Waymo schließt die größte Finanzierungsrunde der Branche ab und startet mit einer neuen, kostengünstigeren Technologie-Generation in die weltweite Expansion. Das Ziel: die Monopolstellung im autonomen Fahrmarkt.
Der milliardenschwere Coup des Google-Schwesterunternehmens ist ein klares Signal: Die Ära der Pilotprojekte ist vorbei, der Wettlauf um die kommerzielle Vorherrschaft auf den Straßen der Welt beginnt. Mit einer frischen Kapitalspritze von umgerechnet 16 Milliarden Euro und einer neuen, günstigeren Sensor-Generation stellt sich Waymo für die globale Massenvermarktung seiner Robotaxis auf. Die Bewertung des Unternehmens schießt auf rund 118 Milliarden Euro.
Rekordfinanzierung für die weltweite Expansion
Die Finanzierungsrunde ist die größte Einzelinvestition in der Geschichte der autonomen Fahrzeugbranche. Der Mutterkonzern Alphabet steuerte etwa 12 Milliarden Euro bei und bekräftigt damit sein langfristiges Bekenntnis. Namhafte Venture-Capital-Firmen wie Sequoia Capital und Andreessen Horowitz beteiligten sich erneut.
Das Kapital ist für den rasanten Ausbau der Flotte und die Fertigung bestimmt. Waymo will damit seine Dienste aggressiv ausweiten – über die bisherigen Hochburgen Phoenix und San Francisco hinaus. Die Bewertungssprünge spiegeln das Marktvertrauen in die Wirtschaftlichkeit und die Sicherheitsbilanz des Unternehmens wider, während Konkurrenten wie Cruise mit Rückschlägen kämpfen.
„Gen 6“: Die kostensparende Technologie-Revolution
Kern der Expansionsstrategie ist die neue, sechste Generation des „Waymo Driver“. Das Hardware-System ist deutlich günstiger als seine Vorgänger, bei gleichzeitig verbesserter Leistung. Damit will das Unternehmen endlich die Profitabilitätsschwelle für Robotaxis im großen Stil erreichen.
Die Ingenieure reduzierten die Anzahl der Sensoren drastisch, ohne die Sicherheit zu kompromittieren. Statt 29 Kameras kommen nun 13 zum Einsatz, die Zahl der LiDAR-Sensoren sank von fünf auf vier. Diese schlankere Konfiguration soll auch mit extremen Wetterbedingungen besser zurechtkommen. Der Clou: Die Kosten pro Fahrzeug sollen so auf unter 19.000 Euro sinken. Für das Geschäftsmodell ist das der entscheidende Hebel, um größere Flotten schneller auf die Straße zu bringen.
Angriff auf 20 neue Städte – inklusive London und Tokio
Mit dem frischen Geld und der neuen Hardware startet Waymo 2026 eine Expansionsoffensive. Das Ziel: Der kommerzielle Fahrdienst soll noch in diesem Jahr in über 20 weiteren Städten an den Start gehen.
In den USA stehen Metropolen wie Washington D.C., Detroit, Las Vegas und Dallas auf der Liste. Die größte Neuheit ist jedoch der internationale Vorstoß. Erstmals will Waymo seine Robotaxis in London und Tokio testen – eine Bewährungsprobe auf den engen, komplexen Straßen dieser Weltstädte.
Um das Wachstum zu stemmen, finalisiert Waymo laut Berichten einen Liefervertrag mit Hyundai. 50.000 Elektroautos des Typs IONIQ 5 sollen mit der Waymo-Technologie ausgestattet werden. Das würde die Flotte diversifizieren, die derzeit stark auf den Jaguar I-PACE setzt.
Rekordnachfrage trifft auf anhaltende Herausforderungen
Die Investition folgt auf ein Rekordjahr. 2025 absolvierte Waymo über 15 Millionen reine Fahrgastfahrten – eine Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahr. Aktell sind es etwa 400.000 bezahlte Fahrten pro Woche. Die Führungsetage peilt bis Ende 2026 die Marke von einer Million wöchentlichen Fahrten an.
Die Sicherheitsstatistik gibt Rückenwind: Auf über 200 Millionen vollautonom gefahrenen Kilometern verursachten Waymo-Fahrzeuge laut Unternehmen 90 % weniger Unfälle mit schweren Verletzungen als menschliche Fahrer.
Doch die Skalierung bringt neue Probleme. US-Behörden untersuchen Vorfälle in Schulzonen und mit Einsatzfahrzeugen. Ein aktueller Fall in Santa Monica, bei dem ein Fußgänger leicht verletzt wurde, zeigt die anhaltende öffentliche Skepsis. Auch praktische „Kinderkrankheiten“ müssen gelöst werden: In einem Pilotprojekt in Atlanta bezahlt Waymo nun Lieferfahrer von DoorDash, um vergessene Autotüren von Robotaxis zu schließen.
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In London kündigen sich bereits die ersten Konflikte an: Taxifahrer beschweren sich, dass Waymo-Fahrzeuge Ladestationen blockieren, die eigentlich für lizenzierte Taxis reserviert sind. Ein Vorgeschmack auf die regulatorischen und politischen Kämpfe, die der internationale Rollout begleiten werden.
Die Weichen für 2026 sind gestellt. Mit dem Rekordkapital, der kostengünstigen Technologie und dem klaren Expansionsplan versucht Waymo, einen Wettbewerbsvorsprung aufzubauen, der für Rivalen wie Tesla kaum noch einzuholen ist. Der Feldzug für die Straßen der Welt hat begonnen.





