Waymo und Tesla treiben autonomes Fahren in neue Phase

Waymo setzt vollautonome Fahrzeuge mit neuer Hardware ein, während Tesla sein Full Self-Driving nur noch als Abonnement anbietet. Die Skalierung der Technologie steht unter wachsendem Regulierungsdruck.

Der Wettlauf um die autonome Zukunft beschleunigt sich: Waymo startet vollautonome Fahrten, während Tesla sein Geschäftsmodell radikal umstellt. Beide Schritte markieren den Übergang von der Entwicklung zur kommerziellen Massentauglichkeit.

Waymo startet mit neuer Hardware durch

Waymo hat einen entscheidenden Schritt gemacht. Seit dem 12. Februar sind Fahrzeuge mit der sechsten Generation der „Driver“-Hardware ohne menschliche Sicherheitsfahrer im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs. Das neue System ist nicht nur leistungsfähiger, sondern auch deutlich günstiger – eine Voraussetzung für die geplanten Expansion.

Die Technik setzt auf weniger, aber bessere Sensoren. Statt der bisherigen 22 Einheiten kommen nun 13 Kameras, vier Lidar- und sechs Radarsensoren zum Einsatz. Eine neue 17-Megapixel-Kamera soll besonders bei schlechten Lichtverhältnissen überzeugen. Trotz der schlankeren Ausstattung verspricht Waymo verbesserte Reichweite und Auflösung.

Das Timing ist kein Zufall. 2025 absolvierte der Dienst bereits 15 Millionen Fahrten. Aktuell sind es rund 400.000 bezahlte Fahrten pro Woche. Das Ziel für Ende 2026 liegt bei über einer Million. Um dies zu erreichen, expandiert Waymo in diesem Jahr in neue US-Städte wie Washington und Detroit. Auch der internationale Markt steht im Fokus: London und Tokyo sind als nächste Ziele geplant. Für den massiven Ausbau der Flotte hat Waymo einen Liefervertrag mit Hyundai über 50.000 IONIQ 5-Fahrzeuge abgeschlossen.

Tesla stellt auf reines Abo-Modell um

Während Waymo die Hardware optimiert, revolutioniert Tesla die Vermarktung seiner Software. Ab sofort ist der einmalige Kauf der „Full Self-Driving (FSD)“-Funktion für Neuwagen nicht mehr möglich. Nach den USA folgen nun Australien und Neuseeland. Künftig gibt es den Dienst nur noch als monatliches Abonnement.

In den USA kostet es 99 Dollar, in Australien 149 Australische Dollar. Analysten sehen darin einen klaren Schritt zum „Software-as-a-Service“-Modell. Es schafft eine verlässliche Einnahmequelle und senkt die hohe Einstiegshürde für Käufer. Gleichzeitig bindet es Kunden langfristig an die stetigen Updates.

Die Strategie unterstreicht, dass Tesla FSD als dynamischen Dienst und nicht als statisches Produkt versteht. Sie passt zum Branchentrend, Software über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs zu monetarisieren. Für Tesla hat dies einen weiteren Vorteil: Mehr Nutzer generieren mehr wertvolle Fahrdaten zum Training der künstlichen Intelligenz.

Regulierungsdruck wächst parallel zum Tempo

Die technischen Fortschritte stehen unter schärferer behördlicher Beobachtung. Erst Anfang Februar mussten sich Vertreter beider Unternehmen vor einem US-Senatsausschuss verantworten. Die zentrale Frage: Reicht die Sicherheit?

Politiker kritisieren den Flickenteppich aus staatlichen Vorschriften und fordern bundesweit einheitliche Standards. Zwei Gesetzesentwürfe liegen auf dem Tisch. Der „AV Safety Data Act“ würde Unternehmen zu detaillierten Sicherheitsberichten verpflichten. Der „Stay in Your Lane Act“ soll Hersteller zwingen, die genauen Einsatzbereiche ihrer Systeme verbindlich zu definieren.

Die Debatte wird durch Untersuchungen des US-Verkehrssicherheitsrats (NTSB) zu Vorfällen mit Waymo-Fahrzeugen befeuert. Die Unternehmen verweisen zwar auf ihre überlegenen Sicherheitsstatistiken gegenüber menschlichen Fahrern. Für Politiker und Verbraucher sind jedoch transparente und vergleichbare Kennzahlen entscheidend, um Vertrauen aufzubauen.

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Der Weg bis 2030: Skalierung wird zum Schlüssel

Die Entwicklungen dieser Woche leiten die Industrialisierungsphase ein. Es geht nicht mehr darum, ob die Technologie funktioniert, sondern ob sie sich wirtschaftlich hochskalieren lässt.

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Die kommenden Jahre werden von Konsolidierung und klaren regulatorischen Rahmenbedingungen geprägt sein. Der Wettlauf bis 2030 entscheidet sich daran, wer die komplexe Balance aus Kostensenkung, Sicherheitsnachweisen und regulatorischer Compliance am besten meistert. Die Expansion in internationale Märkte wie Großbritannien und Japan öffnet dabei ein enormes Feld.