Der Streit zwischen den Tech-Giganten Waymo und Tesla über die sicherste Technologie für selbstfahrende Autos ist in Washington eskaliert. Vor einem US-Senatsausschuss verteidigten beide Unternehmen ihre grundverschiedenen Ansätze – und offenbarten eine tiefe Spaltung der Branche.
Zwei Philosophien, eine Frage: Wie sicher ist sicher genug?
Im Kern geht es um einen technologischen Glaubenskrieg: Soll der Weg in die autonome Zukunft mit einem teuren, redundanten Sensoren-Mix aus Lidar, Kameras und Radar beschritten werden? Oder reichen Kameras und eine überlegene Künstliche Intelligenz aus? Vor dem Handelsausschuss des Senats am 4. Februar 2026 lieferten sich die Vertreter beider Lager eine Grundsatzdebatte unter dem Druck des Gesetzgebers. Dieser fordert endlich bundesweite Sicherheitsstandards, um den Flickenteppich aus Landesregulierungen zu ersetzen.
Waymo, eine Tochter von Alphabet, setzt auf maximale Redundanz. Die Fahrzeuge des Robotaxi-Pioniers sind mit 29 Kameras, fünf Lidar-Scannern und sechs Radars ausgestattet. Lidar erzeugt mit Laserpulsen eine präzise 3D-Karte der Umgebung. Für Waymo ist diese Technologie unverzichtbar, um in jeder Lichtsituation sicherer als ein Mensch zu fahren. „Der Standard für Robotaxis muss signifikant höher sein“, betonte Software-Vizepräsident Srikanth Thirumalai. Die nächste Hardware-Generation soll zwar schlanker werden, aber am Lidar festhalten.
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Tesla verfolgt dagegen kompromisslos die „Vision-only“-Strategie. Weniger als zehn Kameras und eine leistungsstarke KI sollen genügen – so wie das menschliche Auge und Gehirn. „Es ist ein KI-Problem, kein Sensor-Problem“, argumentiert KI-Chef Ashok Elluswamy. Der Vorteil: geringere Kosten und massive Skalierbarkeit. Milliarden von Kilometern Realwelt-Daten aus der Kundenflotte sollen das neuronale Netz trainieren. Doch Teslas „Full Self-Driving“ gilt offiziell nur als Assistenzsystem, das permanente Aufsicht erfordert.
Regulierungsdruck wächst nach Sicherheitsvorfällen
Die Anhörung spiegelt die wachsende Ungeduld der Politik wider. Nach einer Reihe von Vorfällen – darunter ein Zusammenstoß eines Waymo-Fahrzeugs mit einem Kind – fordern Abgeordnete mehr Transparenz und einheitliche Sicherheitsdaten. Gesetzesentwürfe wie der „SELF DRIVE Act 2026“ zielen darauf ab, die Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA zu schärferen Reporting-Pflichten zu ermächtigen.
Beide Unternehmen geraten in die Defensive. Waymo verwies auf einen eigenen Sicherheitsreport, der bei 127 Millionen autonom gefahrenen Kilometern bis September 2025 eine 90 Prozent geringere Unfallrate mit schweren Verletzungen im Vergleich zum menschlichen Fahrer zeigen soll. Ein bemerkenswerter Konsens in der Anhörung: Sowohl Waymo als auch Tesla erklärten sich bereit, die Haftung für Kollisionen zu übernehmen, die auf einen Fehler ihres autonomen Systems zurückgehen.
Unterschiedliche Geschäftsmodelle prallen aufeinander
Hinter dem Technologiestreit verbergen sich grundverschiedene Geschäftsstrategien. Waymos kapitalintensiver Ansatz setzt auf einen langsamen, sicheren Rollout des Robotaxi-Dienstes in ausgewählten Städten. Kürzlich sicherte sich das Unternehmen frisches Kapital für eine große Expansion.
Teslas Modell hingegen lebt von der Massenverbreitung und Datensammlung. Jedes verkaufte Auto dient als Trainingsplattform für die KI. Der jüngste Wechsel von „Full Self-Driving“ zu einem reinen Abo-Modell soll die Verbreitung und wiederkehrende Einnahmen steigern. Doch die entscheidende Frage bleibt: Kann reine Kamera-basierte KI jemals die physikalische Präzision von Lidar erreichen?
Die Weichen für die Zukunft werden jetzt gestellt
Die Branche steht an einem Scheideweg. Die Entscheidung zwischen Lidar und Kamera wird Fahrzeugkosten, Marktdurchdringung und die öffentliche Akzeptanz prägen. Die NHTSA hat für den 10. März 2026 eine weitere Anhörung angekündigt. Der Druck auf beide Unternehmen, ihre Sicherheitsversprechen mit harten Daten zu belegen, wird weiter steigen.
Am Ende wird nicht die Philosophie entscheiden, sondern die reale Leistung auf der Straße, die Zustimmung der Aufsichtsbehörden und das Vertrauen der Verbraucher. Die kommenden Monate werden zeigen, welcher technologische Pfad tatsächlich in eine fahrerlose Zukunft führt.
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