Gleich mehrere Forschungsdurchbrüche und Unternehmensentscheidungen zeigen heute neue Wege auf, um die thermischen Herausforderungen moderner KI-Chips zu bewältigen.
Programmierbares Material lenkt Wärme gezielt um
Forscher der Osaka Metropolitan University haben ein Material entwickelt, das Wärmestrahlung aktiv umleiten kann – und das ohne dauerhafte Stromzufuhr. Die Kombination aus magneto-optischen und Phasenwechselmaterialien, insbesondere GST (Germanium-Antimon-Tellur), ermöglicht es, die Wärmeabstrahlung präzise zu steuern.
Der Clou: Das Material behält seinen programmierten Zustand auch ohne Energiezufuhr bei. Diese nichtflüchtige Eigenschaft macht es besonders interessant für Infrarotsensoren, photonische Speicher und vor allem für die Kühlung von KI-Chips, die unter extremen thermischen Bedingungen arbeiten.
Elektrische Felder verdreifachen Wärmeleitung
Bereits Anfang der Woche gelang Forschern am Oak Ridge National Laboratory ein weiterer Durchbruch. Durch Anlegen eines elektrischen Feldes an ein relaxor-ferroelektrisches Keramikmaterial konnten sie die Wärmeleitfähigkeit um fast 300 Prozent steigern.
Der Mechanismus: Das elektrische Feld unterdrückt antiferroelektrische Fluktuationen, wodurch die Lebensdauer der Phononen steigt – jener Teilchen, die Wärme im Festkörper transportieren. Die Ergebnisse, veröffentlicht in PRX Energy, ebnen den Weg für adaptive Festkörperkühler, die sich dynamisch an die Hitzeentwicklung von KI-Hardware anpassen könnten.
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Metamaterialien und Tarnkappen für Wärme
Ein internationales Forscherteam von Carnegie Mellon, Stanford und Purdue präsentierte gestern in Nature ein neuartiges Metamaterial. Gold-Split-Ring-Resonatoren auf Siliziumnitrid-Membranen verstärken den strahlungslosen Wärmetransport um das bis zu Vierfache. Möglich wird dies durch die Kopplung von Oberflächen-Phonon-Polaritonen – ein Effekt, der die Kühlung auf Chip-Ebene revolutionieren könnte.
Parallel dazu stellten Ingenieure der University of Illinois eine dreidimensionale Wärmetarnkappe vor. Das 3D-gedruckte Aluminiumgitter, gefüllt mit Gummi, leitet Wärme um Objekte jeder Form herum – und macht sie damit für Wärmebildkameras unsichtbar. Die Technik könnte in der Sicherheitstechnik und im Militärbereich Anwendung finden.
Neuartige Sensoren für Satelliten und Industrie
Eine Kooperation zwischen KAIST und MIT präsentierte heute einen durchstimmbaren räumlichen Lichtmodulator für das mittlere Infrarot. Das Bauteil nutzt GSST-Phasenwechselmaterial und Silizium-PIN-Dioden, um auf einer 6×6-Matrix einzelne Pixel zu steuern.
Die Technologie übersteht über 16.700 Schaltzyklen und bleibt ohne Stromversorgung stabil. Die Forscher sehen Anwendungen in softwaredefinierten Sensoren für Satelliten, Wärmebildkameras und chemischer Spektroskopie. Die Details wurden Anfang Juli in Nature Communications veröffentlicht.
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Milliarden-Übernahme und neue KI-Infrastruktur
Die Industrie reagiert auf den wachsenden Kühlungsbedarf: Solstice Advanced Mat kündigte am Sonntag die Übernahme von Element Solutions für rund 14,5 Milliarden Euro an. Der Zusammenschluss zielt gezielt auf den Elektronik- und Rechenzentrumsmarkt, insbesondere auf KI-getriebene Anwendungen. Die fusionierten Unternehmen erzielten 2025 einen Nettoumsatz von etwa 6,8 Milliarden Euro.
Dell und NVIDIA aktualisierten zudem ihr „AI Factory“-Angebot. Die neuen PowerEdge-Server mit NVIDIA-Blackwell-GPUs und modularer Architektur sollen die Kosten für bestimmte KI-Operationen am Arbeitsplatz um bis zu 87 Prozent senken. Infineon Technologies präsentierte parallel seine neuesten Leistungshalbleiter und KI-optimierten Mikrocontroller, darunter den PSOC Edge und AURIX TC4x, die auf Energieeffizienz in Rechenzentren und der Automobilindustrie abzielen.

