WhatsApp baut eigene Cloud für Chat-Backups

WhatsApp entwickelt eine eigene, verschlüsselte Cloud-Lösung und bietet einen günstigen 50-GB-Tarif an. Die neue Infrastruktur soll die Abhängigkeit von Google und Apple beenden.

Statt weiterhin auf Google Drive und iCloud zu setzen, will WhatsApp künftig eine eigene, verschlüsselte Cloud-Lösung anbieten. Ein 50-Gigabyte-Speicherplan soll Nutzern eine günstige Alternative bieten.

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Abschied von Google und Apple

Bisher landeten WhatsApp-Backups automatisch bei den Betriebssystem-Herstellern. Android-Nutzer sicherten ihre Chats auf Google Drive, iPhone-Besitzer in der iCloud. Doch diese Abhängigkeit wurde zum Problem: Seit Google das unbegrenzte Speicherkontingent für WhatsApp-Backups gestrichen hat, fressen die Chat-Archive wertvollen Speicherplatz.

WhatsApp will seinen Nutzern jetzt mehr Autonomie geben. Interne Analysen zeigen: Das Unternehmen arbeitet an einer eigenen Cloud-Lösung auf Metas Servern. Der Vorteil: E-Mails, Fotos und Dokumente bei Google oder Apple bleiben von den oft mehrere Gigabyte schweren WhatsApp-Archiven unberührt.

In aktuellen Beta-Versionen tauchten bereits Menüoptionen auf, die Nutzern die Wahl zwischen dem alten und dem neuen System lassen. Ein strategischer Schachzug, um die Nutzerbindung im Meta-Ökosystem zu stärken.

Sicherheit wird Pflicht

Der entscheidende Unterschied zu den bestehenden Lösungen: die Verschlüsselung. Bisher war Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Backups in der iCloud oder auf Google Drive oft optional. Bei der neuen WhatsApp-Cloud wird sie zur Pflicht. Selbst Meta selbst soll keinen Zugriff auf die Chat-Inhalte haben.

WhatsApp setzt zudem verstärkt auf Passkeys. Statt komplizierter 64-stelliger Codes können Nutzer ihre Backups per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung sichern. Der Passkey wird sicher im Passwort-Manager des Endgeräts hinterlegt und über vertrauenswürdige Geräte synchronisiert.

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Wer klassische Methoden bevorzugt, kann weiterhin ein Passwort oder einen manuell generierten Schlüssel verwenden. Die Standardempfehlung zielt jedoch klar auf Passkeys ab – ein klares Signal an datenschutzbewusste Nutzer.

Das 50-Gigabyte-Angebot

WhatsApp plant eine gestaffelte Speicherhierarchie. Bis zu 2 Gigabyte sollen kostenlos bleiben – genug für grundlegende Text-Backups und kleinere Bildmengen. Für Power-User, deren Chats durch Videos und Sprachnachrichten schnell anschwellen, reicht das nicht.

Hier kommt der 50-Gigabyte-Tarif ins Spiel. Ersten Informationen zufolge soll er rund 0,99 US-Dollar kosten. Ob monatlich oder jährlich, ist noch unklar. Der Preis liegt deutlich unter den Einstiegsangeboten großer Cloud-Provider.

Hinweise verdichten sich, dass der Speicher mit einem neuen Abo-Modell namens „WhatsApp Plus“ verknüpft sein könnte. Dieser Premium-Dienst befindet sich bereits in ausgewählten Märkten in der Testphase. Neben kosmetischen Anpassungen und erweiterten Chat-Funktionen soll er exklusive Speicheroptionen bieten.

Metas strategischer Coup

Die eigene Cloud-Infrastruktur ist weit mehr als eine technische Spielerei. Sie ist ein strategischer Kurswechsel. Meta reduziert nicht nur die Abhängigkeit von Google und Apple, sondern erschließt sich eine neue Einnahmequelle.

Kritiker sehen darin eine weitere Zentralisierung des Internets. Die Bündelung von Kommunikation und Datenspeicherung in einer Hand berge neue Risiken. Meta verweist dagegen auf sein konsequentes Verschlüsselungskonzept.

Der Erfolg hängt davon ab, wie reibungslos der Übergang für die bestehende Nutzerschaft läuft. Das System befindet sich in der aktiven Entwicklungsphase. Experten rechnen zunächst mit internen Sicherheitsaudits, dann mit einem ausgewählten Kreis von Beta-Testern.

Für die Konkurrenz im Cloud-Market ist der Vorstoß eine ernstzunehmende Herausforderung. Mit über zwei Milliarden Nutzern weltweit hat WhatsApp enorme Hebelwirkung. Sollte sich der 50-Gigabyte-Plan als verlässlich und preislich konkurrenzfähig erweisen, könnte das die Marktanteile bei mobilen Backup-Lösungen massiv verschieben.