Der Google-Mutterkonzern Alphabet schickt seine Roboterautos in die britische Hauptstadt. Waymo bereitet mit intensiver Datensammlung den Start eines fahrerlosen Fahrdienstes vor – und stellt sich damit gegen europäische Konkurrenz.
London – Der Wettlauf um die Straßen Europas nimmt Fahrt auf: Waymo, das autonome Tochterunternehmen von Alphabet, kartiert derzeit intensiv ein 100 Quadratkilometer großes Gebiet in London. Das Ziel ist klar: Noch 2026 will der Tech-Riese hier einen vollständig fahrerlosen Taxidienst starten. Diese massive Datensammlung markiert die heiße Phase von Waymos erstem Vorstoß auf den europäischen Markt – und ein klares Vertrauensvotum in das regulatorische Umfeld Großbritanniens.
Seit Ende vergangenen Jahres sind elektrische Jaguar I-PACE von Waymo unterwegs, um hochpräzise Karten der komplexen Londoner Straßen zu erstellen. Diese HD-Karten sind die Grundlage für den „Waymo Driver“, das autonome Steuerungssystem. Der Schritt folgt der offiziellen Ankündigung vom Oktober 2025, einen kommerziellen Service in London zu starten. Damit tritt Waymo direkt gegen etablierte Fahrdienste und lokale KI-Entwickler an. Die britische Regierung begrüßt die Investition als Schlüssel, um das Land zum globalen Führer in der Automatisierungstechnologie zu machen.
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Strategische Präsenz in 19 Stadtbezirken
Waymos Kartierungsaktion ist kein kleines Testfeld. Das Unternehmen validiert seine Technologie in mindestens 19 Londoner Bezirken sowie der City of London. Das Gebiet umfasst dichte Innenstadtlagen wie Westminster, Kensington und Chelsea sowie Wohnbezirke wie Camden, Ealing, Southwark und Greenwich.
Diese breite Streuung soll sicherstellen, dass die Technologie Londons einzigartige Herausforderungen rund um die Uhr meistern kann. Die Jaguar-Flotte, identisch mit den US-Fahrzeugen, ist mit einem mächtigen Sensor-Set ausgestattet: Lidar, Kameras und Radar verschaffen eine 360-Grad-Ansicht der Umgebung bis zu 300 Meter entfernt. In der aktuellen Testphase sitzen noch Sicherheitsfahrer hinter dem Steuer. Der tägliche Betrieb der Flotte – Laden und Wartung – wird vom Londoner Mobilitätspartner Moove übernommen.
Vorteil durch klare Gesetze
Waymos Expansion wird durch ein förderliches regulatorisches Umfeld begünstigt. Der wegweisende Automated Vehicles (AV) Act von Mai 2024 schafft die rechtliche Grundlage für selbstfahrende Autos. Das Gesetz sieht vor, dass solche Fahrzeuge bis 2026 auf britischen Straßen unterwegs sein sollen. Es setzt strikte Sicherheitsstandards: Die autonomen Systeme müssen mindestens so sicher sein wie ein umsichtiger menschlicher Fahrer.
Die Regierung rechnet damit, dass die Branche bis 2035 bis zu 42 Milliarden Pfund wert sein und 38.000 Jobs schaffen könnte. Eine Schlüsselrolle spielt das Centre for Connected and Autonomous Vehicles (CCAV), eine gemeinsame Einheit der Verkehrs- und Wirtschaftsministerien. Dieser proaktive Regulierungsansatz macht Großbritannien für Global Player wie Waymo attraktiver als viele andere europäische Staaten.
London als ultimativer Härtetest
London gilt als eine der komplexesten urbanen Umgebungen weltweit – und damit als idealer, wenn auch extrem anspruchsvoller Prüfstand. Waymos Strategie basiert auf der minutiösen Kartierung jeder befahrenen Straße. Das unterscheidet sie von Konkurrenten wie dem britischen Start-up Wayve. Dessen KI-System soll in jedes Auto eingebaut werden und auch unbekannte Straßen navigieren können.
Der Erfolg in London wäre ein global bedeutender Meilenstein. Analysten beobachten den Rollout genau: Ein gelungener Start könnte den Weg für die Expansion in Europa ebnen und regulatorische Strategien auf dem Kontinent maßgeblich beeinflussen. Waymo verweist auf seine Erfahrung aus über 100 Millionen autonom gefahrenen Meilen in US-Städten wie San Francisco und Phoenix. Diese soll die Technologie für Londons einzigartige Herausforderungen gewappnet haben.
Schub für die britische Tech-Branche
Waymos Markteintritt heizt den Wettbewerb in Großbritannien spürbar an. Das Unternehmen stellt sich direkt gegen den lokalen Champion Wayve, der 2024 über eine Milliarde US-Dollar von Investoren wie Microsoft und Nvidia eingesammelt hat und mit Uber zusammenarbeitet. Die Präsenz eines globalen Giganten dürfte Innovation und Investitionen in die heimische Zulieferkette beschleunigen.
Die Regierung betont, dass das Land Hersteller dieser Technologien sein will, nicht nur Nutzer. Die Einführung von Robotaxi-Diensten wirft langfristige Fragen für den klassischen Taxi- und öffentlichen Nahverkehr auf. Sie hat das Potenzial, die urbane Mobilität grundlegend zu verändern.
Die kommenden Monate sind entscheidend. Waymo muss die Kartierung abschließen und bei Behörden wie Transport for London die Genehmigungen für den kommerziellen Betrieb einholen. Die App für die Öffentlichkeit soll 2026 starten, zunächst in einem klar abgegrenzten Gebiet. Obwohl Waymo in den USA noch nicht profitabel ist, prognostizieren Branchenkenner dem globalen Robotaxi-Markt enorme Umsätze in den kommenden Jahrzehnten. Das London-Abenteuer ist mehr als ein neuer Markt: Es ist der strategische Test, die Technologie international zu skalieren – und ein entscheidender Moment für die Zukunft des Verkehrs in Europa.
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