In der IT-Sicherheitsbranche zeichnet sich ein deutlicher Trend zur Ablösung herkömmlicher VPN-Konnektivität ab. Experten konkretisierten Mitte August 2026 die Vorteile identitätsbasierter, anwendungsbezogener Zero-Trust-Pfade über Microsoft Entra, um strukturelle Sicherheitsrisiken klassischer Fernzugriffe zu minimieren.
Funktionsweise und Vorteile von Microsoft Entra Private Access
Microsoft Entra Private Access, ein Dienst auf Basis von Zero Trust Network Access (ZTNA), ersetzt die traditionelle VPN-Konnektivität durch eine identitätsbasierte Zugriffskontrolle. Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen entfallen hierbei öffentliche VPN-Gateways. Der Zugriff wird granular auf Anwendungsebene gesteuert und durch kontinuierliche Autorisierung via Conditional Access abgesichert.
Für die Implementierung nennt Microsoft spezifische Voraussetzungen: Erforderlich sind Lizenzen für Entra ID P1 sowie Private Access, mindestens zwei Connectors und Endgeräte mit Windows Server 2016 oder neuer beziehungsweise Entra-registrierte Geräte. Ziel ist es, die sogenannte laterale Bewegung von Angreifern im Netzwerk zu verhindern, die bei traditionellen VPNs oft möglich ist, sobald eine einmalige Authentifizierung erfolgreich war.
Sicherheitsrisiken herkömmlicher Fernzugriffslösungen
Branchenexperten wie Richard Hicks weisen auf die strukturellen Mängel klassischer VPNs hin. Diese gewähren nach der Anmeldung häufig einen zu breiten Netzwerkzugang und schaffen damit übermäßige Privilegien. Hicks plant hierzu im November eine detaillierte Sitzung zur Migration von Always On VPN hin zu Microsoft Entra Private Access auf der Live! 360 Tech Con in Orlando.
Analysen von HEAL Security unterstreichen diesen Befund. Traditionelle VPNs weisen demnach den Fehler auf, dass gestohlene Zugangsdaten den vollen Netzwerkzugriff vererben.
Während Cisco Secure Client und Palo Alto GlobalProtect weiterhin als Enterprise-Standards gelten, sieht der Dienstleister moderne Least-Privilege-Lösungen wie Twingate oder Tailscale im Aufwind. Für die Remote-Arbeit wird explizit ZTNA empfohlen, während VPNs nur noch für Altsysteme (Legacy) zum Einsatz kommen sollten.
Steigende Bedrohungslage durch Identitätsdiebstahl
Die Dringlichkeit des Umstiegs wird durch aktuelle Sicherheitsdaten untermauert. Laut CrowdStrike meldeten im Jahr 2025 insgesamt 86 % der Organisationen identitätsbezogene Vorfälle. Etwa 43 % der Unternehmen identifizierten fehlende Möglichkeiten zum sofortigen Rechteentzug bei erkannten Risiken als kritische Präventionslücke.
Zusätzlich verschärfen KI-gestützte Angriffe die Lage. Sicherheitsverantwortliche beobachten einen Anstieg von Social-Engineering-Versuchen. Statistiken zeigen zudem, dass 86 % aller Datenpannen auf kompromittierte Zugangsdaten zurückzuführen sind.
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Plattformen, die Sicherheitsfunktionen bündeln, erzielen laut Marktbeobachtern deutlich höhere Rentabilitätswerte (ROI) und können Vorfälle im Schnitt 72 Tage schneller erkennen als fragmentierte Einzellösungen.
Kritische Schwachstellen in bestehenden Systemen
Aktuelle Warnmeldungen von Behörden verdeutlichen die Verwundbarkeit herkömmlicher VPN-Gateways. Die CISA nahm kürzlich eine kritische Sicherheitslücke in der WatchGuard Firebox (CVE-2025-14733) in ihren Katalog bekannter ausgenutzter Schwachstellen auf, die über 115.000 Geräte betreffen kann.
Auch Systeme von Palo Alto (CVE-2026-0257) und Fortinet (CVE-2024-55591) sind Ziel aktiver Angriffe durch Ransomware-Gruppen, wobei Lösegeldforderungen von über 10 Millionen US-Dollar verzeichnet wurden.
Anpassungen bei Authentifizierung und Lizenzkosten
Microsoft reagiert auf die veränderte Bedrohungslage mit einer Verschärfung der Sicherheitsrichtlinien. Ab dem 1. September 2026 wird die Registrierung von Passkeys forciert, da herkömmliche SMS- und Sprachauthentifizierungen ab dem 1. Februar 2027 für Entra ID nicht mehr unterstützt werden. Passkeys gelten aufgrund der Public-Key-Kryptografie als resistent gegen Phishing und SIM-Swapping.
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Gleichzeitig steigen die Kosten für die Identitätsverwaltung. Seit dem 1. Juli 2026 wurden die Preise für Entra ID P1 auf 7 US-Dollar und für P2 auf 10 US-Dollar angehoben. Auch die Governance für externe Gäste in SharePoint und OneDrive wird kostenpflichtig; hier fallen pro Gast und Monat 0,75 US-Dollar an.
Da typische Mandanten oft ein Vielfaches an Gastkonten im Vergleich zur Mitarbeiterzahl verwalten, entstehen hier signifikante Zusatzkosten. So belaufen sich die Kosten für 5.000 Gäste auf etwa 15.000 US-Dollar pro Jahr.

