Waymo drängt mit neuen Zulassungen und einem milliardenschweren Ausbauplan in den US-Markt – doch gleichzeitig erhöhen Behörden den Druck. Während der Google-Konzern Alphabet sein autonomes Taxi-Geschäft auf zehn Metropolen ausweitet, untersuchen US-Behörden eine Reihe von Vorfällen. Die Debatte dreht sich längst nicht mehr nur um Technik, sondern auch um massive Jobverluste.
Testphase in Pittsburgh und nationale Expansion
Der Weg für fahrerlose Taxis in Pittsburgh ist frei. Am 6. März erhielt Waymo die Genehmigung, seine autonomen Fahrzeuge in der Stadt zu testen – vorerst noch mit Sicherheitsfahrer. Die Fahrzeuge stehen bereits in einem Depot im Viertel East Liberty, unweit der Google-Büros. Dieser Schritt ist die Voraussetzung, um später vollständig fahrerlose Dienste anbieten zu können.
Die Expansion in Pennsylvania folgt auf einen massiven Wachstumsschub. Ende Februar startete Waymo seinen vollautonomen Fahrdienst zeitgleich in vier südlichen Großstädten: Dallas, Houston, San Antonio und Orlando. Damit ist der Dienst nun in zehn US-Metropolen verfügbar. Angetrieben von einer frischen Finanzierungsrunde in Höhe von 16 Milliarden Euro peilt das Unternehmen ein ehrgeiziges Ziel an: Bis Ende 2026 will Waymo eine Million bezahlte Fahrten pro Woche absolvieren.
Sicherheitsforum und laufende Untersuchungen
Das rasante Wachstum alarmiert die Aufsichtsbehörden. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat für diese Woche ein nationales Sicherheitsforum zu autonomen Fahrzeugen angekündigt. An dem Gipfel nehmen Top-Manager von Waymo und seinen Konkurrenten Zoox und Aurora teil. Im Fokus steht der Spagat zwischen Innovation und öffentlicher Sicherheit.
Hintergrund sind mehrere laufende Untersuchungen. Die National Transportation Safety Board (NTSB) prüft Vorfälle in Austin, bei denen Waymo-Fahrzeuge angehaltene Schulbusse überholt haben sollen. Das Unternehmen hatte zuvor einen freiwilligen Rückruf initiiert, nachdem seine Fahrzeuge Schulbusse mindestens 19 Mal unrechtmäßig passiert hatten.
Erst am 6. März veröffentlichten Ermittler vorläufige Ergebnisse zu einem Unfall im Januar. In einer Schulzone von Santa Monica war ein Waymo-Fahrzeug mit einem neunjährigen Schüler kollidiert. Der Wagen bremste zwar stark ab, konnte den Zusammenstoß aber nicht verhindern. Das Kind wurde leicht verletzt. Das NHTSA-Forum soll nun Leitlinien für den sicheren Umgang mit solchen Grenzsituationen entwickeln.
Öffentliche Skepsis: Angst vor Jobverlusten
Die größte Hürde für die Branche könnte jedoch die öffentliche Meinung sein. Eine Studie der University of California San Diego zeigt: Die Skepsis der Bürger geht weit über Sicherheitsbedenken hinaus. Ganze 85 Prozent der Befragten glauben, dass die flächendeckende Einführung autonomer Taxis und Lieferdienste zu erheblichen Jobverlusten führen wird.
Fast die Hälfte der Teilnehmer fürchtet zudem, dass die Technologie die soziale Ungleichheit verschärfen wird. „Die Bereitschaft der Bevölkerung, Robotaxis zu akzeptieren, hängt direkt mit diesen wirtschaftlichen Ängsten zusammen“, erklärt Studienmitautor Behram Wali. Die Branche stehe vor einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Transformation. Sie müsse nicht nur die Sicherheit beweisen, sondern auch zeigen, dass die Einführung nicht auf Kosten der Beschäftigten im Transportsektor geht.
Ausblick: Wachstum trotz Widerstände
Trotz der Widerstände hält Waymo an seinen Expansionsplänen fest. Noch 2026 will der Konzern den kommerziellen Betrieb in Washington D.C. aufnehmen. Gesetzgeber ebnen den Weg: In Virginia wird ein Gesetz debattiert, das Städten verbieten soll, autonome Fahrzeuge zu verbieten. Bei Verabschiedung könnten Dienstleister wie Waymo nahtlos im Großraum Washington operieren.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Die Unternehmen müssen beweisen, dass ihre als Stufe-4-Automation eingestuften Systeme komplexe Situationen wie Schulzonen und unvorhersehbares menschliches Verhalten sicher meistern können. Die Ergebnisse des NHTSA-Forums werden maßgeblich bestimmen, wie schnell sich die fahrerlose Technologie vom Experiment zum festen Bestandteil des öffentlichen Nahverkehrs entwickelt.





