Eine deutsche Genossenschaftsbank geht neue Wege: Die Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte eG will noch in diesem Jahr Kredite testen, die mit Bitcoin besichert sind. Das Pilotprojekt soll 2026 für echte Kunden starten und reagiert auf die wachsende Nachfrage nach regulierten Finanzprodukten für Kryptobesitzer.
So funktionieren die digitalen Lombardkredite
Das Prinzip ist altbewährt, das Pfand neu: Kunden können ihre Bitcoin-Bestände als Sicherheit hinterlegen und erhalten im Gegenzug einen Euro-Kredit. Kern der Entwicklung ist die Festlegung eines angemessenen Beleihungswerts (LTV), der das Risiko durch die typische Bitcoin-Volatilität abfedern soll.
In einer Demonstrationsversion ist der LTV auf 50 Prozent festgelegt. Wer also Bitcoin im Wert von 100.000 Euro hinterlegt, kann bis zu 50.000 Euro leihen. Diese konservative Quote soll Puffer für Kursschwankungen bieten. Die Bank zeigt sich überzeugt von Bitcoin als Sicherheit – trotz aller Volatilität sei die digitale Währung liquide und übertragbar wie ein traditioneller Vermögenswert.
Strategische Allianz treibt die Technologie voran
Hinter dem Pilotprojekt steht eine Dreierallianz. Die Bank arbeitet mit der österreichischen Bitcoin-Plattform 21bitcoin und dem Fintech-Anbieter Sopra Financial Technology zusammen. Sopra baut die technische Brücke zwischen Blockchain und Bankensystem, während 21bitcoin das Nutzererlebnis sowie die Verwahrung der Krypto-Assets übernimmt.
Ein entscheidender Faktor: Die Lösung wird von Anfang an für die kommende EU-Regulierung MiCA (Markets in Crypto-Assets) entwickelt. Das soll maximale Rechtssicherheit und Kundenschutz gewährleisten. Bankchef Andreas Streb betont, dass die Idee auf direkte Kundenanfragen zurückgeht. Viele Bitcoin-Besitzer wünschen sich Liquidität, möchten ihre Bestände aber nicht verkaufen – sei es aus Steuergründen oder in Erwartung weiterer Kurssteigerungen.
Blaupause für das gesamte Bankensystem?
Die Strategie der VR Bank Bayern Mitte geht über das eigene Geschäft hinaus. Geplant ist eine White-Label-Lösung, die auch an andere Banken und Finanzdienstleister lizenziert werden kann. Dies könnte die Einstiegshürde für andere Institute senken und die Akzeptanz von Krypto-Besicherungen in der gesamten Branche beschleunigen.
Die Genossenschaftsbank bringt dabei ihre Erfahrung als eine der ersten deutschen Banken mit einer eigenen Bitcoin-Strategie ein. 21bitcoin steuert Expertise im Umgang mit über 100.000 europäischen Kunden bei. Die Partnerschaft könnte so zum Vorbild für andere regionale und nationale Geldhäuser werden, die die wachsende Zahl von Kunden mit digitalen Vermögenswerten bedienen wollen.
Ein Meilenstein für Bitcoin als Assetklasse
Der Schritt einer etablierten Genossenschaftsbank markiert einen Reifeprozess. Zwar gibt es Krypto-Kredite seit Jahren im dezentralen Finanzsektor (DeFi). Die Integration in das regulierte Geschäft einer traditionellen europäischen Bank ist jedoch neu. Sie signalisiert eine wachsende Akzeptanz digitaler Assets und den Willen der etablierten Finanzwelt, auf verändertes Anlegerverhalten zu reagieren.
Die Branche beobachtet das Projekt aufmerksam. Gelingt der Pilot, könnte die VR Bank Bayern Mitte den ersten voll regulierten Bitcoin-Kredit Europas anbieten. Dies wäre ein bedeutender Schritt, um die Kluft zwischen Krypto-Ökonomie und traditionellem Bankwesen zu überbrücken – und neue finanzielle Möglichkeiten für Bitcoin-Besitzer auf dem gesamten Kontinent zu eröffnen.





