Die Ära der autonomen Fahrzeuge hat einen Wendepunkt erreicht: Vom Technologie-Experiment geht es jetzt um industrielle Skalierung und neue Geschäftsmodelle. Zwei Branchenführer haben diese Woche mit parallelen Schritten die Richtung vorgegeben.
Hardware-Revolution bei Waymo
Alphabets Tochter Waymo hat am Donnerstag den Betrieb mit seiner sechsten Generation des autonomen Fahrsystems aufgenommen – komplett ohne Sicherheitsfahrer. Dieser Schritt markiert den Übergang von Testfahrten zur kommerziellen Großserie.
Das neue System ist nicht nur leistungsfähiger, sondern auch deutlich günstiger. Die Ingenieure haben die Anzahl der Sensoren im Vergleich zur Vorgängergeneration um 42 Prozent reduziert. Statt 29 Kameras kommen jetzt nur noch 13 zum Einsatz, unterstützt von vier LiDAR-Einheiten.
Doch weniger bedeutet hier mehr: Eine neue 17-Megapixel-Kamera soll selbst bei Regen, Schneeregen und Nebel noch feinste Details erfassen. Diese Fähigkeit ist entscheidend für Waymos geplante Expansion in Regionen mit schwierigerem Wetter – ein klarer Schritt über die bisherigen Einsatzgebiete Phoenix, San Francisco und Los Angeles hinaus.
Die Hardware ist für Massenproduktion optimiert und wird zunächst im „Ojai“-Robotaxi von Zeekr verbaut. Später soll sie auch die Hyundai IONIQ 5-Flotte antreiben. Hier bahnt sich ein Mega-Deal an: Hyundai könnte bis 2028 bis zu 50.000 Fahrzeuge im Wert von rund 2,3 Milliarden Euro liefern. Ein solcher Einzelmodell-Vertrag wäre beispiellos in der Branche.
Tesla schafft Kaufoption ab
Während Waymo auf Hardware setzt, revolutioniert Tesla sein Geschäftsmodell. Seit heute können Kunden in Nordamerika das „Full Self-Driving“-Paket nicht mehr für einmalig 8.000 US-Dollar kaufen. Stattdessen gibt es nur noch ein Abonnement für 99 Dollar monatlich.
Diese strategische Wende verfolgt ein klares Ziel: Tesla-Chef Elon Musk will das Unternehmen zu einem Software-as-a-Service-Anbieter umbauen. Die monatliche Gebühr senkt die Einstiegshürde deutlich – für viele Interessenten ist sie attraktiver als eine hohe Einmalzahlung.
Doch die Umstellung signalisiert auch, dass Tesla FSD als ständig weiterentwickelten Dienst versteht, nicht als fertiges Produkt. In Australien bleibt die Kaufoption noch bis Ende März 2026 erhalten, dann gilt auch dort das reine Abo-Modell.
Zwei Wege, ein Ziel
Die zeitgleichen Ankündigungen zeigen unterschiedliche Strategien. Waymo verfolgt einen integrierten Ansatz: Vom Sensor bis zur Ride-Hailing-App kontrolliert das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette. 2026 will der Konzern erstmals international expandieren – nach London und Tokio.
Die Zahlen belegen den Erfolg: 2025 absolvierte Waymo bereits 15 Millionen Fahrten, viermal so viele wie im Vorjahr. Aktell sind es rund 400.000 bezahlte Fahrten pro Woche in den USA. Bis Jahresende sollen es über eine Million werden.
Tesla setzt dagegen weiter auf seine Kundenflotte. Jedes Fahrzeug sammelt Daten für das Training der neuronalen Netze. Das Abo-Modell sichert die nötigen Einnahmen für die immense Rechenleistung, die diese KI-Entwicklung verschlingt.
Ein entscheidender Unterschied bleibt die Regulierung: Waymo fährt bereits Level 4-autonom in bestimmten Gebieten, während Teslas System auf Stufe 2 bleibt und ständige Aufmerksamkeit des Fahrers erfordert.
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Branche kommt voran
Auch juristisch zeigt die Branche Reife. General Motors und seine Führungskräfte wurden diese Woche von Investor-Klagen freigesprochen. Die Vorwürfe: GM habe Aktionäre über die Fähigkeiten seiner Cruise-Robotaxis vor einem schweren Unfall Ende 2023 getäuscht. Der Freispruch ebnet den Weg für den Neustart des autonomen Programms.
Das Jahr der Skalierung
2026 wird zum Jahr der Größenordnung. Die Frage lautet nicht mehr „Kann es fahren?“, sondern „Kann es wirtschaftlich massentauglich werden?“. Waymos Kostensenkung bei gleichzeitiger Sicherung der Produktionskapazitäten zeigt: Die Wirtschaftlichkeit von Robotaxis beginnt, sich zu rechnen.
Für Verbraucher ändert sich der Alltag bereits. In einigen Städten ist die fahrerlose Waymo-Fahrt zur Routine geworden. Tesla-Besitzer müssen sich dagegen auf monatliche Gebühren einstellen – Autonomie als laufende Kosten statt als einmalige Investition.
Die Technologie ist kein Zukunftstraum mehr. Sie ist ein konkretes Dienstleistungs-Angebot und eine Serienproduktions-Spezifikation. Der Wettlauf um die Straßen der Zukunft hat eine neue Phase erreicht.





