Western Digital verdoppelt die Geschwindigkeit klassischer Festplatten und skizziert den Weg zu einer Verachtfachung. Die neuen Technologien sollen die Speicherlücke in KI-Rechenzentren schließen.
New York – Der Festplatten-Pionier Western Digital (WD) stellt die Weichen für die Zukunft: Auf seinem „Innovation Day 2026“ präsentierte das Unternehmen eine bahnbrechende Hochgeschwindigkeits-Technologie für Festplatten (HDDs). Ziel ist es, die Datenübertragungsraten schrittweise zu verachtfachen und so die altehrwürdige Speichertechnologie fit für die Anforderungen von KI-Rechenzentren und modernen Cloud-Diensten zu machen. Die erste Generation der Technologie, die bereits von Kunden validiert wird, verdoppelt die Bandbreite herkömmlicher HDDs.
Damit reagiert WD auf ein drängendes Problem: Während die Speicherkapazität von Festplatten enorm gewachsen ist, hinkt die Leistung hinterher. KI-Modelle benötigen aber beides – riesige Datenmengen und schnellen Zugriff. Die neuen Entwicklungen sollen diese Lücke schließen und Festplatten für bestimmte Anwendungen in die Nähe teurerer Flash-Speicher (SSDs) bringen.
Doppel-Strategie: Parallele Köpfe und doppelte Aktuatoren
Der Geschwindigkeitsschub basiert auf zwei komplementären Technologien: High Bandwidth Drive Technology (HBDT) und Dual Pivot Technology (DPT). Gemeinsam stellen sie das grundlegende Lese- und Schreibprinzip einer Festplatte auf den Kopf.
Die HBDT durchbricht das traditionelle Limit eines einzigen aktiven Schreib-/Lesekopfs. Die neue Architektur erlaubt es, gleichzeitig mit mehreren Köpfen auf verschiedenen Spuren zu arbeiten. So entstehen parallele Datenströme in einem einzigen Laufwerk. Die erste Generation nutzt zwei aktive Köpfe für eine sofortige Verdopplung der Bandbreite – ohne höheren Stromverbrauch. Die Roadmap sieht vor, auf vier und schließlich acht aktive Köpfe zu skalieren, um das 8x-Ziel zu erreichen.
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Der zweite Leistungstreiber ist der Dual-Pivot-Aktuator. Diese kommende Innovation bringt einen zweiten, vollständig unabhängigen Aktuator in das standardmäßige 3,5-Zoll-Gehäuse ein. Jeder Aktuator steuert seinen eigenen Satz Schreib-/Leseköpfe und ermöglicht so zwei voneinander unabhängige E/A-Operationen gleichzeitig. Dies soll die sequentielle E/A-Leistung verdoppeln – eine Schlüsselmetrik für große Datentransfers im KI-Training. Im Gegensatz zu früheren Multi-Aktuator-Designs soll dabei die maximale Speicherkapazität erhalten bleiben. Marktreife für Laufwerke mit dieser Technologie peilt WD für 2028 an.
Roadmap: 40 TB noch 2026, 100 TB bis 2029
Parallel zu den Geschwindigkeitssteigerungen bekräftigte WD eine aggressive Roadmap für die Speicherkapazität. Die 40-TB-Festplatte mit UltraSMR-Technologie und energieunterstützter magnetischer Aufzeichnung (ePMR) befindet sich bereits in der Qualifizierung bei zwei Hyperscale-Kunden. Die Serienproduktion soll in der zweiten Hälfte 2026 starten.
Der Blick geht noch weiter: WD verfolgt einen dualen Technologiepfad. Einerseits will man ePMR bis auf 60 TB ausbauen. Andererseits treibt man die Entwicklung von Heat-Assisted Magnetic Recording (HAMR) voran, das bis 2029 Kapazitäten von 100 TB erreichen soll. Beide Technologien werden auf einer gemeinsamen Architekturplattform entwickelt, was Kunden Flexibilität und einen sanften Übergang beim Infrastrukturausbau bieten soll. Die neuen Geschwindigkeitstechnologien HBDT und DPT werden sowohl für ePMR- als auch HAMR-Produkte gelten.
Kampf um die KI-Infrastruktur: HDDs bleiben wirtschaftliches Fundament
WDs Fokus auf HDD-Leistung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Zwar dominieren SSDs bei Anwendungen, die geringe Latenz und hohe IOPS erfordern. Doch die Kosten pro Terabyte sind deutlich höher als bei Festplatten. Diese wirtschaftliche Realität sichert HDDs ihre Rolle als Fundament der Massenspeicherung in Rechenzentren – über 80 Prozent der Daten lagern auf diesem Medium.
Die durch KI explodierenden Datenmengen verstärken den Bedarf an kostengünstigem, hochkapazitivem Speicher. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Leistung, um rechenhungrige Prozessoren effizient zu versorgen. Mit dem klaren Pfad zu Multi-Gigabyte-pro-Sekunde-Übertragungsraten will WD Festplatten für „warme“ und „aktive kalte“ Datentier attraktiver machen. So könnte die Abhängigkeit von teurerem Flash-Speicher für eine breitere Palette von KI-Aufgaben sinken. Dieser Schachzug positioniert WD auch im Wettbewerb mit Rivalen wie Seagate, das ebenfalls massiv in HDD-Technologien wie HAMR investiert.
Ausblick: Integration 2028 und stromsparende Modelle
Der Weg für Western Digitals Festplattengeschäft ist nun klar: parallele Fortschritte bei Kapazität und Geschwindigkeit. Der anfängliche 2x-Bandbreitenschub der ersten HBDT-Generation wird bereits von Schlüsselpartnern getestet.
Der nächste große Meilenstein ist die Integration der Dual-Pivot-Aktuatoren 2028. In Kombination könnten die Technologien einen Durchsatz erreichen, der gängige Rechenzentrums-Verbindungen auslastet. Das würde die Gesamtbetriebskosten (TCO) für groß angelegte Speicherlösungen fundamental verändern. Zusätzlich entwickelt WD eine neue Linie stromoptimierter HDDs, die 2027 in die Kundenqualifizierung gehen und 20 Prozent weniger Leistung für Active-Cold-Storage verbrauchen sollen. Diese vielschichtige Innovationsstrategie unterstreicht den Anspruch, die Festplatte auch in den kommenden Jahrzehnten als essenziellen Baustein der Dateninfrastruktur zu etablieren.
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