WeChat stoppt Besucher-Tracking: Datenschutz hat Priorität

Tencent stellt umstrittene Besucherzählung bei WeChat-Status ein und führt eine Momente-Suche sowie Desktop-Übersetzungen ein.

Im Mittelpunkt steht die schwierige Balance zwischen mehr Nutzerinteraktion und strengem Datenschutz.

Besucher-Fußabdrücke: Tencent stellt klar

Im Mai sorgte ein Test für Aufsehen: WeChat erprobte eine Funktion, die Status-Einträge mit einer Zählung der Besucher versah. Am Abend des 11. Mai 2026 trendete das Thema auf Weibo, nachdem iOS-Nutzer die neue Anzeige entdeckt hatten.

Die Funktion wurde im sogenannten Gray-Box-Test für aktive Nutzer der iOS-Version 8.0.73 und höher freigeschaltet. Status-Autoren konnten sehen, wie viele Personen ihren Eintrag aufgerufen hatten. Die Anzeige zeigte jedoch keine vollständige Besucherliste. Nur wer selbst einen Status gesetzt hatte, dessen Avatar wurde für den Autor sichtbar.

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Der Tencent-Kundendienst reagierte prompt auf die Anfragen: Es handele sich um einen begrenzten Test zur Verbesserung der sozialen Interaktion. WeChat biete derzeit keine Funktion, um alle Besucher eines Status einzusehen. Der Datenschutz habe bei allen Funktionsentwicklungen Priorität.

Am 12. Mai 2026 stellte Tencent-Pressesprecher Zhang Jun die Sache endgültig klar: Das Unternehmen werde keine dauerhafte Besucherhistorie oder eine „Gelesen“-Bestätigung einführen. Die Tests mit Status-Aufrufzahlen und Interaktions-Blasen seien bereits eingestellt worden.

Momente-Suche: Endlich Ordnung im Archiv

Nur wenige Wochen später, am 10. Juni 2026, brachte WeChat ein bedeutendes Update für die Momente-Funktion (朋友圈). Nutzer können jetzt gezielt in ihren historischen Beiträgen suchen.

Über das Suchfeld im Bereich „Meine Momente“ lassen sich mit Stichworten vergangene Einträge finden. Die Ansicht wurde zudem um eine Zoom-Funktion erweitert: Nutzer können zwischen Jahres-, Monats- und Tagesansicht ihres Momente-Albums wechseln.

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Die Suche erfasst sowohl die eigenen Beiträge als auch öffentliche Einträge von Freunden. Wichtig: Die bestehenden Privatsphäre-Einstellungen bleiben erhalten. Beiträge mit „Drei-Tage-Sichtbarkeit“ oder „Halbjahres-Sichtbarkeit“ sind nur innerhalb dieser öffentlichen Zeitfenster durchsuchbar. Der Test läuft zunächst auf iOS und Android, eine Version für HarmonyOS ist in Entwicklung.

Desktop und Mobil: Praktische Helfer

Parallel zu den sozialen Features hat WeChat mehrere nützliche Updates für seine Desktop- und Mobil-Clients veröffentlicht.

Der Desktop-Client für Mac und Windows (Version 4.1.10) befindet sich in der Beta-Phase und bietet ein „Schreiben und Übersetzen“-Tool. Die Funktion unterstützt Echtzeit-Übersetzungen zwischen fünd Sprachen – ideal für die grenzüberschreitende Kommunikation.

iOS-Nutzer können sich jetzt auf bekannten Geräten auch per Handynummer anmelden. Das vereinfacht den Authentifizierungsprozess für wiederkehrende Nutzer. Zudem wurde die Videoanruf-Oberfläche um einen Querformat-Modus erweitert. Das Seitenverhältnis von 16:9 wird unterstützt, die Ausrichtung synchronisiert sich automatisch für beide Gesprächsteilnehmer.

Was bleibt der Eindruck? Tencent tastet sich vorsichtig vor – mehr Interaktion, aber ohne die Privatsphäre der Nutzer zu opfern. Ob das auf Dauer gelingt, wird sich zeigen.