WhatsApp-Betrug: Reisende im Visier von Phishing mit echten Buchungsdaten

Kriminelle nutzen gestohlene Buchungsdetails für gezielte WhatsApp-Angriffe auf Reisende. Behörden warnen vor aktueller Betrugswelle.

Grundlage ist ein Datenleck aus dem April dieses Jahres. Kriminelle haben Zugriff auf authentische Buchungsdetails erhalten. Seit Mai 2026 beobachten Experten ein deutlich erhöhtes Aufkommen dieser Phishing-Versuche.

Perfide Masche mit echten Buchungsdaten

Die Betrüger geben sich als Hotelmitarbeiter oder als Vertreter von Booking.com aus. Da ihnen konkrete Reisedetails vorliegen, wirken die Nachrichten sehr glaubwürdig.

Die Angreifer nutzen zwei Strategien: In einer Variante drohen sie mit der Stornierung der Reise. Die Opfer sollen über einen Link eine Kreditkartenbestätigung abgeben. In der zweiten Variante wird eine Rückerstattung versprochen – die Daten sollen auf einer externen Seite eingegeben werden.

Die Links führen auf gefälschte Webseiten. Dort werden Kreditkartendaten und persönliche Informationen abgegriffen.

Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) mahnt zur Vorsicht: Keine Links in solchen Nachrichten anklicken. Reisende sollten den Buchungsstatus nur über offizielle Apps prüfen oder das Hotel über eine verifizierte Telefonnummer kontaktieren.

Zunahme von Cyberangriffen auf Kundendaten

Der Vorfall reiht sich in eine Serie aktueller Sicherheitsverletzungen ein. Erst kürzlich bestätigte Lidl eine Datenschutzverletzung in seinem Onlineshop. Betroffen sind Kunden in Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Ein Angriff auf einen externen IT-Dienstleister führte zum Diebstahl von Namen, E-Mail-Adressen, Geburtsdaten und Kundennummern. Passwörter oder Zahlungsdaten wurden nach Unternehmensangaben nicht entwendet. Lidl hat Strafanzeige gestellt.

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Ermittlungserfolge gegen die Phishing-Infrastruktur

Parallel zu den neuen Betrugswellen vermelden Strafverfolgungsbehörden Erfolge. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat gemeinsam mit US-Ermittlern den weltweit agierenden Phishing-Dienst „Kratos“ zerschlagen.

Über diesen Dienst konnten Kriminelle täuschend echte Login-Seiten erstellen. Sie umgingen sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung durch das Kopieren von Cookies. Rund 1.800 Täter sollen das System für monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen genutzt haben.

Ein Entwickler wurde in Indonesien festgenommen. Mehr als 200 Server wurden unschädlich gemacht. Seit 2024 soll die Gruppierung über 300.000 Euro erwirtschaftet haben.

Zeitgleich begann vor dem Landgericht Münster ein Prozess gegen eine sechsköpfige Bande aus dem Ruhrgebiet. Ihnen wird vorgeworfen, zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 einen sechsstelligen Schaden verursacht zu haben. Die Täter gaben sich als Bankmitarbeiter aus, nutzten gefälschte Webseiten und manipulierte Telefonanzeigen (Call-ID-Spoofing). Bei Durchsuchungen stellten Ermittler erhebliche Bargeldbestände sicher.

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Empfehlungen für Verbraucher und Unternehmen

Angesichts der professionellen Vorgehensweise empfehlen IT-Sicherheitsexperten den verstärkten Einsatz von Passkeys. Diese basieren auf einer Public-Key-Verschlüsselung und gelten als deutlich resistenter gegen Phishing als herkömmliche Passwörter. Der private Schlüssel verbleibt lokal auf dem Gerät – Angreifer können ihn nicht durch gefälschte Webseiten entwenden.

Zudem sollten Android-Nutzer den Zugriff von KI-Assistenten auf den Sperrbildschirm einschränken. Hintergrund ist eine Sicherheitslücke in Android 16. Sie könnte es ermöglichen, bei physischem Zugriff auf das Gerät Nachrichten ohne PIN-Eingabe zu versenden. Ein Sicherheitsupdate wurde für diese Woche angekündigt.