Die größte Veränderung bei WhatsApp seit Jahren ist da: Der Messenger schafft die Pflicht zur Offenlegung der Handynummer ab. Nutzer können sich künftig mit einem individuellen Benutzernamen anmelden – ein Schritt, der vor allem den Druck aus Brüssel widerspiegelt.
Abschied von der Telefonnummer als Identität
Jahrelang war die Handynummer bei WhatsApp das zentrale Identifikationsmerkmal – ein digitaler Fußabdruck, der in großen Gruppenchats oder bei geschäftlichen Kontakten schnell zur Privatsphäre-Falle wurde. Mit dem neuen Handle-System gehört das der Vergangenheit an. Seit dem Frühjahr rollt Meta die Funktion global aus.
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Die „nummernlose“ Chat-Erfahrung gibt Nutzern erstmals die Kontrolle darüber, wer ihre echten Kontaktdaten sieht. Statt der Mobilnummer teilt man künftig einen individuellen Benutzernamen – oder einen Link dorthin. Wer besonders vorsichtig sein will, aktiviert eine optionale doppelte Absicherung: eine vierstellige PIN. Selbst wenn jemand den Handle kennt, kann er ohne diesen Code keine Nachricht senden oder anrufen.
Die Regeln für die neuen Namen sind klar: Zwischen drei und 35 Zeichen sind erlaubt, bestimmte Präfixe wie „www.“ sind verboten – um Verwechslungen mit offiziellen Webseiten zu vermeiden.
Versteckte Gruppen für diskrete Kommunikation
Parallel zur Identitätsumstellung arbeitet WhatsApp an neuen Funktionen für Communities. In aktuellen Beta-Versionen, die Ende April verteilt wurden, zeigt sich eine „Versteckte Gruppe“-Funktion für Android und iOS. Administratoren können damit bestimmte Gruppenchats für die allgemeine Mitgliedschaft unsichtbar machen.
Einmal als versteckt markiert, taucht die Gruppe nicht mehr in der öffentlichen Community-Liste auf. Name und Symbol bleiben für alle unsichtbar, die nicht explizit eingeladen wurden. Das ermöglicht vertrauliche Diskussionen zu sensiblen Themen oder exklusive Untergruppen – ohne das Hauptinterface zu überladen. Nur Community-Moderatoren behalten den Überblick über diese verborgenen Bereiche.
Druck aus Brüssel: Milliardenrisiko für Meta
Die Beschleunigung dieser Neuerungen ist kein Zufall. Am 29. April 2026 veröffentlichte die EU-Kommission vorläufige Ergebnisse, die Meta schwere Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA) vorwerfen. Der Vorwurf: Der Konzern schützt Minderjährige nicht ausreichend. Rund zehn bis zwölf Prozent der Kinder unter 13 Jahren nutzen demnach weiterhin Metas Plattformen – trotz interner Altersbeschränkungen.
Die bisherigen Altersverifikationsmaßnahmen seien unzureichend, so die Kommission. Minderjährige umgehen die Sperren einfach mit falschen Geburtsdaten. Bestätigen sich die Vorwürfe in einem endgültigen Urteil, drohen Meta empfindliche Strafen. Der DSA erlaubt Bußgelder von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Branchenanalysten beziffern das Risiko für Meta auf rund zwölf Milliarden Euro.
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Strengere Sicherheit für Journalisten und Aktivisten
Als Reaktion auf das regulatorische Klima hat WhatsApp kürzlich „Strenge Kontoeinstellungen“ eingeführt. Die Funktion richtet sich vor allem an Journalisten, Aktivisten und öffentliche Personen, die gezielten Cyberangriffen ausgesetzt sind. Im aktivierten Zustand sperrt das System die Privatsphäre-Optionen automatisch auf das Maximum: Medien von unbekannten Kontakten werden blockiert, Linkvorschauen deaktiviert und IP-Adressen bei Anrufen verborgen.
Rust im Hintergrund: Schutz vor Spionage
Doch WhatsApp rüstet nicht nur an der Oberfläche auf. Ingenieursberichte aus diesem Jahr zeigen, dass der Messenger große Teile seiner Codebasis umstellt – insbesondere die „wamedia“-Bibliothek für die Verarbeitung von Fotos und Videos. Die neue Programmiersprache heißt Rust.
In der Cybersicherheitsbranche gilt Rust als Goldstandard für Speichersicherheit. Die Sprache verhindert viele der Schwachstellen, die Spionagesoftware traditionell ausnutzt – etwa Pufferüberläufe. Mit der Integration von Rust will WhatsApp die Angriffsfläche verkleern und sich gegen ausgeklügelte Schadsoftware wappnen.
Ausblick: Vom Telefonbuch zur Privacy-Plattform
Der globale Rollout der Benutzernamen wird sich bis in den Sommer 2026 ziehen. Der Messenger entfernt sich damit Schritt für Schritt von seinem Ursprung als telefonbuchbasierte App und entwickelt sich zu einer flexiblen, datenschutzorientierten Kommunikationsplattform.
Für Meta ist die erfolgreiche Umsetzung dieser Funktionen nicht nur eine Frage der Nutzererfahrung, sondern eine regulatorische Notwendigkeit. Die EU-Kommission fordert eine vollständige Überarbeitung der Risikobewertungsmethoden und Alterssicherungsmaßnahmen. Die Innovationen bei WhatsApp könnten daher bald als Blaupause für die anderen Plattformen des Konzerns dienen – in einer Ära, in der milliardenschwere Strafen und Compliance zur neuen Realität gehören.

