Die Regierung von Simbabwe hat eine koordinierte Untersuchung eingeleitet, um einer beispiellosen Serie von unautorisierten Übernahmen von WhatsApp-Business-Konten nachzugehen. Dies bestätigte ICT-Minister Tatenda Mavetera. Bei den Vorfällen kapern Kriminelle Unternehmens- und Nutzerkonten, um im Namen der Betroffenen Geld von gespeicherten Kontakten zu erbitten.
Die Ermittlungen werden gemeinsam von Regierungsstellen, einem Mobilfunknetzbetreiber, der Cyber-Crime-Division der simbabwischen Polizei (ZRP) und dem Meta-Konzern geführt. Auch die Regulierungsbehörde POTRAZ arbeitet mit Meta zusammen, während der betroffene Mobilfunknetzbetreiber eine Pressemitteilung vorbereitet und einen rund um die Uhr erreichbaren Reaktionsmechanismus eingerichtet hat.
SMS-Aggregatoren und Plattformsysteme im Visier
Minister Mavetera bezeichnete das Ausmaß der Vorfälle als beispiellos. Im Rahmen der Untersuchungen prüfen die Behörden unter anderem die mögliche Rolle von SMS-Terminierungspartnern, sogenannten Aggregatoren, sowie von Plattformsystemen. Eine abschließende Verantwortung ist bislang jedoch nicht belegt.
Besondere Sorge bereitet den Ermittlern die Möglichkeit, dass die Täter die gekaperten Konten in Verbindung mit Meta-Werbediensten und bestehenden Zahlungsvereinbarungen missbrauchen. Die Behörden untersuchen daher intensiv, ob finanzielle Daten offengelegt wurden oder bereits unautorisierte Finanztransaktionen stattgefunden haben.
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Betroffen sind vor allem Firmen, die WhatsApp Business für die reguläre Kundenkommunikation nutzen. Zwar gibt es laut den Behörden bislang keine verifizierte nationale Zahl über das Gesamtausmaß der Vorfälle, doch bedeute eine Kontosperrung nicht in jedem Fall einen Hack.
Unter den Geschädigten befindet sich auch das Parlamentsmitglied Charlton Hwende, der am 12. Oktober 2026 den Verlust seines WhatsApp-Zugangs meldete.
Komplexe Angriffsmuster umgehen Schutzmaßnahmen
Zahlreiche Nutzer in Simbabwe berichten, die Kontrolle über ihre Profile verloren zu haben, ohne zuvor Einmalpasswörter (OTP) an Dritte weitergegeben zu haben. In einigen Fällen sperrten die Angreifer selbst Personen aus, die eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aktiviert hatten und weiterhin im physischen Besitz ihrer SIM-Karte waren.
Zudem gibt es Berichte über den Einsatz von KI-Bots auf kompromittierten Konten sowie ein rasches Ändern der hinterlegten Wiederherstellungsdaten durch die Angreifer.
Branchenkenner analysieren derzeit verschiedene Vektoren. Der Digital-Experte Kuda Musasiwa beschrieb ein wiederkehrendes Muster: Bei Econet-Leitungen, die auf WhatsApp Business laufen und deren Endgerät für fünf oder mehr Minuten offline ist, werde über temporäre Ruf- oder SMS-Weiterleitungen das Einmalpasswort abgefangen. Dadurch lasse sich die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgehen, die hinterlegte Sicherheits-E-Mail austauschen und anschließend Broadcast-Listen für Phishing-Nachrichten erstellen.
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Sicherheitsexperte Christopher Musodza nannte als zentrale Angriffswege Methoden wie Social Engineering über manipulierte Weiterleitungscodes, SIM-Swapping oder Duplikat-SIM-Karten, Phishing-Links, Spionagesoftware und Vertrauenskaskaden innerhalb bestehender Netzwerke. Weitere Sicherheitsexperten verweisen ergänzend auf unautorisierte verknüpfte Geräte und das sogenannte GhostPairing.
Behörden und Betreiber raten zu Vorsichtsmaßnahmen
Die Polizei hatte bereits zuvor vor SIM-Karten-Austauschen und Kontoübernahmen gewarnt. Auch der Mobilfunknetzbetreiber Econet Wireless hatte bereits am 23. September 2026 vor mobilen Betrugsmaschen gewarnt und die Einrichtung von Passkeys sowie der Zwei-Schritt-Verifizierung empfohlen.
Die simbabwischen Behörden raten der Bevölkerung dringend dazu, bestehende Kontozugriffe, verknüpfte Geräte, laufende Werbeaktivitäten und Zahlungstransaktionen aufmerksam zu kontrollieren. Passwörter, PINs oder Verifizierungscodes dürfen unter keinen Umständen weitergegeben werden. Eingehende Geldforderungen sollten Bürger stets über unabhängige Kanäle verifizieren.
Sollte ein Konto kompromittiert worden sein, empfehlen IT-Experten eine umgehende Neuregistrierung über die offizielle App. Sofern Angreifer eine eigene PIN für die Zwei-Schritt-Verifizierung hinterlegt haben, kann eine Wartezeit von bis zu sieben Tagen anfallen, bevor der Zugriff wiederhergestellt werden kann.

