WhatsApp testet in Beta-Versionen die Einführung von Benutzernamen als Alternative zur verpflichtenden Telefonnummer. Die Neuerung ist Teil einer Sicherheitsinitiative von Mutterkonzern Meta.
Ziel ist mehr Privatsphäre für die Nutzer. Bisher diente die Mobilfunknummer als universelle Kennung für jeden Account. Wer mit flüchtigen Bekannten oder in großen Gruppen kommunizieren wollte, musste seine Nummer preisgeben. Mit Benutzernamen soll das künftig nicht mehr nötig sein.
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Passwortschutz und automatisches Löschen
Ergänzt wird der Identitätsschutz durch eine neue Absicherung bei der Anmeldung auf neuen Geräten. WhatsApp arbeitet an einem optionalen Passwortschutz – zusätzlich zur bestehenden Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das Passwort muss 6 bis 20 Zeichen lang sein und mindestens einen Buchstaben sowie eine Zahl enthalten. Experten erwarten den flächendeckenden Rollout im Laufe des Jahres 2026.
Parallel testet das Unternehmen eine erweiterte Löschfunktion für Nachrichten. Unter dem Arbeitstitel „Nach dem Lesen löschen“ können Nutzer künftig festlegen, dass sich Mitteilungen automatisch entfernen – nach 5 Minuten, einer Stunde oder 12 Stunden nach dem Öffnen. Ungelesene Nachrichten verschwinden nach 24 Stunden. Die Funktion befindet sich in der Testphase für ausgewählte Nutzergruppen.
KI-Chats im Inkognito-Modus
Meta führt für die Interaktion mit der hauseigenen Meta AI ein sogenanntes „Private Processing“ ein. Inkognito-Chats mit dem KI-Assistenten sollen nicht auf den Servern von Meta gespeichert werden. Der Konzern betont, dass er auf diese verschlüsselten Dialoge keinen Zugriff habe.
Bereits im April 2026 führte WhatsApp die Einstellung „Erweiterter Chat-Datenschutz“ ein. Sie erlaubt es Nutzern, KI-Funktionalitäten in Einzel- und Gruppenchats gezielt einzuschränken. Die Erwähnung der KI über das @-Symbol kann unterbunden werden. Ein vollständiges Abschalten der KI-Komponenten sieht die aktuelle Architektur jedoch nicht vor.
Werbung in Status-Updates
Während die Sicherheitsfunktionen ausgebaut werden, passt Meta auch das Geschäftsmodell an. Erstmals gibt es Werbeanzeigen in Status-Updates und gesponserten Kanälen. Die Ausspielung orientiert sich an Metadaten wie Land, Stadt, Sprache und abonnierten Kanälen – nicht an privaten Chat-Inhalten. Private Konversationen bleiben werbefrei.
Content-Ersteller erhalten künftig die Option für kostenpflichtige Kanal-Abonnements. Das unterstreicht den Wandel von WhatsApp vom reinen Messenger zur multifunktionalen Plattform. In den Niederlanden steht Meta allerdings in der Kritik: Die Maßnahmen gegen Betrugsmaschen bei Online-Einkäufen gelten als unzureichend. Seit Juni 2025 wurden dort über 500 Fake-Shops identifiziert, mehr als die Hälfte beworben über Facebook oder Instagram.
iOS 26.5 schließt über 50 Sicherheitslücken
Die Neuerungen bei WhatsApp fallen in eine Zeit massiver Sicherheits-Upgrades auf Betriebssystemebene. Apple veröffentlichte am 11. Mai 2026 iOS 26.5 und schloss über 50 Sicherheitslücken – darunter die kritischen Schwachstellen CVE-2026-28950 und CVE-2026-28951. Letztere steht im Zusammenhang mit dem DarkSword-Exploit-Kit.
Ein zentrales Merkmal des Updates: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für RCS-Chats zwischen iPhones und Android-Geräten über das MLS-Protokoll. Das erhöht die Sicherheit in der netzübergreifenden Kommunikation signifikant.
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442 Milliarden Euro Schaden durch Smartphone-Betrug
Dieser Fokus auf Verschlüsselung ist dringend nötig. Die Schäden durch Smartphone-Betrug erreichen 2026 einen neuen Höchststand. Marktbeobachter beziffern die weltweiten Verluste auf rund 442 Milliarden Euro.
Besonders perfide Methoden wie KI-gestütztes Voice-Phishing (Stimmenklone) und Quishing (Betrug via QR-Code) verzeichnen drastische Zuwächse. Allein im ersten Quartal 2026 stieg die Zahl der Quishing-Fälle um 150 Prozent auf 18 Millionen Vorfälle. Banking-Trojaner legten um 196 Prozent auf über 1,2 Millionen Fälle zu.
Ein aktuelles Beispiel aus der Schweiz: In Zürich wurde ein Täter verurteilt, der mit einem SMS-Blaster in einem Fahrzeug das Mobilfunknetz störte und rund 50.000 Telefone anzapfte. Er versendete gefälschte Nachrichten im Namen von Logistikunternehmen. In der Region Freiburg meldete die Polizei zudem eine Welle von Betrugsversuchen durch falsche Polizisten, die mittels Spoofing echte Behördennummern vortäuschten.
Regulatorischer Druck und Support-Ende
Die Bemühungen von WhatsApp und Apple stehen im Spannungsfeld zwischen technischer Machbarkeit und regulatorischen Anforderungen wie dem Digital Markets Act (DMA). Die Öffnung von Systemen für Drittanbieter-Wearables in iOS 26.5 zeigt, wie regulatorischer Druck die Produktentwicklung beeinflusst.
Gleichzeitig gewinnt die Haftungsfrage an Bedeutung. Das Landgericht Berlin II entschied: Banken haften bei Phishing-Angriffen grundsätzlich, sofern dem Kunden keine grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann.
Für den 8. September 2026 ist das Support-Ende für ältere Betriebssystemversionen wie Android 5.0 und iOS 13 angekündigt. Nutzer dieser Systeme werden von künftigen Sicherheitsupdates ausgeschlossen – das Risiko für Sicherheitsvorfälle steigt in diesen Segmenten weiter.
Ausblick: KI-Phishing um 1.200 Prozent gestiegen
Die Branche bewegt sich weg von der reinen Erreichbarkeit hin zu kontrollierter, verschlüsselter und optional anonymisierter Kommunikation. Für Nutzer bedeutet das mehr Privatsphäre durch Benutzernamen und Passwortschutz – aber auch höhere Eigenverantwortung im Umgang mit neuen Betrugsformen.
KI-Phishing hat seit der Einführung fortgeschrittener Sprachmodelle um über 1.200 Prozent zugenommen. Funktionen wie „Live Threat Detection“ in künftigen Android-Versionen und die verstärkte Nutzung von Codewörtern bei Telefonaten könnten hier künftig als notwendige Verteidigungslinien dienen.

