WhatsApp führt „Private Processing“ für KI-Chats ein

WhatsApp testet datenschutzfreundliche KI-Chats und flüchtige Nachrichten, während ein globaler Ausfall die neuen Funktionen überschattet.

Der Messenger-Dienst wagt den Spagat zwischen KI-Integration und Datenschutz – und testet gleich mehrere neue Funktionen.

WhatsApp hat am Dienstag eine grundlegende Neuerung in seiner Datenschutz-Architektur vorgestellt. Mit dem sogenannten „Private Processing“ können Nutzer künftig inkognito mit der KI Meta AI chatten – ohne dass das Unternehmen Einblick in die Inhalte erhält. Die Chats sind zeitlich begrenzt und verschwinden nach Ende der Sitzung vollständig von den Servern.

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Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Messenger gleich mehrere Baustellen bearbeitet: neue flüchtige Nachrichten, ein globaler Ausfall und die aggressive KI-Integration der gesamten Branche.

Neue Privatsphäre für KI-Gespräche

Die Funktion „Private Processing“ verarbeitet KI-Interaktionen direkt auf dem Gerät des Nutzers. Meta selbst hat laut aktuellen Berichten keinen Zugriff mehr auf die Inhalte. Die Strategie dahinter: „Side Chats“ genannte Zweitbildschirme innerhalb der App, die es erlauben, den KI-Assistenten zu befragen, ohne die laufende Unterhaltung zu unterbrechen.

Derzeit testet WhatsApp die Funktion in ausgewählten Gruppen. Ein globaler Rollout soll in den kommenden Monaten folgen. Damit reagiert der Dienst auf ein wachsendes Problem: Wie lassen sich große Sprachmodelle nutzen, ohne die Datenhoheit der Nutzer zu gefährden?

Parallel dazu arbeitet WhatsApp an einer verfeinerten Version seiner flüchtigen Nachrichten. Ein neuer Countdown startet erst, wenn der Empfänger die Nachricht geöffnet hat. Bisher lief die Frist ab dem Zeitpunkt des Versands. Die Testoptionen umfassen Intervalle von fünf Minuten, einer Stunde oder zwölf Stunden. Ungelesene Nachrichten verfallen automatisch nach 24 Stunden.

Überarbeitetes Design und neue soziale Funktionen

WhatsApp verpasst sich zudem ein frisches Aussehen. Die iOS-Version 26.19.75 erhält ein neues Medien-Menü: Statt einer langen Liste zeigt ein kompaktes 4×4-Raster die letzten Fotos und Videos an. Die Änderung ist Teil des „Liquid Glass“-Designs, das transparente Navigationsleisten und eine bessere Integration der iOS-Tastatur mitbringt.

Von Instagram übernimmt WhatsApp die „Close Friends“-Liste für Status-Updates. Nutzer können Gruppen wie „Familie“ oder „Kollegen“ anlegen und Statusmeldungen exklusiv mit diesen teilen. Ein lila Ring kennzeichnet diese Beiträge im Status-Tab. Wer auf der Liste steht oder entfernt wird, erfährt davon nichts – ein geschickter Kniff, um soziale Reibung zu vermeiden.

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Nicht alle Tests stoßen auf Begeisterung. Seit Dienstag läuft ein kleiner Versuch, bei dem Status-Updates auch für Kontakte sichtbar sein könnten, die nicht im eigenen Adressbuch gespeichert sind. WhatsApp betont, dass die bestehenden Privatsphäre-Einstellungen wie „Meine Kontakte“ weiterhin Vorrang haben. Der Test zeigt jedoch, wie schwer sich die Plattform mit der Balance zwischen Vernetzung und Privatsphäre tut.

Globaler Ausfall überschattet Fortschritte

Die technischen Neuerungen wurden am Dienstag von einem weltweiten Ausfall überschattet. Nutzer in den USA, Indien und Teilen Asiens konnten stundenlang nicht auf WhatsApp Web zugreifen. Statt der gewohnten Oberfläche landeten sie auf einer Facebook-Login-Seite.

Laut Echtzeit-Monitoring-Diensten meldeten rund 47 Prozent der betroffenen US-Nutzer Probleme mit der Web-Version, 22 Prozent mit der mobilen App und 19 Prozent Login-Fehler. Eine offizielle Stellungnahme von Meta zu den Ursachen blieb bislang aus. Der Vorfall zeigt, wie anfällig selbst die größten Plattformen sind, wenn sie gleichzeitig komplexe KI- und UI-Updates ausrollen.

Wettlauf der Betriebssysteme

WhatsApps Entwicklungen fallen in eine Zeit, in der Apple und Google KI zur zentralen Säule ihrer nächsten Software-Generationen machen.

Apple bereitet für den 8. Juni die WWDC vor, auf der iOS 27 erwartet wird. Branchenanalysten rechnen mit einer grundlegend überarbeiteten Siri, die möglicherweise auf eine Partnerschaft mit Google Gemini setzt. „Apple Intelligence“ soll KI-gestützte Schreibwerkzeuge, natürliche Sprachverknüpfungen und einen „Image Playground“ für Hintergrundbilder bringen.

Google hat parallel Android 17 QPR1 Beta 3 für Pixel-Geräte veröffentlicht. Der Fokus liegt auf Stabilität und dem „Material 3 Expressive Design“. Neu sind „Metric Style“-Benachrichtigungen, die Live-Daten wie Reisezeiten direkt auf dem Always-On-Display anzeigen. Eine „Continue On“-Funktion soll nahtloses Wechseln zwischen Smartphone und Tablet ermöglichen.

Für WhatsApp wird die Herausforderung in den kommenden Monaten sein, eigene KI-Angebote wie die „Side Chats“ so attraktiv zu machen, dass sie neben den nativen Funktionen der Betriebssysteme bestehen können. Derzeit liegt der Fokus der Entwickler darauf, die neuen Features zu stabilisieren – und die Zuverlässigkeit des Kerndienstes nach dem Web-Ausfall wiederherzustellen.