Die EU-Kommission unterwirft den Broadcast-Dienst von WhatsApp den strengsten Aufsichtsregeln des Digital Services Act. Meta hat vier Monate Zeit, die Funktion an die Vorgaben anzupassen.
Brüssel. Der Messenger-Dienst WhatsApp muss sich in der Europäischen Union auf schärfere Kontrollen einstellen. Die EU-Kommission hat die Broadcast-Funktion WhatsApp Channels diese Woche offiziell als Very Large Online Platform (VLOP) eingestuft. Damit fällt der Dienst unter die strengsten Inhalts- und Sicherheitsvorschriften der Digital Services Act (DSA). Das Mutterunternehmen Meta hat nun vier Monate Zeit, die wachsende Funktion an die umfassenden Pflichten anzupassen. Es ist ein bedeutender Schritt, der die Aufsicht auf den populären Messenger ausweitet.
Die Einstufung betrifft ausdrücklich nur die Ein-zu-viele-Broadcast-Funktion Channels. Der Kern des Dienstes – die private, Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikation – bleibt außen vor. Den Ausschlag gab die Nutzerzahl: Channels überschritt in der EU die Schwelle von 45 Millionen aktiven Monatsnutzern. Nach offiziellen Angaben erreichte der Dienst in der zweiten Hälfte 2024 über 46 Millionen Nutzer in der EU. Einige Berichte sprechen sogar von bis zu 51,7 Millionen Anfang 2025. Damit steht ein Teil von WhatsApp nun unter derselben Aufsicht wie andere Großplattformen – etwa Facebook, Instagram, TikTok und X.
Strengere Pflichten für mehr Sicherheit
Die VLOP-Einstufung bringt einen Katalog anspruchsvoller Regeln mit sich. Meta muss für WhatsApp Channels nun umfassende Risikobewertungen vorlegen. Diese müssen potenzielle Gefahren analysieren: die Verbreitung illegaler Inhalte, die Manipulation von Wahlen oder Bedrohungen für Grundrechte wie die Meinungsfreiheit.
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Auf die Analyse folgen konkrete Maßnahmen. Das Unternehmen muss wirksame Risikominderungs- und Moderationstechniken einführen und mehr Transparenz über seine Abläufe schaffen. Die EU droht bei Verstößen mit harten Sanktionen. Bußgelder können bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen. Meta hat bis Mitte Mai 2026 Zeit, die neuen Vorgaben vollständig umzusetzen.
Gezielter Ansatz: Broadcast versus Privatnachrichten
Die Regulierer legen Wert auf eine klare Trennung. Die DSA-Pflichten gelten nur für Channels – ein öffentliches Werkzeug für Organisationen, Marken und Persönlichkeiten, um Updates an ein großes Publikum zu senden. Private chats und kleine Gruppen bleiben von diesen spezifischen Inhaltsregeln ausgenommen. Das ist ein entscheidender Punkt für den Privatsphärenschutz der Nutzer.
Dieser gezielte Ansatz zeigt die EU-Strategie: Regulierung nach Funktion und öffentlicher Reichweite, nicht nach Gießkannenprinzip. Während der Messenger private Dialoge ermöglicht, agiert Channels wie ein öffentlicher Marktplatz. Diese Reichweite erfordert ein höheres Maß an Verantwortung für die verbreiteten Inhalte.
Teil der breiteren EU-Tech-Offensive
Die Einstufung von WhatsApp Channels ist der jüngste Schritt in der konsequenten Durchsetzung des DSA. Die Liste der VLOPs umfasst nun 26 Plattformen. Die Kommission hat bereits Stärke bewiesen: Im Dezember 2025 verhängte sie die erste DSA-Geldstrafe – 120 Millionen Euro gegen X wegen Verstößen gegen Transparenzpflichten. Kürzlich wurde eine Untersuchung gegen Xs KI-Plattform Grok eingeleitet, aus Sorge um Deepfake-Bilder.
Mit WhatsApp Channels setzt die EU ihren Kurs fort, das digitale Regelwerk konsequent auf alle großen Plattformen im Binnenmarkt anzuwenden.
Was die Regulierung für die Branche bedeutet
Die Einstufung einer einzelnen Funktion innerhalb einer größeren App markiert eine neue Nuance in der Digitalregulierung. Sie zeigt, dass Aufseher komplexe Dienste zerlegen, um Regeln genau dort anzuwenden, wo sie nötig sind – hier beim öffentlich wirksamen Broadcast-Tool eines privaten Messengers.
Für Meta bedeutet das eine weitere Komplexitätsschicht in der Compliance. Das Unternehmen managt DSA-Pflichten bereits für Facebook und Instagram. Ein WhatsApp-Sprecher betonte, man werde seine Sicherheitsmaßnahmen weiterentwickeln, um den regulatorischen Erwartungen gerecht zu werden.
Die Entscheidung unterstreicht den wachsenden Fokus der Regulierer auf alle Formen der Massenkommunikation – unabhängig von der Hauptfunktion einer Plattform. Die Kosten und der technische Aufwand für risikobasierte Moderation sind erheblich und werden zu einem zentralen betrieblichen Faktor für Plattformbetreiber.
Ausblick: Frist bis Mai 2026
Die unmittelbare Zukunft wird von Anpassungen geprägt sein. Bis Mitte Mai 2026 müssen Meta und WhatsApp die nötigen Sicherheits- und Transparenzrahmen für Channels implementieren. Das erfordert wahrscheinlich erhebliche Investitionen in Moderations-Technologie und Personal sowie neue Meldesysteme für die Aufseher.
Die Aufsicht führt die EU-Kommission in Zusammenarbeit mit Irlands digitalem Dienstekoordinator Coimisiún na Meán durch – dem Sitz vieler Tech-Konzerne für ihre EU-Geschäfte.
Die Branche wird aufmerksam verfolgen, wie effektiv Meta die Änderungen umsetzt und wie konsequent die EU durchgreift. Dieser Fall wird ein wichtiger Präzedenzfall für die funktionsspezifische Regulierung unter dem DSA. Für Nutzer und Ersteller auf WhatsApp Channels könnten die kommenden Monate subtile Änderungen an den Nutzungsbedingungen und Inhaltsrichtlinien bringen.
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