Ein Bündnis nationaler Bezahldienste schafft mit der digitalen Brieftasche Wero ein paneuropäisches Netzwerk. Das Ziel: digitale Souveränität bis 2027.
Ein strategischer Schachzug soll den europäischen Digitalzahlungsmarkt umkrempeln. Führende nationale Bezahlsysteme haben sich mit der European Payments Initiative (EPI) verbündet. Eine Anfang Februar 2026 verkündete Vereinbarung zielt auf ein einheitliches, paneuropäisches Zahlungsnetzwerk ab. Es soll die lange Vorherrschaft nicht-europäischer Anbieter wie Visa und Mastercard direkt herausfordern. Im Zentrum der Kooperation steht die digitale Brieftasche Wero. Sie verbindet erfolgreiche Lösungen vom Bancomat in Italien bis zum nordischen Vipps MobilePay. Bis 2027 sollen so grenzüberschreitende Transaktionen für Verbraucher und Unternehmen nahtlos möglich sein.
Ein Bündnis mit sofortiger Reichweite
Die am 1. Februar 2026 unterzeichnete Absichtserklärung ist ein Meilenstein. Sie verbindet die EPI-Plattform Wero sofort mit der EuroPA Alliance. Diese umfasst Italiens Bancomat, Spaniens Bizum, Portugals SIBS-MB WAY und das nordische Joint Venture Vipps MobilePay. Das Bündnis startet mit einer Nutzerbasis von rund 130 Millionen Menschen in 13 Ländern. Das entspricht etwa 72 Prozent der Bevölkerung der EU und Norwegens.
Der Ansatz ist clever: Statt nationale Champions zu ersetzen, werden sie über einen zentralen technischen Knotenpunkt verknüpft. Nutzer können ihre gewohnten Apps behalten, während Transaktionen erstmals nahtlos über Ländergrenzen fließen. Das schafft eine sofortige, breite Akzeptanzbasis – ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb mit den etablierten globalen Kartennetzen.
Wero: Der Motor für sofortige Banküberweisungen
Herzstück der Strategie ist die digitale Brieftasche Wero, die die EPI 2024 lancierte. Sie setzt auf den SEPA Instant Credit Transfer-Standard. Das ermöglicht direkte Kontozu-Konto-Überweisungen, die sekundenschnell und rund um die Uhr abgewickelt werden. Diese Technologie umgeht die traditionellen Karten-Netzwerke. Für Händler kann das zu niedrigeren Transaktionskosten und besserem Cashflow führen.
Wero ist für Privatüberweisungen bereits in Belgien, Frankreich und Deutschland live und erreicht über 47 Millionen Nutzer. Der Rollout für den Handel begann Ende 2025 in Deutschland und schreitet 2026 in Frankreich und Belgien voran. Jede Zahlung muss direkt in der Banking-App des Kunden freigegeben werden – ein Sicherheitsfeature, das Betrug und Streitigkeiten reduzieren soll.
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Der politische Druck für digitale Souveränität
Das Bündnis ist keine isolierte Geschäftsentscheidung. Es ist die Antwort auf wachsenden politischen Druck aus Brüssel und Frankfurt. Die EU will ihre Abhängigkeit von ausländischer Zahlungsinfrastruktur verringern. Die Europäische Zentralbank (EZB) mahnt seit Langem: Der Großteil der europäischen Karten- und Mobilzahlungen wird über außereuropäisch kontrollierte Netze abgewickelt. Nach EZB-Daten entfielen 2022 fast zwei Drittel der Kartentransaktionen im Euroraum auf Visa und Mastercard.
Diese Abhängigkeit gilt in unsicheren geopolitischen Zeiten als strategisches Risiko. Die Initiative passt perfekt in die regulatorische Landschaft, etwa zur neuen Instant Payments Regulation. Sie verpflichtet Banken im Euroraum, Echtzeitüberweisungen empfangen zu können. Diese Vorgabe ebnet den Weg für bankbasierte Lösungen wie Wero.
Große Ambitionen, bekannte Hürden
Die Vereinbarung ist der bislang bedeutendste privatwirtschaftliche Vorstoß für ein einheitliches europäisches Zahlungssystem. Durch gebündelte Kräfte sollen die nötigen Netzwerkeffekte entstehen, um eine echte Alternative zu den US-Konzernen zu bieten. Das Projekt ergänzt das separate Vorhaben der EZB, einen digitalen Euro als öffentliche Digitalwährung zu entwickeln. Während der digitale Euro öffentliches Zentralbankgeld wäre, baut Wero auf privatem Bankengeld auf. Beide Systeme sollen koexistieren.
Doch der Weg bis 2027 ist anspruchsvoll. Die größten Herausforderungen sind tief verwurzelte Konsumgewohnheiten, die an Kredit- und Debitkarten gebunden sind, sowie die gewaltigen Investitionen für den Aufbau eines wettbewerbsfähigen Netzes. Die technische Entwicklung des zentralen Interoperabilitäts-Hubs hat nun Priorität. Gelingt das Vorhaben, eröffnet es europäischen Unternehmen mehr Wahlfreiheit, potenziell niedrigere Kosten und effizientere digitale Transaktionen.





