026 veröffentlichte Apple die Public Beta 5 von visionOS 27 (Build 24M5359a). Die Beta bringt eine KI-gestützte Siri, verbesserte Visual-Intelligence-Funktionen, eine neue Siri-App, sogenannte Spatial Panoramas, die Umgebung „Thórsmörk“, gekrümmte App-Fenster, Web-Environments sowie eine bis zu dreifach schnellere WLAN-Verbindung.
Wer sich mit den neuesten Entwicklungen im Apple-Kosmos befasst, stößt oft auf komplizierte Fachbegriffe von AirDrop bis iOS. Dieses kostenlose Lexikon erklärt die 53 wichtigsten Begriffe verständlich und hilft Ihnen, die Apple-Sprache in wenigen Minuten zu meistern. In 10 Minuten die Apple-Sprache verstehen
Ein zentraler Bestandteil des Updates ist die offizielle Unterstützung von Drittanbieter-Bewegungscontrollern und getrackten Zubehörteilen, die auf Infrarot-LEDs und IMU-Sensoren basieren. Apple kooperiert dabei mit den Anbietern DFRobot und MIKROE, um handelsübliche Tracker kompatibel zu machen.
Begleitend veröffentlichte Apple ein 74-seitiges Dokument mit technischen Spezifikationen im Rahmen der Accessory Design Guidelines für Drittanbieter-Bewegungscontroller. Die Öffnung zielt sowohl auf Gaming- als auch auf Enterprise-Anwendungen und wird als strategische Anpassung an bestehende Industriestandards gewertet – mit Blick auf mögliche künftige Consumer-Versionen des Headsets.
Neue Inhalte: Live-Sport in Immersive Video
Auch inhaltlich setzt Apple auf Ausbau: Für den 28. August 2026 ist die erste Live-Übertragung eines MLB-Baseballspiels im Format Apple Immersive angekündigt, das Spiel zwischen den New York Yankees und den Boston Red Sox.
Während Apple seine Software-Systeme stetig komplexer macht, verlieren viele Nutzer den Überblick über die grundlegenden Funktionen ihrer Geräte. Dieser kostenlose Ratgeber räumt mit Technik-Blabla auf und bietet klare Erklärungen für einen stressfreien digitalen Alltag. Kostenloses iPhone-Lexikon jetzt herunterladen
Die Übertragung erfolgt in 8K-Auflösung mit 180-Grad-3D-Bild und einem eigens dafür zusammengestellten Kommentatoren-Team. Verfügbar sein soll das Angebot in neun Märkten, darunter die USA, Großbritannien und Deutschland. Voraussetzung sind ein Apple-TV+-Abonnement sowie ein Vision Pro mit M2- oder M5-Chip.
Gaming-Ökosystem wächst über Streaming-Lösungen
Da Apple das interne Gaming-Team weitgehend abgebaut hat, gewinnen externe Lösungen an Bedeutung. Die App KRVR, die für 15 US-Dollar erhältlich ist, ermöglicht per Foveated Streaming über Nvidias CloudXR-Technologie das Spielen von SteamVR-Titeln auf der Vision Pro, inklusive Passthrough-Cutouts und Desktop-Zugriff – vorausgesetzt, der Nutzer verfügt über eine Nvidia-Grafikkarte der RTX-40- oder RTX-50-Serie. Als kostenlose Alternativen werden ALVR und Clear XR genannt.
Auch der Cloud-Gaming-Dienst GeForce Now hat sein Angebot für Vision-Pro-Nutzer erweitert: Ultimate-Abonnenten erhalten nun ein Streaming mit 90 Bildern pro Sekunde statt zuvor 60, auch auf Quest 3 und Pico-Headsets. Über CloudXR werden zudem die Simulationen X-Plane 12 und iRacing offiziell auf der Vision Pro unterstützt – ein eigenes 3D-Gaming-Angebot fehlt bislang jedoch weiterhin.
Einordnung
Die Vision Pro, die seit ihrer Einführung mit 3.500 US-Dollar zu den teuersten Consumer-Headsets zählt und auf Eye- und Hand-Tracking als zentrale Bedienkonzepte setzt, steht damit an einem Scheideweg: intern schrumpft das Engagement in Gaming und Video, während extern über Zubehör-Öffnung und Cloud-Streaming neue Wege entstehen, das Gerät für Spiele nutzbar zu machen.
Ob sich daraus eine tragfähige Strategie ergibt, dürfte sich auch am Erfolg der für 2027 angepeilten Smart-Glasses-Linie und einem möglichen neuen Vision-Pro-Modell Ende 2028 entscheiden.

