WhatsApp-Betrug: 90 Konten gehackt, Kriminelle erbeuten tausende Euro

Kriminelle nutzen gekaperte WhatsApp-Konten und falsche SMS, um hohe Geldbeträge zu ergaunern. Die Polizei zählt 90 kompromittierte Profile.

Die Verbraucherzentrale hat erneut eine dringliche Warnung vor weitverbreiteten Betrugsversuchen über den Messengerdienst WhatsApp herausgegeben. Kriminelle nutzen dabei verstärkt die Masche, sich als nahe Angehörige auszugeben, um finanzielle Transaktionen zu erschleichen. Diese Form des digitalen Enkeltricks zielt darauf ab, durch eine vorgetäuschte Notsituation oder eine vermeintlich neue Kontaktnummer Vertrauen aufzubauen und die Opfer zu Zahlungen zu bewegen.

Kompromittierte Konten und gefälschte Identitäten

Nach Angaben der Polizei wurden allein im laufenden Jahr 2026 bereits mindestens 90 WhatsApp-Konten kompromittiert. Die Täter gehen dabei oft so vor, dass sie potenzielle Opfer von einem bereits übernommenen Account eines Freundes oder Bekannten aus kontaktieren. In diesen Nachrichten werden die Betroffenen gebeten, einen sechsstelligen Verifizierungscode weiterzugeben, der ihnen kurz zuvor zugestellt wurde. Sobald die Angreifer diesen Code erhalten, übernehmen sie die Kontrolle über das Konto und nutzen es für weitere Betrugsdelikte, etwa zur Erlangung von Geld oder sogenannten MOL-Punkten.

Ein aktueller Fall aus Innsbruck verdeutlicht die Wirksamkeit dieser Methoden. Ein 69-jähriger Mann erhielt eine Nachricht per SMS, in der sich die Absender als sein Sohn ausgaben und eine angebliche neue Rufnummer kommunizierten. Im anschließenden Chatverlauf wurde der Senior dazu gedrängt, eine Überweisung von über 1000 Euro zu tätigen. Das Opfer leistete die Zahlung und bemerkte den Betrug erst zu einem späteren Zeitpunkt, woraufhin Anzeige erstattet wurde.

Zunahme von Phishing und manipulierten E-Mails

Parallel zu den Messenger-Betrügereien bleibt die Gefahr durch klassisches Phishing hoch. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) stellte fest, dass mittlerweile jede dritte unerwünschte E-Mail Phishing-Absichten verfolgt. Aktuell warnt die Verbraucherzentrale zudem vor gefälschten E-Mails im Namen der Commerzbank. Darin wird eine Neuregistrierung des photoTAN-Verfahrens gefordert, wobei Bezug auf einen angeblich per Post versandten QR-Code genommen wird. Experten weisen darauf hin, dass unpersönliche Anreden, unseriöse Absenderadressen und künstlich erzeugter Zeitdruck klare Warnsignale für solche Betrugsversuche sind.

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Auch im Bereich des Online-Handels beobachten Sicherheitsforscher von Bitdefender Labs eine hohe Aktivität. In den vergangenen Monaten wurden über 55 Fake-Shop-Kampagnen identifiziert, die in 12 EU-Ländern aktiv waren. Die Täter nutzen dabei oft Unicode-Domains, die bekannten Markennamen wie Samsung, Nike oder Amazon täuschend ähnlich sehen. Mit extrem niedrigen Preisen – etwa einem Samsung Galaxy S26 Ultra für 249 Euro oder Lautsprechern von Teufel für 108 Euro – werden Käufer angelockt. Als Zahlungsmittel wird in diesen Fällen ausschließlich die SEPA-Vorkasse akzeptiert, eine Warenerhaltung erfolgt nicht.

Gefahren nach Smartphone-Diebstahl und falsche Rechnungen

Ein weiteres Szenario betrifft den Diebstahl von Endgeräten. Die Telekom warnt davor, dass Täter nach dem Entwenden eines Smartphones Phishing-SMS im Namen von Apple oder Google versenden. Ziel ist es, die Opfer zur Eingabe ihrer Zugangsdaten auf gefälschten Webseiten zu verleiten, um die Gerätesperren zu umgehen. In solchen Fällen wird empfohlen, umgehend den Verloren-Modus zu aktivieren und die SIM-Karte zu sperren.

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Zusätzlich warnt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vor unberechtigten Forderungen der in Hongkong ansässigen Margot Brands Ltd. Das Unternehmen versende falsche Rechnungen für Dienstleistungen wie Horoskop-Abos oder Ernährungscoaching. Die hierfür genutzten Daten stammen vermutlich aus früheren Datenlecks. Betroffene sollten diesen Forderungen schriftlich widersprechen oder sie ignorieren.

Um sich vor der Übernahme von Mobilfunknummern durch sogenanntes SIM-Swapping oder Smishing zu schützen, raten IT-Experten zur Nutzung von Authenticator-Apps anstelle von SMS-basierten Verifizierungscodes. Zudem sollte das Mobilfunkkonto durch zusätzliche Sicherheitsabfragen abgesichert werden.