WebKit geht mit einer neuen Schutzfunktion gegen das browserübergreifende Wiedererkennen von Nutzern vor. Wie die Entwickler John Wilander, Charlie Wolfe und Matthew Finkel in einem Blogbeitrag mit dem Titel „Blocking Identity Resolution Infrastructure“ darlegten, unterbindet WebKit in den Systemversionen iOS, iPadOS, macOS und visionOS 27 den Netzwerkzugriff auf Drittanbieter-Infrastrukturen.
Betroffen sind Dienste, die beim Login oder bei der Newsletter-Anmeldung eingegebene E-Mail-Adressen in persistente, website-übergreifende Identifikatoren umwandeln.
Am 19. Oktober 2026 verteidigte Apple die neuen Restriktionen im Browser. Das Unternehmen erklärte, dass die reine Blockade von Drittanbieter-Cookies längst nicht mehr ausreiche, um Tracking im Netz wirksam zu unterbinden.
Funktionsweise der Sperre auf Domain-Ebene
Nach Angaben der WebKit-Entwickler greift der Block auf Domain-Ebene (eTLD+1). Dadurch soll verhindert werden, dass Anbieter die Sperre über veränderte Anfragestrukturen umgehen.
Ausnahmen für einzelne Adtech-Unternehmen sind nicht vorgesehen. Das typische Verfahren bestehe laut WebKit darin, dass Drittanbieter die E-Mail-Adresse bei Interaktionen wie Logins oder Newsletter-Anmeldungen abfangen, daraus eine undurchsichtige Tracking-Kennung erzeugen und diese dauerhaft mit der Adresse verknüpfen. Ein anschließender Logout oder eine Abmeldung vom Newsletter führe bei den Drittanbietern nicht zur Löschung der Daten.
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First-Party-Personalisierungen auf einer einzelnen Website seien von der Maßnahme nicht betroffen. Allerdings stufen die Entwickler zentrale Vermittlungsdienste für Identitäten selbst dann als Drittanbieter ein, wenn daran nur ein einziges Unternehmen beteiligt ist.
Im ursprünglichen Beitrag nannte WebKit weder konkrete Firmennamen noch eine Kriterien- und Domainliste oder Angaben zur Zahl betroffener Websites. Als ergänzende Schutzschicht dient das kostenpflichtige iCloud+-Feature Hide My Email, das zufällig generierte Adressen bereitstellt. Da unter iOS alle Browser auf WebKit aufsetzen müssen, betrifft die Neuerung auch alternative mobile Browser.
Betroffene Dienste und Reaktionen der Werbebranche
Welche Anbieter von den Einschränkungen betroffen sind, ging aus einem am 21. September 2026 von The Trade Desk eingereichten Bugreport hervor. Die dort gelisteten Domains umfassten unter anderem uidapi.com für Unified ID 2.0, id5-sync.com von ID5, rlcdn.com und pippio.com von LiveRamp, permutive.com von Permutive, ad.gt von Audigent sowie adsrvr.org von The Trade Desk.
Letztere fungiert als Domain zur Auslieferung von Werbung und stellt nach Angaben des Unternehmens keinen Identitätsdienst dar. Laut einer informierten Person war adsrvr.org versehentlich gesperrt worden.
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In der Betaversion von iOS 27.2 wurde der Block für diese Domain wieder aufgehoben, während Unified ID 2.0 blockiert bleibt; die Anpassung erreicht Endnutzer voraussichtlich erst in drei bis vier Wochen mit der finalen Systemversion.
Permutive reagierte laut Berichten mit einem Wechsel auf eine neue Domain als Zwischenlösung. Ein Test von über 70 Werbetechnologie-Domains durch Digiday zeigte zudem, dass viele andere Dienste wie LiveIntent, Lotame und Yahoo ConnectID die Filterung weiterhin passieren konnten.
Berichten von AdExchanger zufolge soll Apple unbestätigt eine fernsteuerbare Liste hunderter Datenhändler führen. Künftige Listenaktualisierungen seien im WebKit-Code bereits angelegt, jedoch noch nicht ausgerollt.
Hohe Marktrelevanz durch WebKit-Verbreitung
Die Umstellung trifft auf eine Branche, die stark auf Identifikatoren setzt. Eine Untersuchung aus dem September 2026 an 600.000 Websites über einen Zeitraum von 41 Monaten ergab, dass bis Mai 2025 bereits 83,76 Prozent der Seiten alternative Kennungen einsetzten. Gleichzeitig besitzt Safari ein beträchtliches Marktgewicht.
Laut Daten von StatCounter lag der Marktanteil von Safari über alle Plattformen hinweg im September 2026 in Australien bei 32,43 Prozent, während Chrome 50,23 Prozent erreichte. In den USA belief sich Safaris Anteil im selben Zeitraum auf 30,42 Prozent, während das mobile Betriebssystem iOS dort einen Marktanteil von 53,59 Prozent verzeichnete.
Am 8. Oktober 2026 lag die Installationsbasis von iOS 27 laut AdExchanger zwar noch auf einem relativ niedrigen Niveau. Dennoch suchen Marktteilnehmer nach Alternativen: Der sogenannte Trusted Server des IAB Tech Lab, bei dem Gebotsanfragen über publisher-kontrollierte Server laufen, soll Produktionstests bis Anfang 2027 erreichen.

