In der digitalen Produktivitätsbranche zeichnet sich ein deutlicher Trend zur KI-gestützten Automatisierung von Diagrammen und technischen Illustrationen ab. Anfang Oktober wurde mit VSDXAI ein neuer Arbeitsbereich vorgestellt, der die Umwandlung unstrukturierter Datenquellen in bearbeitbare Visio-Diagramme ermöglicht.
Die Lösung nutzt künstliche Intelligenz, um Informationen aus Excel-Tabellen, PDF-Dokumenten, DOCX-Dateien, Bildern sowie Audioaufnahmen zu extrahieren und grafisch aufzubereiten.
Multimodale Analyse und Bearbeitung durch VSDXAI
Das System von VSDXAI unterstützt insgesamt neun verschiedene Diagrammtypen. Eine Besonderheit der Lösung liegt in der Granularität der Quellenbezüge: Die KI ist in der Lage, spezifische Tabellenzellen, Absätze aus Textdokumenten, einzelne PDF-Seiten oder präzise Zeitstempel aus Audioaufnahmen als Grundlage für die grafische Darstellung zu benennen.
Für die Nachbearbeitung der erzeugten Grafiken steht den Anwendern ein integrierter draw.io-Editor zur Verfügung. Alternativ können Änderungen über sprachbasierte Prompts angewiesen werden. Das System bietet zudem einen Versionsverlauf sowie Exportoptionen in den Formaten draw.io, PNG und SVG an. Ein nativer Export im VSDX-Format ist laut Anbieterangaben an einen kostenpflichtigen Zugang gebunden.
Lösungen zur Rekonstruktion bestehender Grafiken
Parallel dazu wurden weitere Werkzeuge für die Wiederherstellung und Konvertierung von Diagrammen veröffentlicht. Der Dienst LayerBack konzentriert sich auf die Rekonstruktion von Diagrammen aus Bilddateien in den Formaten PNG, JPEG und WebP sowie aus ausgewählten PDF-Seiten.
Die resultierenden Dateien werden in Formaten wie VSDX, PPTX, draw.io oder SVG ausgegeben, wobei Formen, Beschriftungen und Verbindungslinien editierbar bleiben. Individuelle Grafiken innerhalb der Vorlage können dabei als Bildbestandteile erhalten bleiben. Während eine Vorschau ohne Benutzerkonto möglich ist, erfordern die Bearbeitung und der Download eine Anmeldung sowie die Nutzung von Credits.
Ein weiteres Projekt in diesem Segment ist OpenVS. Dieses Open-Source-Vorhaben ermöglicht die Erstellung von VSDX-Dateien aus Textbeschreibungen oder Bild-Uploads. Unterstützt werden sechs Diagrammtypen, darunter Architektur-, Sequenz- und Swimlane-Diagramme.
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Das System setzt eine lokale Umgebung mit Windows, Python 3.10 und Microsoft Visio in der Version 2016 oder neuer voraus. Die Bearbeitung bestehender Dateien ist hierbei nicht vorgesehen; das Tool konzentriert sich auf die Neuerstellung von Dokumenten.
Für Anwender im Microsoft-Ökosystem wurde zudem Lucen Flowchart für PowerPoint verfügbar gemacht. Das Tool erlaubt die Erstellung von Flussdiagrammen und Entscheidungsbäumen direkt als editierbare PowerPoint-Formen. In einer Umfrage von Lucen Software unter 308 Befragten hatten 55 % der regelmäßigen Nutzer und 72 % der Nichtnutzer die manuelle Erstellung als größte Hürde identifiziert.
Der Anbieter gibt an, dass durch die Automatisierung jährlich mehr als 100 Stunden Arbeitszeit pro Team eingespart werden könnten. Die Nutzung ist in einem kostenlosen Tarif oder einer Plus-Variante für 9 US-dollar monatlich bei jährlicher Abrechnung (108 US-Dollar pro Jahr) möglich.
Branchenspezifische Anwendungen für Forschung und Industrie
Im Bereich der technischen Dokumentation bietet ManualFig einen spezialisierten Workflow an. Dieser nutzt Produktbilder und Textanweisungen, um Illustrationen für Montage- und Installationshandbücher zu generieren.
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Zu den Aufgaben gehören technische Linienzeichnungen und Explosionsansichten mit nummerierten Teilen. Dabei dienen CAD-Screenshots als Bildreferenz, ein direkter Import von CAD-Modellen erfolgt jedoch nicht. Die Nutzer sind dazu angehalten, die Verfahren und Sicherheitsangaben der generierten Ergebnisse eigenständig zu prüfen.
Für den wissenschaftlichen Sektor wurde mit SciDraw AI ein System für Manuskriptfiguren und Datencharts vorgestellt. Es verarbeitet Daten aus CSV- und Excel-Dateien zu spezialisierten Darstellungen wie Violin-, Box-, Regressions- oder Überlebens-Plots. Zusätzlich führt die Software technische Prüfungen hinsichtlich Auflösung, Farbraum und Format durch. Auch hier wird betont, dass die KI-Ergebnisse einer fachlichen Prüfung bedürfen.
Die Optimierung von Produktdaten für das Master Data Management wird durch die Lösung BEAVEL von Exa adressiert. Das System kombiniert generative KI mit OCR-Technologie, um Daten aus Katalogen und technischen Zeichnungen für PIM-Systeme zu strukturieren.
In Tests von Exa stieg die Extraktionsgenauigkeit von 70 % auf 97 %, während der Aufwand für die Datenaufbereitung um 73 % sank. Eine Katalogseite mit etwa 30 Artikeln und 200 Feldern wurde laut Anbieter in 10:30 Minuten verarbeitet, verglichen mit 42 Minuten im herkömmlichen Verfahren.
Technologische Basis und Plattform-Updates
Die Grundlage für solche Entwicklungen bilden fortschrittliche Erkennungsmodelle. Das Xingchen AGI Lab von China Telecom hat TeleOCR als Open Source veröffentlicht. Das Modell verfügt über rund 1,2 Milliarden Parameter und erzielte in Benchmarks wie OmniDocBench v1.6 einen Wert von 96,87 von 100 Punkten. Es unterstützt acht verschiedene Dokumentenaufgaben, einschließlich der Erkennung von Formeln, Siegeln und Tabellen.
Ergänzend dazu wurden Updates für bestehende Bibliotheken gemeldet. Aspose kündigte die Version 18.10 von Aspose.Diagram für .NET und Java an. Die Aktualisierung umfasst Verbesserungen bei der Darstellung von Schatten, Formverbindungen und Textumbrüchen bei Konvertierungen von VSDX zu SVG oder PDF. Zudem wurden verschiedene Fehler bei der Linienführung und Textdarstellung behoben, die zuvor bei Visio-Konvertierungen auftreten konnten.

