WhatsApp ab April: Usernamen statt Telefonnummer für 3,3 Mrd. Nutzer

WhatsApp führt Usernamen ein, während eine texanische Klage die Verschlüsselungsversprechen des Dienstes infrage stellt.

Während WhatsApp mit einem neuen Usernamen-System die Privatsphäre seiner Milliarden Nutzer stärken will, droht ein Rechtsstreit um die Versprechen zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung.

Das Ende der Telefonnummer als Identität

Am 8. April 2026 startete WhatsApp die schrittweise Einführung einer lang erwarteten Funktion: Usernamen. Statt die eigene Handynummer preiszugeben, können Nutzer künftig einen öffentlichen Namen zwischen 3 und 30 Zeichen wählen – inklusive Buchstaben, Zahlen sowie Sonderzeichen wie Unter- und Punkte.

Besonders relevant ist die Neuerung für Märkte wie Indien, wo rund 535 Millionen Menschen die Plattform nutzen. Ein optionaler vierstelliger Sicherheitscode soll vor unerwünschten Kontakten schützen. Die Telefonnummer bleibt zwar für Registrierung und Wiederherstellung des Accounts notwendig, wird aber für andere Nutzer unsichtbar, wenn diese über den Usernamen Kontakt aufnehmen. Branchenbeobachter rechnen mit einer vollständigen globalen Einführung im Laufe des Jahres.

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Für Unternehmen führt WhatsApp parallel die Business-Scoped User ID (BSUID) ein – eine professionelle Kennung, die die Kommunikation zwischen Firmen und Kunden vereinfachen soll. API-Partner haben bis Juni 2026 Zeit, ihre Systeme anzupassen.

Schwere Vorwürfe aus Texas

Doch die Fortschritte bei den Privatsphäre-Funktionen werden von einem juristischen Donnerwetter überschattet. Am 21. Mai 2026 reichte der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton Klage gegen Meta und WhatsApp ein. Der Vorwurf: Verstoß gegen das texanische Gesetz gegen irreführende Geschäftspraktiken.

Der Kern der Anklage: WhatsApp habe seine 3,3 Milliarden Nutzer über die Wirksamkeit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung getäuscht. Angeblich existiere ein internes System, das Mitarbeitern und Auftragnehmern Zugriff auf bestimmte Nachrichteninhalte ermögliche – obwohl das Unternehmen öffentlich betont, selbst keinen Zugang zu haben.

Meta wies die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete die Klage als „falsch und absurd“. Experten von renommierten Institutionen wie dem King’s College London und der ETH Zürich äußerten zudem Zweifel, ob die vorgelegten Beweise für den Vorwurf eines systematischen Verschlüsselungsbruchs ausreichen.

Der Fall könnte Signalwirkung haben: Sollte Texas Recht bekommen, stünde die gesamte Branche vor der Frage, wie weit Werbeversprechen zur Privatsphäre rechtlich reichen dürfen.

KI-Inkognito und feinere Kontrolle

Parallel zu den juristischen Auseinandersetzungen treibt WhatsApp die Produktentwicklung voran. Am 13. Mai 2026 führte die Plattform einen Inkognito-Modus für den integrierten KI-Chatbot ein. Weder Nutzeranfragen noch KI-Antworten werden in diesem Modus auf den Servern gespeichert oder protokolliert.

Ebenfalls neu: Die Funktion „Status-Listen“ für iOS und Android. Nutzer können damit benutzerdefinierte Gruppen wie „Enge Freunde“ erstellen und genau steuern, wer temporäre Updates sehen darf. Ein violetter Ring signalisiert, dass der Status nur für eine bestimmte Liste sichtbar ist.

In den aktuellen Beta-Versionen testet WhatsApp zudem mehrere experimentelle Funktionen:

  • Nachrichten, die nach dem Lesen verschwinden: Ein neuer Timer löscht Nachrichten erst, nachdem der Empfänger sie gesehen hat – mit Zeitintervallen von fünf Minuten bis zwölf Stunden.
  • Online-Aktivitäts-Hub: Ein zentrales Dashboard auf dem iPhone zeigt, welche favorisierten oder zuletzt aktiven Kontakte gerade online sind – unter Berücksichtigung der bestehenden Privatsphäre-Einstellungen.
  • Neue Gruppen-Navigation: Android-Nutzer erhalten eine überarbeitete Oberfläche mit Tab-basierter Navigation für Mitglieder, Medien und Einstellungen.
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Die Sicherheitslage: Warnungen aus Indien

Die Entwicklungen bei WhatsApp sind Teil eines größeren Trends zu mehr Gerätesicherheit. Am 23. und 24. Mai 2026 warnte die indische Cyber Crime Coordination Centre (I4C) vor einer gezielten Phishing-Welle gegen iPhone-Besitzer. Gefälschte SMS, getarnt als offizielle Support-Nachrichten, sollen Apple-ID-Zugangsdaten und Einmalpasswörter stehlen.

Solche Angriffe zeigen: Selbst die besten Plattform-Sicherheitsmaßnahmen nutzen wenig, wenn Nutzer nicht wachsam bleiben. Apples Lockdown-Modus und Googles Advanced Protection Program für Android bieten zwar wirksame Schutzmechanismen – doch sie müssen auch aktiviert werden.

Ausblick: Ein entscheidendes Jahr für die Branche

Der Juni 2026 wird ein wichtiger Monat: Dann läuft die Frist für WhatsApp-API-Partner ab, die neuen Usernamen-Standard zu integrieren. Im Juli folgt voraussichtlich die öffentliche Beta von iOS 27, die fortschrittliche KI-Funktionen und kontextbewusste Assistenten mit lokaler Datenverarbeitung bringen soll.

Für Meta steht viel auf dem Spiel. Das Unternehmen muss das Vertrauen der Nutzer durch neue Features stärken, während es gleichzeitig juristische und regulatorische Hürden in Nordamerika und Europa meistert. Der Ausgang des texanischen Verfahrens wird von der gesamten Tech-Branche als möglicher Präzedenzfall beobachtet – geht es um die Frage, wie weit Unternehmen bei der Vermarktung von Verschlüsselung gehen dürfen.