WhatsApp führt Benutzernamen ein und versteckt Telefonnummern

WhatsApp führt Benutzernamen ein, um Telefonnummern zu verbergen, und ergänzt dies mit einem vierstelligen Username Key als Schutz vor Spam und Identitätsdiebstahl.

Der Messenger führt Benutzernamen ein und erlaubt es Nutzern damit erstmals, ihre Telefonnummer zu verbergen. Ergänzt wird die Funktion durch einen vierstelligen „Username Key“ als Spam-Schutz.

Diese Wende markiert das Ende einer Ära: Seit 2009 war die Handynummer der zentrale Identitätsanker des Dienstes. Die neuen Features sollen Identitätsdiebstahl und gezielte Cyberangriffe erschweren. Branchenbeobachter sehen darin eine Reaktion auf den Druck durch datenschutzstarke Konkurrenten wie Signal.

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Usernames: Der neue digitale Handschlag

Die tiefgreifendste Änderung betrifft die Kontaktaufnahme. Nutzer können jetzt in ihren Profileinstellungen einen individuellen Handle festlegen. Dieser besteht aus Buchstaben, Zahlen, Punkten und Unterstrichen und muss zwischen drei und 35 Zeichen lang sein.

Bestimmte Kombinationen sind tabu: Namen dürfen nicht mit „www.“ beginnen oder auf „.com“ enden. So will WhatsApp Verwechslungen mit Webseiten und Betrug vorbeugen. Die Mobilfunknummer bleibt für die Registrierung nötig, wird im Alltag mit neuen Kontakten aber unsichtbar.

Damit schließt WhatsApp endlich zu Telegram und Signal auf. Für bestehende Kontakte ändert sich nichts – sie sehen die gespeicherte Nummer weiterhin.

Der „Username Key“: Eine zweite Tür gegen Spam

Parallel zum Username führt WhatsApp eine optionale Sicherheitsebene ein: den „Username Key“. Dabei handelt es sich um einen vierstelligen Zahlencode, der fest mit dem Benutzernamen verknüpft wird.

Wer diesen Key aktiviert, stellt eine zweite Hürde auf. Potenzielle Kontakte benötigen dann sowohl den Namen als auch den Code, um eine direkte Konversation zu starten. Anfragen ohne korrekten Key landen im separaten Anfragen-Ordner.

Experten halten das für ein wirksames Mittel gegen Massen-Spam und Bots, die sonst einfach Usernamen durchprobieren könnten. Ein gewählter Name muss übrigens plattformübergreifend verfügbar sein – wer ihn auf Instagram hat, kann ihn für WhatsApp beanspruchen.

„Strikte Kontoeinstellungen“: Der Lockdown-Modus

Für besonders gefährdete Nutzer wie Journalisten oder Aktivisten hat WhatsApp einen speziellen Sicherheitsmodus global ausgerollt. Die „Strikten Kontoeinstellungen“ setzen das Konto mit einem Klick auf maximale Privatsphäre.

Der Modus blockiert automatisch Anhänge von unbekannten Absendern und unterbindet deren Sprachanrufe. Link-Vorschauen werden deaktiviert, um IP-Tracking zu verhindern. Zudem verbergen sich Profilbild und Online-Status vor allen Nicht-Kontakten.

Diese Bündelung soll auch technisch weniger versierten Nutzern einen Rundum-Schutz bieten. Der Modus ist eine direkte Antwort auf die Zunahme hochkomplexer Spyware-Angriffe.

Hinter den Kulissen: Rust und Passkeys

Die sichtbaren Neuerungen werden durch technologische Modernisierungen untermauert. WhatsApp setzt verstärkt auf die Programmiersprache Rust für kritische Systemteile. Eine neue Medienbibliothek namens „wamedia“ soll die Verarbeitung von Fotos und Videos sicherer machen.

Seit Ende letzten Jahres können Nutzer zudem ihre Cloud-Backups mit Passkeys sichern. Biometrische Daten wie der Fingerabdruck ersetzen dann den komplexen 64-stelligen Entschlüsselungscode. Das soll Datenverlust bei Gerätewechseln verhindern.

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Bei rund drei Milliarden Nutzern weltweit will Meta so die Angriffsfläche der Plattform minimieren. Die Balance zwischen massentauglicher Nutzung und hohen Sicherheitsstandards bleibt die große Herausforderung.

Vertrauen als neue Währung

Die Sicherheitsoffensive ist auch eine strategische Positionierung. In einem Markt, in dem Datenschutz immer wichtiger wird, muss WhatsApp beweisen, dass es trotz Zugehörigkeit zu Meta höchsten Ansprüchen genügt.

Kritiker monieren weiter die Metadatenerhebung, räumen dem Dienst aber eine Vorreiterrolle bei Verschlüsselung und Passkeys ein. Die Usernames erfüllen eine alte Community-Forderung und beheben eine strukturelle Schwäche.

Die kommende Herausforderung? Die Komplexität der neuen Optionen so zu gestalten, dass die Benutzerfreundlichkeit nicht leidet. Die Kopplung der Usernames an das Meta-Kontosystem könnte für Diskussionen sorgen, da sie die Trennung der digitalen Identitäten erschwert.