Waymo startet in London und erreicht 500.000 Fahrten pro Woche

Alphabets Tochterunternehmen Waymo verzeichnet einen kommerziellen Durchbruch mit über einer halben Million Fahrten pro Woche und startet einen Pilotbetrieb in London. Die Expansion umfasst auch neue US-Flughäfen und eine aggressive internationale Skalierung.

Waymo expandiert global und erreicht eine kommerzielle Schwelle: Das Alphabet-Tochterunternehmen vermeldet erstmals über eine halbe Million autonome Fahrten wöchentlich und startet einen Pilot in London.

Europäische Premiere in London

Der autonome Fahrdienst von Waymo rollt auf die Straßen Londons. Nach einer zweimonatigen Testphase mit 24 Jaguar I-Pace-Fahrzeugen startete das Unternehmen am 2. April 2026 einen Pilotbetrieb in der britischen Hauptstadt. Der Service wird zunächst mit Sicherheitsfahrern an Bord durchgeführt, soll aber noch 2026 in einen vollständig fahrerlosen, kostenpflichtigen Betrieb übergehen. Möglich macht dies der britische Automated Vehicles Act 2024, der den Weg für solche Tests geebnet hat. Waymo positioniert den Dienst als Premium-Angebot, das speziell für die Herausforderungen Londons – wie die hohe Dichte an Radfahrern und Zebrastreifen – entwickelt wurde.

Parallel dazu treibt Waymo seine Pläne in Asien voran. In Tokio testet das Unternehmen gemeinsam mit den lokalen Partnern Nihon Kotsu und GO seine Technologie unter Aufsicht. Ein zentrales Werkzeug ist dabei das Waymo Foundation Model, eine KI-Simulationsplattform, die Sicherheitsprotokolle virtuell validiert, bevor die Fahrzeuge autonom fahren. Das klare Ziel: Bis Ende 2026 soll der Dienst in mehr als 20 Städten weltweit verfügbar sein.

Integration in US-Verkehrsknotenpunkte

Während die internationalen Schlagzeilen dominieren, vertieft Waymo seine Verankerung in den USA. Ein Meilenstein gelang am 31. März 2026 am San Antonio International Airport in Texas. Dort können Reisende erstmals einen fahrerlosen Waymo direkt zum Terminal bestellen. Dieser Service ist Teil einer größeren Expansion, die bereits Houston, Dallas und Orlando in diesem Jahr erschlossen hat.

Die Integration von Flughäfen ist für Waymo strategisch entscheidend. Nach Unternehmensangaben gehören Flughafentransfers zu den am häufigsten nachgefragten Strecken. Der erfolgreiche Start in San Antonio dient als Blaupause für weitere Standorte, darunter der Dallas Love Field Airport.

Kommerzieller Durchbruch und Skalierung

Neue Branchendaten belegen den kommerziellen Aufschwung. Eine Analyse von J.S. Held zeigt, dass Waymo inzwischen über 500.000 Fahrten pro Woche absolviert. Das ist eine Verdopplung des Volumens innerhalb von nur elf Monaten. Im Jahr 2025 hatte sich die Zahl der Fahrten sogar vervierfacht.

Angetrieben wird dieses Wachstum durch die sechste Generation der Fahrzeughardware, die die Betriebskosten pro Meile senken soll. Mit einer aktuellen Bewertung von rund 126 Milliarden US-Dollar und einer Jahresumsatz-Prognose von fast einer halben Milliarde Dollar festigt Waymo seine Führungsposition im globalen Rennen um autonomes Fahren. Co-CEO Tekedra Mawakana peilt das Ziel von einer Million bezahlten Fahrten pro Woche bis Ende 2026 an.

Sicherheit unter Beobachtung

Die rasante Expansion findet unter schärferer Beobachtung statt. Am 2. April 2026 filmte eine Zeugin in Alamo Heights, Texas, ein Waymo-Fahrzeug, das in einer Schulzone in die falsche Richtung fuhr. Waymo reagierte prompt und gab an, die Verfahren für temporäre Einbahnstraßen in dem Gebiet bereits angepasst zu haben. Gleichzeitig prüft die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA das Verhalten autonomer Fahrzeuge an haltenden Schulbussen.

Ein massiver Systemausfall bei Baidus Apollo-Go-Robotaxis in Wuhan, China, am selben Tag unterstrich die Anfälligkeit flottenweiter Software. Waymo betont dagegen seine eigenen Sicherheitsprotokolle: Bei Strom- oder Verbindungsausfällen sollen die Fahrzeuge eigenständig und sicher an den Straßenrand fahren. Das Unternehmen beruft sich auf Daten von Swiss Re, wonach sein System im Vergleich zu menschlichen Fahrern die Zahl schwerer Unfälle um 92 Prozent reduziert habe.

Ausblick: Der Weg in neue Märkte

Für das restliche Jahr 2026 plant Waymo eine aggressive Expansion. Neben London und Tokio stehen die US-Metropolen Washington D.C., Detroit und Las Vegas auf der Liste für den nächsten kommerziellen Launch. Die Strategie verlagert sich zunehmend von der reinen Technologiedemonstration hin zur Optimierung des Nutzererlebnisses und der Senkung der Kosten, um direkt mit etablierten Fahrdiensten konkurrieren zu können.

Branchenbeobachter erwarten, dass ein erfolgreicher London-Pilot bis Dezember 2026 eine Welle regulatorischer Genehmigungen in anderen europäischen Hauptstädten auslösen könnte. Der „fahrerlose Zukunft“ ist damit keine Vision mehr, sondern eine globale kommerzielle Realität.