WhatsApp-Angriffe: NSO Group setzt Pegasus-Spyware gegen Journalisten ein

Meta wirft NSO Group vorsätzliche Missachtung eines US-Gerichtsbeschlusses vor. Neue Phishing-Angriffe auf WhatsApp-Nutzer in Jordanien und Libanon entdeckt.

Der Facebook-Konzern Meta hat beantragt, die israelische Spyware-Firma NSO Group wegen Missachtung des Gerichts in Verzug zu erklären. Grund sind neue Hacking-Versuche gegen WhatsApp-Nutzer.

Neue Phishing-Angriffe in Jordanien und Libanon aufgedeckt

Die jüngsten Sicherheitsverstöße wurden am 8. Juni und gestern, dem 12. Juni 2026, entdeckt. WhatsApp-Sicherheitsteams griffen damals ein, als sie schädliche Aktivitäten gegen hochkarätige Nutzer bemerkten – darunter Journalisten, Regierungsbeamte und Militärangehörige. Die Angreifer setzten dabei auf Ein-Klick-Phishing-Techniken: Die Opfer erhielten Links zu externen Webseiten, die die Spionagesoftware Pegasus installieren sollten.

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Nach Erkenntnissen von Meta erstellte die NSO Group dafür nicht autorisierte Testkonten und Gruppen auf der WhatsApp-Plattform. Die Sicherheitsforscher identifizierten mehrere genutzte Domains, darunter „ikhwancast“, „ghazacast“ und „fr24cast“. Meta bezeichnete diese Aktionen als direkte Bedrohung der nationalen Sicherheit und als Verstoß gegen die rechtlichen Schutzbestimmungen für seine Nutzer.

Juristische Eskalation nach Gerichtsbeschluss von 2025

Der aktuelle Antrag auf Missachtung des Gerichts geht auf einen jahrelangen Rechtsstreit zurück, der 2019 begann. 2025 erließ ein US-Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die NSO Group, die dem Unternehmen den Zugriff auf WhatsApp-Server und -Nutzer untersagte. Zwar reduzierte das Gericht die ursprünglichen Schadensersatzforderungen von 167 Millionen auf 4 Millionen Euro – das Verbot blieb jedoch strikt in Kraft.

Meta argumentiert nun, dass die jüngst entdeckten Aktivitäten in Jordanien und Libanon einen vorsätzlichen Verstoß gegen diese gerichtliche Anordnung darstellen. Das Unternehmen sucht rechtliche Schritte, unterstützt von einer Koalition aus zwölf Bürgerrechtsgruppen, die sich für die Aufrechterhaltung der Verfügung eingesetzt haben. Im Rahmen seiner breiteren Bemühungen gegen die Spyware-Industrie spendet Meta zudem an die „Spyware Accountability Initiative“.

Aktuelle Lage und politische Entwicklungen

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Die NSO Group hat in den vergangenen Monaten tiefgreifende strukturelle Veränderungen durchgemacht, während der regulatorische Druck anhielt. Seit Oktober 2025 hält eine amerikanische Investmentgruppe die Mehrheitsanteile an dem Unternehmen, wodurch sich die Eigentümerstruktur von Israel in die USA verlagerte. Im November 2025 ernannte die NSO David Friedman, den früheren US-Botschafter in Israel, zum Vorstandsvorsitzenden.

Trotz des Eigentümerwechsels bleibt die NSO Group auf der US-Entity-Liste, die ihren Zugang zu amerikanischer Technologie und Dienstleistungen einschränkt. Berichten zufolge hat das Unternehmen Lobbyarbeit betrieben, um von dieser schwarzen Liste gestrichen zu werden. Branchenanalysten beobachten, dass die Firma seit der Gerichtsentscheidung von 2025 zahlreiche Mitarbeiter und Verträge verloren hat. Einige Forscher vermuten, dass die zunehmend prekäre rechtliche und finanzielle Lage das Unternehmen zu aggressiveren und gefährlicheren Operationen treibt.

Die NSO Group hatte vor Gericht argumentiert, dass die einstweilige Verfügung faktisch das Aus für das Unternehmen bedeuten würde – ein Argument, das Meta nun nutzt, um die angebliche Missachtung der Justiz durch die Firma zu unterstreichen.