Webmail-Sicherheit: CSS-Lücken in Gmail und Outlook gefährden Millionen

Sicherheitslücken in Outlook, Gmail, Yahoo und AOL erlauben Passwortdiebstahl und KI-Manipulation. Einige Dienste haben bereits reagiert.

Sicherheitsforscher haben gravierende Schwachstellen in führenden Webmail-Diensten aufgedeckt. Über manipulierte Stylesheets können Angreifer Passwörter stehlen und KI-Assistenten kapern.

Die Angriffe betreffen Millionen Nutzer in Deutschland und Europa, denn betroffen sind die weltweit verbreiteten Dienste Outlook, Gmail, Yahoo Mail und AOL Mail. Der Sicherheitsforscher Gareth Heyes von PortSwigger präsentierte die Ergebnisse auf der Hackerkonferenz Black Hat USA 2026 in Las Vegas.

CSS-Lücken öffnen Tür für Angreifer

Die Schwachstellen liegen in der Art, wie Webmail-Dienste Cascading Style Sheets (CSS) verarbeiten. Diese Formatierungssprache steuert das Aussehen von E-Mails – doch die Filterung der Dienste weist Lücken auf. Angreifer können dadurch Passwörter abgreifen, Sitzungstokens stehlen und sogar das Verhalten integrierter KI-Assistenten manipulieren.

Besonders tückisch: Je nach Kombination aus Browser und Mail-Dienst ergeben sich unterschiedliche Angriffsmöglichkeiten. So zeigte Heyes eine Angriffskette mit Outlook und Firefox, bei der ein gefälschter Microsoft-Login-Bildschirm eingeblendet wurde, um Zugangsdaten abzufangen. Eine weitere als „Paste Race“ bezeichnete Schwachstelle in Yahoo und AOL Mail erlaubte das Abgreifen von Login-Tokens für Drittanbieter wie die Blogging-Plattform Medium.

KI-Assistenten als Angriffsziel

Die Forschung zeigt auch Risiken für die neuen KI-Funktionen der Mail-Dienste. Ein konkreter Exploit gegen die Integration von Gmail mit dem KI-Tool Cowork konnte Slack-Tokens auslesen, indem das System durch manipulierte CSS-Elemente getäuscht wurde. Das ist brisant: Immer mehr Unternehmen setzen auf KI-gestützte E-Mail-Verarbeitung – ein kompromittierter Assistent könnte sensible Unternehmensdaten preisgeben.

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Uneinheitlicher Patch-Stand

Die Dienste reagieren unterschiedlich schnell auf die Meldungen. Fastmail hat zwei CSS-Mutationsfehler bereits behoben, Proton Mail deaktivierte einen Proxy-Bypass. Doch Stand Anfang August waren Schwachstellen in Outlook – insbesondere im Bereich Label-Jacking – sowie ein Image-Set-Bypass in Gmail weiterhin aktiv.

Sicherheitsexperten empfehlen den Anbietern mehrere Schutzmaßnahmen: Sandbox-Iframes für die E-Mail-Darstellung, strikte CSS-Validierung und die Bereinigung von HTML-Inhalten bei Einfügeoperationen. Auch das Blockieren interaktiver Elemente wie Auswahlmenüs im E-Mail-Textkörper könnte UI-Spoofing verhindern.

KI-Sicherheit wird zum Branchenthema

Die Webmail-Schwachstellen reihen sich ein in eine breitere Debatte über KI-Sicherheit. Anfang August offenbarte OpenAI, dass sein kommendes Modell Astra möglicherweise über kritische Cybersicherheitsfähigkeiten verfügt. Das Unternehmen hat daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt und das Modell in isolierte Testumgebungen verlegt.

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Ähnliche Risiken zeigen sich bei anderen KI-Geschäftstools. Bereits früher im Jahr entdeckten Sicherheitsfirmen, dass der KI-Assistent Rovo von Atlassian durch indirekte Prompt-Injection dazu gebracht werden konnte, Daten aus Jira und Confluence zu exfiltrieren. Die als RovoBlast bekannte kritische Schwachstelle wurde zwar im Juli behoben, doch Prompt-Injection bleibt eine erhebliche Herausforderung für KI-Agenten.

Automatisierte Schwachstellensuche mit KI

Während Angreifer KI zunehmend für ihre Zwecke nutzen – Google Threat Intelligence identifizierte kürzlich ein KI-entwickeltes Zero-Day-Exploit-Tool – setzen auch Verteidiger auf die Technologie. Anthropic meldete Ergebnisse aus dem Projekt Glasswing, bei dem das Modell Claude Mythos Preview Open-Source-Projekte scannte. Im ersten Monat identifizierte das System über 10.000 hohe oder kritische Schwachstellen in mehr als 1.000 Projekten – mit einer bestätigten Trefferquote von über 90 Prozent.

Branchenanalysten warnen zudem vor einem weiteren Aspekt: Automatisch generierter CSS-Code kann technische Schulden verursachen, etwa durch Barrierefreiheitsprobleme oder Fehler in der Mobile-First-Logik. Das könnte die Sicherheitslage webbasierter Schnittstellen weiter verkomplizieren.