Ein beispielloser Schritt im Kampf gegen Monopolbildung.
EU-Kommission greift mit seltenem Instrument durch
Anfang Juni verhängte die Europäische Kommission eine einstweilige Verfügung gegen Meta – ein juristisches Mittel, das in den letzten 20 Jahren nur zweimal zum Einsatz kam. Konkret muss der Facebook-Konzern seit dem 15. Juni konkurrierenden KI-Anbietern den Zugang zu seiner Messaging-Plattform WhatsApp gewähren.
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Hintergrund ist ein Streit, der bereits im Januar eskalierte. Damals blockierte Meta angeblich den Zugriff externer KI-Entwickler auf seine Systeme. Die EU-Kommission sah darin einen Versuch, die eigene Vormachtstellung im Messaging-Markt auf den boomenden Bereich der KI-Assistenten und Geschäfts-Chatbots auszuweiten.
Die Drohkulisse ist massiv: Bei Verstößen drohen Strafen von bis zu 20 Milliarden Euro – rund zehn Prozent des Jahresumsatzes von Meta.
Streit um Zugangsgebühren
Zwar hat Meta die Verbindung für Wettbewerber wie OpenAI und Anthropic wiederhergestellt, doch die Bedingungen sorgen für neuen Zündstoff. Im Mai gewährte der Konzern Drittanbietern einen Monat lang kostenlosen Zugang zur WhatsApp-Business-API – allerdings mit begrenztem Nachrichtenvolumen. Nun plant Meta, auf ein Bezahlmodell umzustellen.
Kleinere Wettbewerber wie Interaction Company und Agentik laufen dagegen Sturm. Sie argumentieren, die geplanten Gebühren seien nichts anderes als eine neue Markteintrittsbarriere. Meta selbst verweist auf Datenschutz- und Sicherheitsbedenken bei der Integration externer KI-Modelle.
Eigene KI-Offensive parallel zum Rechtsstreit
Während Meta in Europa unter Druck steht, treibt der Konzern seine eigenen KI-Lösungen weltweit voran. Auf einer Konferenz in London öffnete das Unternehmen am 3. Juni seinen KI-Business-Agenten für alle Händler auf WhatsApp, Instagram und Messenger. Nach fast zwei Jahren Testphase in Indien und Mexiko folgte am 19. Juni der globale Rollout.
Der Meta-eigene Agent kann Produkte empfehlen, Termine buchen und Kundenanfragen vorqualifizieren – bevor er an menschliche Mitarbeiter übergibt. Die Bezahlung läuft künftig über ein token-basiertes Preismodell. Geplant sind zudem Integrationen mit Shopify, Zendesk und Shopee.
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Transparenzpflichten ab August
Die Öffnung von WhatsApp fällt zeitlich mit einer grundlegenden Neuordnung des KI-Marktes zusammen. Am 10. Juni veröffentlichte die EU-Kommission einen freiwilligen Verhaltenskodex zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte – als Vorgeschmack auf das, was ab August Pflicht wird.
Ab dem 2. August 2026 greifen die Transparenzregeln des EU AI Act. Entwickler müssen dann maschinenlesbare Markierungen in KI-Inhalte einbetten. Plattformen sind verpflichtet, Nutzer klar darauf hinzuweisen, wenn sie mit einer KI statt einem Menschen kommunizieren.
Meta hat angekündigt, gegen die kartellrechtlichen Anordnungen in Berufung zu gehen. Gleichzeitig bereitet sich der Konzern auf die neuen gesetzlichen Auflagen vor. Ob die Öffnung für Konkurrenten Bestand hat, wird sich zeigen – der europäische Rechtsstreit dürfte noch Monate dauern.

