WhatsApp startet die globale Einführung von Benutzernamen, damit die über drei Milliarden Nutzer chatten können, ohne ihre Handynummer preiszugeben. Doch ausgerechnet im wichtigsten Wachstumsmarkt Indien gibt es jetzt heftigen Gegenwind von den Behörden.
Die Meta-Tochter sieht in der Funktion einen großen Schritt für den Datenschutz. Die Regierung in Neu-Delhi befürchtet jedoch einen Anstieg von Betrug und Identitätsdiebstahl. Das sorgt für Spannungen zwischen dem US-Konzern und den indischen Aufsichtsbehörden.
Mehr Kontrolle über die eigenen Daten
Seit Ende Juni 2026 können Nutzer weltweit ihren individuellen Benutzernamen reservieren. Erlaubt sind zwischen drei und 35 Zeichen. Wer künftig eine neue Unterhaltung starten will, muss den exakten Namen der Zielperson kennen – die Handynummer bleibt verborgen.
„Privatsphäre bedeutet, den Nutzern Kontrolle zu geben“, sagt Alice Newton-Rex, Produktchefin bei WhatsApp. Die Plattform werde bewusst kein öffentliches Verzeichnis oder eine Autovervollständigung für die neuen Namen anbieten. Das erschwert es Unbekannten, Kontakt aufzunehmen.
Die Benutzernamen müssen mit einem Buchstaben beginnen. Zahlen, Punkte und Unterstriche sind erlaubt. Über das Meta-Kontosystem lassen sich auch bereits vorhandene Namen von Instagram oder Facebook übernehmen. Die eigentliche Chat-Funktion per Benutzername soll später im Jahr 2026 weltweit freigeschaltet werden.
Schutzmechanismen gegen Missbrauch
WhatsApp will die Umstellung mit mehreren Sicherheitsfunktionen absichern. Dazu gehört ein optionaler „Username Key“ – eine vierstellige PIN, die vor der ersten Kontaktaufnahme abgefragt wird. Zusätzlich begrenzt die Plattform die Zahl neuer Kontakte, die ein Nutzer initiieren kann. Automatisierte Systeme sollen verdächtige Muster erkennen.
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Der Zeitpunkt ist heikel: Laut Daten der Global Anti-Scam Alliance wurden im vergangenen Jahr rund 57 Prozent der Erwachsenen weltweit Opfer von Betrugsversuchen. Der Gesamtschaden liegt Schätzungen zufolge zwischen 442 Milliarden und einer Billion Euro. In Südostasien berichteten mehr als 60 Prozent der Nutzer von Betrugsversuchen, fast ein Viertel erlitt finanzielle Verluste.
Indien erzwingt Rollout-Pause
Die indische Regierung reagierte prompt: Im Juli 2026 forderte das Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie Meta auf, innerhalb von 72 Stunden die Sicherheitsaspekte der Funktion zu erläutern. Die Behörden sehen ein erhöhtes Risiko für Phishing, Identitätsdiebstahl und sogenannte „Digital-Arrest“-Betrugsmaschen. Diese Form des Erpressungsbetrugs hat sich in Indien zuletzt verdreifacht.
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WhatsApp lenkte ein und stoppte die Einführung auf dem indischen Markt. Nun laufen Gespräche mit den Behörden. Neu-Delhi erwägt offenbar einheitliche Regeln für alle Messaging-Dienste. Auch Telegram und Signal mussten bereits Auskunft über ihre Benutzernamen-Funktionen geben.
Aufräum-Tool für Kanäle
Parallel arbeitet WhatsApp an der Medienverwaltung. Eine Beta-Version für Android (Version 2.26.30.4) enthält eine neue Speicherbereinigungsfunktion für Kanäle. Damit lassen sich Fotos, Videos, Sticker und Sprachnachrichten einzelner Kanäle gezielt löschen – direkt über den Kanal-Infobildschirm oder den Updates-Tab.
Filter zeigen, welche Medientypen am meisten Speicherplatz belegen. Als wichtig markierte Inhalte bleiben erhalten. Die Funktion ist derzeit nur für Tester verfügbar, die breite Einführung soll nach der Testphase folgen.

