Vision Pro: Apple-Chef Ternus ordnet Headset als „unfertiges Produkt“ ein

Apple hält an der Vision Pro fest: Trotz Stellenabbau und verhaltener Nachfrage entwickelt der Konzern visionOS weiter und öffnet es für Zubehör.

Apple-Hardwarechef John Ternus hat die Vision Pro im Interview mit dem französischen Sender Clique TV als noch unfertiges Produkt eingeordnet. Das Headset sei ein „erstaunliches Gerät“, befinde sich aber in den „frühen Tagen einer langen Reise“ – vergleichbar mit der Frühzeit der Computerentwicklung.

Zugleich bezeichnete Ternus die Vision Pro als „außergewöhnliches Produkt“ und erklärte, Apple habe „in die Zukunft gegriffen und sie in die Gegenwart hochnolt“.

Zwischen Zuversicht und Rechtfertigung

Ternus sieht eine „sehr helle Zukunft“ für die Vision Pro und geht davon aus, dass das Gerät zunehmend Nutzer gewinnt – verortet es aber weiterhin in den „allerfrühesten Tagen“. Als konkrete Anwendungsfälle nannte er Chirurgen, die das Headset zunehmend im Operationssaal einsetzen, sowie den Einsatz bei der Set-Entwicklung in der Filmproduktion.

Die Aussagen fallen in eine Phase, in der Ternus wegen Entlassungen in der Vision-Pro-Abteilung in der Kritik steht. Bloomberg-Reporter Mark Gurman berichtete, dass über 100 Apple-Mitarbeiter aus dem Vision-Pro-Team entlassen wurden und Ternus die Produktkategorie „auf Eis“ gelegt habe.

Vision Pro und visionOS würden laut Gurman aber nicht eingestellt. Kommerziell bezeichnete Gurman das Headset als Flop und schrieb, Ternus sei von Anfang an skeptisch gewesen – ihm sei das Gerät zu sperrig und zu teuer.

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Ternus‘ Vergangenheit in der VR-Branche

Ternus arbeitete zwischen 1997 und 2001 als Mechanical Engineer beim inzwischen aufgelösten VR-Headset-Hersteller Virtual Research Systems, vermutlich am V8-Headset. 2021 wurde er als Nachfolger von Dan Riccio SVP Hardware Engineering bei Apple und überwachte 2023 den Launch der Vision Pro. Laut Gurman zählt Ternus intern häufig zum „konservativen Lager“, etwa bei Projekten wie dem Apple Car oder dem Mixed-Reality-Headset.

Preis, Software und Ausblick

Das aktuelle Modell mit M5-Chip startet in den USA bei 3.499 US-Dollar, die Hardware blieb seit dem M5-Update unverändert. Mittlerweile stehen über eine Million Apps zur Verfügung, davon mehr als 3.000 speziell für visionOS – regelmäßige Verkaufs- oder Nutzerzahlen veröffentlicht Apple nicht.

Berichten zufolge hat Ternus einen schmaleren Vision-Fahrplan genehmigt, der stärker auf Smart Glasses setzt; das Timing weiterer Headsets bleibt unklar.

Ein günstigeres Vision-Pro-Modell, ein Nachfolger oder ein Release-Datum wurden bislang nicht angekündigt. Supply-Chain-Leaks deuten auf zwei mögliche neue Headset-Projekte hin, während Apple seine Investitionen in leichtere Smart Glasses als Konkurrenz zu Ray-Ban Meta ausbaut.

Tim Cook hatte die Vision Pro früher als Produkt für frühe Anwender charakterisiert – kommerziell erreicht das Gerät nicht die Erfolge von iPhone, iPad, Mac, Watch oder AirPods. Mike Rockwell, Vice President der Vision Products Group, hatte im Zusammenhang mit visionOS 26 betont, die Vision Pro habe definiert, was möglich sei.

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Software-Update als Zeichen fortgesetzter Entwicklung

Trotz der Entlassungen und der zurückhaltenden Vermarktung treibt Apple die Softwareseite weiter voran. Vergangene Woche veröffentlichte das Unternehmen visionOS 27 als kostenloses Update für beide Vision-Pro-Versionen. Es bringt Siri-KI-Funktionen mit app-übergreifendem persönlichem Kontext, Visual Intelligence zur Objekterkennung, neue Spatial Scenes für Panoramafotos, eine neue Thórsmörk-Umgebung sowie immersive Safari-Umgebungen.

Für Unternehmenskunden wurden Device-Management-Funktionen erweitert, etwa einschränkbare Siri-KI- und Kalenderfunktionen sowie Netzwerkkonfigurationen für verwaltete Geräteflotten.

Siri-KI ist zunächst nur auf Englisch verfügbar. In der EU startete die Funktion aufgrund von Anforderungen des Digital Markets Act auf iPhone, iPad und Apple Watch nicht zum Auftakt – macOS 27 und visionOS 27 bilden hier eine Ausnahme, in der Schweiz fehlt die Funktion ganz.

Zudem öffnete visionOS 27 das Tracking-System der Vision Pro für Zubehör von Drittanbietern mit bis zu 90 Hz – ein Schritt, der das Ökosystem um das Headset über Apples eigene Hardware hinaus erweitern könnte.