Webflow entlässt Mitarbeiter: KI-Umbau sperrt Zugänge vor Kündigungsmail

Webflow kündigt Stellenstreichungen an, Sicherheitszugänge werden vor der offiziellen Benachrichtigung gesperrt. Der Schritt folgt einem branchenweiten Trend zur KI-gestützten Personalreduktion.

Der Webentwickler Webflow hat am Mittwoch zahlreiche Mitarbeiter entlassen und ihnen umgehend die Systemzugänge gesperrt. Das Vorgehen folgt einem wachsenden Trend in der Tech-Branche: Künstliche Intelligenz verändert Personalstrukturen radikal.

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Sicherheitsprotokolle vor Kündigungsmitteilung

Betroffen waren Beschäftigte, die noch vor Erhalt der offiziellen Kündigungsmail von ihren Zugängen ausgeschlossen wurden. Ein in Kanada ansässiger Softwareentwickler berichtete, dass sein Firmenlaptop und seine internen Konten bereits um 7:00 Uhr morgens gesperrt waren – bevor er per E-Mail benachrichtigt wurde. Der Mitarbeiter äußerte Besorgnis über die Folgen für internationale Kollegen mit befristeten Arbeitsvisa.

Webflow-Sprecher Paul Chalker rechtfertigte das Vorgehen als Sicherheitsmaßnahme. Die technischen Sperren seien nur Minuten vor dem Versand der persönlichen Benachrichtigungen erfolgt. Das Unternehmen mit 500 bis 1.000 Beschäftigten hat die genaue Zahl der Betroffenen nicht genannt. CEO Linda Tong begründete die Entscheidung mit einer umfassenden Umstrukturierung, die den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz im Kerngeschäft vorsieht.

Das Unternehmen wurde 2022 noch mit rund vier Milliarden Euro bewertet.

Branchenweiter Trend zur KI-getriebenen Personalreduktion

Die Entlassungen bei Webflow sind Teil einer größeren Entwicklung. Bereits Anfang Mai hatte Cloudflare mehr als 1.100 Stellen gestrichen – rund 20 Prozent der Belegschaft. Dabei übertraf das Unternehmen mit einem Umsatz von rund 640 Millionen Euro im ersten Quartal die Analystenerwartungen. CEO Matthew Prince erklärte, KI könne zunehmend Aufgaben in Bereichen wie interner Revision, Finanzen, Compliance und mittlerem Management übernehmen.

Auch Wix plant offenbar den Abbau von rund 1.000 Stellen weltweit. Der Website-Baukasten-Anbieter verzeichnete zwar ein Umsatzplus von 14 Prozent auf 541 Millionen Euro im ersten Quartal, schrieb aber rote Zahlen in Höhe von 57,5 Millionen Euro. Die Unternehmensführung nennt steigende Kosten für KI-Infrastruktur und eine strategische Neuausrichtung als Gründe. Erst kürzlich hatte Wix die KI-Startups Base44 und Hour One übernommen.

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Rechtliche Konsequenzen für überstürzte Massenentlassungen

Die Praxis kurzfristiger oder unzureichend angekündigter Kündigungen zieht zunehmend juristische Folgen nach sich. Ein ehemaliger Mitarbeiter reichte am Mittwoch eine Sammelklage gegen Sonder Holdings in New York ein. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe bei einer Massenentlassung im November 2025 gegen bundes- und einzelstaatliche Kündigungsschutzgesetze verstoßen, indem es die vorgeschriebenen Fristen nicht einhielt.

Es ist bereits die zweite Klage dieser Art gegen Sonder. Sie zeigt, welche rechtlichen Risiken Unternehmen eingehen, wenn sie bei Umstrukturierungen die Ankündigungsfristen ignorieren.

Branchendaten zufolge war KI in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 ein Faktor bei fast 50.000 Stellenstreichungen in den USA. Manche Branchenführer prophezeien zwar, dass KI langfristig die Arbeitswelt aufwerten werde. Die aktuelle Übergangsphase ist jedoch von tiefgreifenden Umbrüchen und verschärften Sicherheitsprotokollen bei Personalabgängen geprägt.