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Oslo – Vivaldi Technologies hat am 29. April Version 7.9 seines gleichnamigen Browsers veröffentlicht. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Das Unternehmen aus Oslo verzeichnet ein starkes Wachstum und hat die Marke von 4 Millionen aktiven Nutzern geknackt. Die neue Version setzt auf ein minimalistisches Interface und bleibt der strikten Entwicklungsphilosophie treu: keine künstliche Intelligenz.
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„Auto-Hide UI“ für maximale Bildschirmfläche
Das Herzstück von Vivaldi 7.9 ist der neue „Auto-Hide UI“-Modus. Toolbars, Tab-Leisten und Panels verschwinden automatisch, bis der Nutzer den Mauszeiger an den Bildschirmrand bewegt. Das Ziel: maximale digitale Fläche für die eigentliche Arbeit. Ein klarer Gegenentwurf zu Konkurrenten wie Google Chrome oder Microsoft Edge, die verstärkt auf generative KI-Assistenten in der Benutzeroberfläche setzen.
Bereits im Januar hatte CEO Jon von Tetzchner die Branche scharf kritisiert. Die Jagd nach KI-Funktionen ignoriere oft die Wünsche der Nutzer. Mit Version 7.8 hatte das Unternehmen den Browser offiziell als „frei von KI-Schrott“ bezeichnet. Die Botschaft: Nutzer brauchen leistungsstarke, manuelle Werkzeuge – keine algorithmischen Assistenten, die Daten sammeln.
Auch die „Tiled Follower Tab“-Funktion wurde verfeinert. Sie öffnet Links automatisch in einer geteilten Bildschirmansicht – ein Feature für Power-User, die komplexe Arbeitsabläufe ohne externe Erweiterungen managen.
Skandinavien treibt das Wachstum
Der Sprung auf 4 Millionen aktive Nutzer Ende Februar 2026 ist das Ergebnis eines rasanten Jahres. Besonders in Skandinavien legt Vivaldi zu: In Norwegen stieg die Nutzerzahl seit Anfang 2025 um 140 Prozent, in Dänemark sogar um 200 Prozent.
Das Management führt diesen Erfolg auf die wachsende Nachfrage nach europäischer Technologie und „digitaler Souveränität“ zurück. Vivaldi ist ein unabhängiges, mitarbeitergeführtes Unternehmen ohne externe Investoren. Der Browser sammelt keine Nutzerdaten und trackt keine Surfgewohnheiten – ein entscheidender Vorteil in Märkten mit strengen Datenschutzregeln wie der EU.
Mit nur rund 65 Mitarbeitern in Oslo bleibt das Unternehmen schlank. Ein weiterer Stabilitätsfaktor: Vivaldi ist der Standard-Browser für bestimmte Linux-Distributionen wie Manjaro Cinnamon Edition. Die Open-Source-Community schätzt die hohe Anpassbarkeit.
Marktanteil: Klein, aber fein
Trotz des Wachstums bleibt Vivaldi ein Nischenplayer. Laut einer Analyse von Digital Applied vom 22. April 2026 hält der Browser rund 1,8 Prozent des globalen Marktes. Zum Vergleich: Google Chrome kommt auf 65,1 Prozent. Doch Analysten betonen: Vivaldis Nutzer sind überdurchschnittlich wertvoll – Entwickler, Forscher und technisch versierte Anwender.
Eine zentrale Herausforderung bleibt die Abhängigkeit von der Blink-Rendering-Engine, die vom Google-dominierten Chromium-Projekt stammt. Blink treibt aktuell 78,4 Prozent aller Web-Sitzungen weltweit an. Vivaldi nutzt die Engine für maximale Kompatibilität, setzt aber eine eigene Benutzeroberfläche und Funktionen dagegen – um sich von den Tracking-Mechanismen des Chrome-Ökosystems abzugrenzen.
Die Integration eigener Dienste wie Vivaldi Mail, Kalender und Feed-Reader ist Teil dieser Strategie. Sie halten Nutzer in einer datenschutzgeschützten Umgebung und reduzieren die Abhängigkeit von Drittanbieter-Erweiterungen, die oft Sicherheitslücken darstellen.
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„No AI“ als Markenkern
Vivaldis Wachstum spiegelt eine Spaltung des Browser-Marktes 2026 wider. Während die Großen auf KI und werbefinanzierte Ökosysteme setzen, fahren die Herausforderer den Gegenkurs. Die „No-AI“-Haltung ist kein Marketing-Gag, sondern eine strukturelle Entscheidung. CEO von Tetzchner argumentiert, KI-Funktionen dienten oft als Datensammelwerkzeuge für Großkonzerne. Wer sie ablehne, spreche jene Nutzer an, die sich von den großen Plattformen zur KI-Nutzung „gezwungen“ fühlten.
Die finanzielle Unabhängigkeit des Unternehmens macht dies möglich. Vivaldi ist komplett selbstfinanziert und kann langfristiges Nutzervertrauen über kurzfristige Investorenrenditen stellen. Dieses Prinzip war für von Tetzchner nach seinem Abschied von Opera Software prägend. Dort hatte er erlebt, wie Investorendruck dazu führte, dass Power-User-Funktionen zugunsten einer Massenmarkt-Vereinfachung gestrichen wurden.
Ausblick: Mobil und dezentral
Für die zweite Jahreshälfte 2026 plant Vivaldi, die mobile Präsenz weiter auszubauen. Die Updates 7.8 und 7.9 für Android und iOS haben die Lücke zum Desktop geschlossen – mit besserem Tab-Management und erweiterten Sync-Funktionen.
Auch im Bereich dezentraler Netze will Vivaldi wachsen. Die hauseigene Mastodon-Instanz wächst stetig, und das Management hat weitere Unterstützung für dezentrale soziale Medien angedeutet. Ziel: die algorithmische Kontrolle traditioneller Plattformen umgehen.
Die größte Aufgabe bleibt die Skalierung der Infrastruktur. 4 Millionen Nutzer und ein klares Profil als „Browser für Piloten“ – Vivaldi ist gut positioniert, um seine Rolle als führende unabhängige Alternative in der europäischen Digitallandschaft zu festigen.

