Die Europäische Kommission hat Meta per Eilbeschluss verpflichtet, konkurrierenden KI-Assistenten wieder Zugang zu WhatsApp zu gewähren. Seit dem 13. Juli sind Dienste wie ChatGPT auf der Plattform im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zurück.
Der Schritt beendet einen monatelangen Rechtsstreit. Meta hatte im Oktober 2025 allgemeine KI-Chatbots von seiner WhatsApp Business API ausgeschlossen – eine Regelung, die am 15. Januar 2026 in Kraft trat. Bereits im Dezember 2025 leitete die EU-Kommission ein Kartellverfahren ein.
Brüssel greift durch
Im März 2026 lehnten die Wettbewerbshüter einen Vorschlag von Meta ab, Gebühren zwischen 0,049 und 0,13 Euro pro Nachricht zu erheben. Ihre Einschätzung: Das sei ein faktisches Verbot des Wettbewerbs.
Am 9. Juni folgte der Paukenschlag: Die Kommission erließ eine einstweilige Anordnung nach Artikel 8(1) der Verordnung 1/2003. Es ist erst das zweite Mal in zwei Jahrzehnten, dass die EU zu diesem scharfen Mittel greift. Meta muss rivalisierenden Assistenten nun kostenlosen Zugang zu denselben Konditionen gewähren, die vor dem Oktober 2025 galten.
Das Unternehmen hat die Anordnung befolgt, legt aber Rechtsmittel ein. Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Umsatzes.
Eigene KI-Angebote bleiben kostenpflichtig
Die regulatorischen Eingriffe der EU zeigen, wie schnell sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für künstliche Intelligenz verschärfen. Dieser kostenlose Report klärt auf, welche rechtlichen Pflichten und Bedrohungen Unternehmer jetzt im Zuge neuer KI-Gesetze kennen müssen. Neue KI-Gesetze und Cyberrisiken jetzt verstehen
Während Meta in Europa den freien Zugang für Drittanbieter dulden muss, treibt der Konzern seine eigenen KI-Dienste weltweit voran. Am 1. August startet die Abrechnung für den „Meta Business Agent“ – nach einer kostenlosen Testphase, die Ende Juli endet.
Das Preismodell: zwei Dollar pro Million Tokens, was Branchenanalysten auf etwa vier bis fünf Cent pro Nachricht schätzen. Der Agent, der seit dem 3. Juni verfügbar ist, kann komplexe Abläufe über WhatsApp, Instagram und Messenger hinweg steuern. Ab Oktober will Meta zudem wieder Gebühren für Service-Nachrichten und Utility-Vorlagen erheben.
Ergänzend brachte Meta am 9. Juli „Muse Spark 1.1″ auf den Markt – ein multimodales Reasoning-Modell. Mit 1,25 Dollar pro Million Input-Tokens und 4,25 Dollar pro Million Output-Tokens positioniert es sich als günstigere Alternative zu OpenAI und Anthropic.
KI als Kündigungsgrund? Klage gegen Meta
Doch nicht nur extern, auch intern sorgt Metas KI-Einsatz für Zündstoff. Am 13. Juli reichten 26 aktuelle und ehemalige Mitarbeiter Klage vor einem Bundesgericht in Kalifornien ein. Ihr Vorwurf: Meta habe mit voreingenommenen KI-Tools Beschäftigte für Entlassungen ausgewählt.
Betroffen sind rund 8.000 Stellen – etwa zehn Prozent der Belegschaft –, die im Mai 2026 gestrichen wurden. Die Kläger behaupten, eine KI-gestützte Überwachungssoftware mit Tastatur-Tracking und Token-Nutzungs-Dashboards habe gezielt Mitarbeiter benachteiligt, die medizinische Auszeiten, Elternzeit oder Erwerbsminderungsurlaub genommen hatten.
Ob beim Personalmanagement oder im Kundenservice – die EU-KI-Verordnung stellt neue Regeln auf, die viele Unternehmen noch nicht kennen. Ein kostenloser Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen und Risikoklassen, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Meta weist die Vorwürfe zurück. Personalentscheidungen würden von Menschen getroffen, nicht von automatisierten Systemen. Die Kläger fordern eine einstweilige Verfügung gegen die Kündigungen, die ab dem 22. Juli wirksam werden sollen.
EU verschärft Kurs gegen Big Tech
Der WhatsApp-Beschluss ist Teil einer umfassenden EU-Offensive gegen die großen Technologiekonzerne. Erst am 16. Juli erließ die Kommission zwei verbindliche Anordnungen nach dem Digital Markets Act (DMA). Google muss rivalisierenden KI-Assistenten auf Android denselben Systemzugang gewähren wie seinem eigenen Gemini-Dienst.
Konkret geht es um Hardware-Ressourcen, „Wake-Word“-Funktionen und den Zugriff auf den Bildschirminhalt. Die Integration soll mit der nächsten großen Android-Version im Juli 2027 kommen. Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Im Bereich der KI-Interoperabilität wird nicht länger verhandelt.

