WhatsApp-Benutzernamen: Indien stoppt Rollout wegen Betrugsrisiken

WhatsApps neue Benutzernamen-Funktion stößt weltweit auf regulatorische Hürden. Indien und Singapur blockieren die Einführung wegen Betrugs- und Datenschutzbedenken.

Die neue Funktion zur Reservierung von Pseudonymen für WhatsApp sorgt für Ärger bei Regulierungsbehörden und Verbraucherschützern. Seit Ende Juni können Nutzer zwar Benutzernamen reservieren, der vollständige Rollout verzögert sich jedoch. Grund sind Bedenken zu Cybersicherheit, Identitätsdiebstahl und Datenschutz.

Indien bremst den Rollout

In Indien – dem größten WhatsApp-Markt mit rund 500 Millionen Nutzern – haben die Behörden den Prozess gestoppt. Das indische IT-Ministerium prüft derzeit eine Stellungnahme von Meta zu den Risiken der Funktion. Zuvor hatte die Behörde das Unternehmen vor möglichen Gefahren durch Betrug und Identitätsdiebstahl gewarnt.

IT-Sekretär S Krishnan bestätigte, dass das Ministerium eine Antwort von WhatsApp erhalten habe. Rückmeldungen anderer Dienste wie Telegram und Signal stünden noch aus. Meta habe zugesichert, die Funktion in Indien erst nach Abschluss der Konsultationen freizuschalten. Ein Unternehmenssprecher erklärte, ein breiterer Rollout sei im weiteren Verlauf des Jahres geplant.

Warnungen aus Europa

Auch in Europa stoßen die Pläne auf Skepsis. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen weist darauf hin, dass die Neuerung zwar die Privatsphäre in Gruppen stärken könne – die Mobilfunknummer wird nicht mehr für jeden sichtbar sein. Allerdings entstünden neue Risiken. Die Nutzung von Klarnamen als Benutzernamen könnte die Menge der für Meta zugänglichen Daten erhöhen.

Experten warnen zudem vor plattformübergreifendem Tracking. Durch die Verknüpfung von WhatsApp-Benutzernamen mit Facebook- oder Instagram-Konten könnten Werbetreibende Nutzeraktivitäten noch präziser verfolgen. Auch Betrugsmaschen sind ein Thema: Frei wählbare Pseudonyme könnten Kriminelle nutzen, um sich als vertrauenswürdige Personen oder Institutionen auszugeben.

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Singapur blockt präventiv

Um Identitätsdiebstahl zu verhindern, hat Meta in einigen Regionen bereits vorgebaut. In Singapur wurden die Namen hochrangiger Regierungsvertreter gesperrt – darunter Premierminister Lawrence Wong und weitere Kabinettsmitglieder. So sollen Kriminelle keine offiziellen Identitäten für betrügerische Zwecke missbrauchen können.

Der Stadtstaat verzeichnete im vergangenen Jahr erhebliche Verluste durch Cyberbetrug. Um die Sicherheit bei der ersten Kontaktaufnahme zu erhöhen, plant WhatsApp zudem die Einblendung von Details zum Absender – etwa ob es sich um ein neues Konto handelt oder gemeinsame Gruppen bestehen.

Regulatorische Dauerbaustelle

Die Verzögerungen bei den Benutzernamen reihen sich in eine Serie regulatorischer Herausforderungen für Meta ein. Erst vor wenigen Tagen musste der Konzern die KI-Bildfunktion Muse Image einstellen. Künstlervereinigungen und Datenschützer hatten massiv kritisiert, dass die Funktion den visuellen Stil öffentlicher Instagram-Profile kopierte.

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Parallel bereitet sich die Branche auf strengere EU-Vorgaben vor. Ein Expertengremium legte Mitte Juli Empfehlungen für ein Mindestalter in sozialen Medien vor. Die Europäische Kommission arbeitet an Gesetzesvorschlägen, die den Schutz Minderjähriger verschärfen sollen. Für Anfang 2027 wird die Einführung einer digitalen Brieftasche (EUDI Wallet) zur Altersverifizierung erwartet.

Die Debatte um die Chatkontrolle läuft derweil weiter. Das EU-Parlament stimmte jüngst für eine Verlängerung von Maßnahmen zum Scannen privater Nachrichten auf illegale Inhalte. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt vorerst unangetastet.