WhatsApp-Blockade: Russland schottet 100 Millionen Nutzer ab

Die russische Regierung hat den Messenger WhatsApp landesweit blockiert und über 100 Millionen Nutzer abgeschnitten. Die Maßnahme treibt das Projekt eines staatlich kontrollierten Internets voran.

Russland hat den populären Messenger WhatsApp landesweit gesperrt. Die Maßnahme ist die bisher schärfste Attacke des Kremls gegen einen globalen Tech-Konzern und isoliert über 100 Millionen Nutzer.

Seit dem 12. Februar 2026 ist der Zugang zum Meta-Dienst in Russland blockiert. Die Behörden begründen den Schritt mit der Weigerung des Unternehmens, lokale Gesetze zu befolgen. Diese verlangen, dass Nutzerdaten auf russischen Servern gespeichert und Sicherheitsbehörden zugänglich gemacht werden. WhatsApp und Digitalrechtler sehen darin jedoch einen gezielten Schachzug: Bürger sollen auf den staatlich geförderten Messenger „Max“ der VK-Konzerns gelenkt werden.

Der Weg zur „digitalen Souveränität“

Die vollständige Sperre ist der Höhepunkt einer monatelangen Eskalation. Bereits im August 2025 wurden Sprach- und Videoanrufe eingeschränkt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, WhatsApp habe sich geweigert, „die Normen und den Buchstaben des russischen Rechts“ zu erfüllen. Die Regierung treibt damit ihr Projekt eines „souveränen Internets“ voran – ein digitales Ökosystem, das auf einheimische Plattformen setzt und den Datenfluss kontrolliert.

Die technische Umsetzung ist radikal: Die Aufsichtsbehörde Roskomnadzor hat die WhatsApp-Domains aus dem nationalen Domain-Name-System entfernt. Für die meisten Nutzer, die keine Umgehungstools wie VPNs nutzen, ist der Dienst damit unerreichbar.

Meta kontert – Bürger verlieren sicheren Kanal

Meta verurteilte die Blockade scharf. Das Unternehmen sprach von einem „Rückschritt“, der die Sicherheit der Menschen in Russland verringere, indem sie von privaten Kommunikationskanälen abgeschnitten würden. Der Konzern wirft der Regierung vor, die Menschen zu einer „staatlichen Überwachungs-App“ drängen zu wollen.

Die Folgen für den Alltag sind massiv. Millionen Russen nutzten WhatsApp zur Kommunikation mit Familien, für geschäftliche Absprachen und Logistik. Die App galt wegen ihrer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als vergleichsweise sicherer Kanal.

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Systematischer Abbau digitaler Freiheiten

Die WhatsApp-Sperre ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Musters. Parallel wird der Zugang zum Messenger Telegram gedrosselt. Zuvor wurden bereits Facebook, Instagram und zuletzt auch YouTube aus dem nationalen Netz verbannt. Der Raum für unüberwachte digitale Interaktion schwindet für russische Bürger damit nahezu vollständig.

Analysten sehen in der graduellen Vorgehensweise – von Teilbeschränkungen zur Totalblockade – ein Modell für andere Staaten, die ihre Kontrolle über das Internet ausbauen wollen.

Globale Tech-Macht vs. nationale Regulierung

Der Konflikt illustriert das Phänomen des „Splinternet“: Das einst globale Netz zersplittert entlang geopolitischer Linien. Tech-Konzerne geraten zwischen die Gesetze ihrer Heimatländer und restriktive Vorgaben autoritärer Regime.

Gleichzeitig üben auch die Plattformen selbst immense Macht aus. So steht Meta selbst in der EU in der Kritik, weil es Dritt-Anbieter von KI-Chatbots von seiner Business-Plattform ausschließt. Die Grenzen zwischen staatlicher Zensur und unternehmerischer Plattform-Politik verschwimmen.

Was kommt als Nächstes?

Technisch versierte Nutzer werden versuchen, die Sperre mit VPNs zu umgehen. Der Kreml erschwert den Zugang zu diesen Tools jedoch zunehmend. Die breite Masse dürfte auf den staatlichen Messenger Max ausweichen. Kritiker befürchten dadurch eine lückenlose Überwachung, da staatliche Plattformen kaum eine starke Verschlüsselung wie WhatsApp bieten werden.

Der Machtkampf in Russland markiert eine neue Phase im Verhältnis zwischen globalen Tech-Giganten und Nationalstaaten. Die Zukunft eines einheitlichen, globalen Internets steht auf dem Spiel.