Der Europäische Gerichtshof (EuGH) stärkt WhatsApp im Streit um ein Bußgeld von 225 Millionen Euro. Die Richter entschieden, dass der Messenger-Dienst direkt gegen einen Beschluss des Europäischen Datenschutzausschusses klagen darf. Damit kippten sie ein Urteil der Vorinstanz und ebnen den Weg für eine inhaltliche Prüfung des Falls. Parallel rollt WhatsApp neue Sicherheitsfunktionen aus.
EuGH-Entscheidung: Ein prozessualer Erfolg
Der Rechtsstreit hat seinen Ursprung im Jahr 2021. Damals verhängte die irische Datenschutzkommission (DPC) die Rekordstrafe gegen WhatsApp. Grund war mangelnde Transparenz bei der Datenverarbeitung. Die Behörde handelte auf Basis eines bindenden Beschlusses des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA).
WhatsApp wehrte sich juristisch – sowohl gegen die Strafe als auch gegen den EDSA-Beschluss. Die Vorinstanz wies die Klage gegen das EU-Gremium ab. Der EuGH revidierte diese Entscheidung nun. Das bedeutet: Das EU-Gericht muss den Fall inhaltlich neu verhandeln. Die Verfahren in Irland sind bis zu einer endgültigen europäischen Entscheidung pausiert.
Neue Sicherheit: „Strikte Kontoeinstellungen“
Während der Konzern vor Gericht kämpft, baut er den Nutzerschutz aus. Anfang Februar führte WhatsApp die Funktion „Strikte Kontoeinstellungen“ ein. Sie richtet sich besonders an gefährdete Gruppen wie Journalisten oder Aktivisten.
Nach der Aktivierung in den Datenschutzeinstellungen passiert Folgendes:
* Anhänge von unbekannten Kontakten lassen sich nicht herunterladen.
* Link-Vorschauen von Fremden werden blockiert, um das Ausspähen der IP-Adresse zu verhindern.
* Anrufe von Nummern, die nicht im Adressbuch stehen, werden automatisch stummgeschaltet.
Experten sehen darin eine Reaktion auf den wachsenden Markt für kommerzielle Spyware.
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Das ungelöste Problem: Metadaten
Trotz der standardmäßigen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE) für Chat-Inhalte sammelt WhatsApp weiterhin umfangreiche Metadaten. Das sind Informationen darüber, wer mit wem wann, wie lange und von wo kommuniziert.
Diese Daten sind für Mutterkonzern Meta wertvoll. Sie dienen der Erstellung von Nutzerprofilen für personalisierte Werbung auf Plattformen wie Facebook oder Instagram. Kritiker sehen genau hier den Kern des DSGVO-Konflikts. Zudem sind Chats mit der integrierten Meta KI nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt und können für Trainingszwecke genutzt werden.
Zwischen Regulierung und Betrugswarnungen
WhatsApp agiert an zwei Fronten: gegen Regulierer und gegen Cyberkriminalität. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin warnte erst am 10. Februar vor einer professionellen Anlagebetrugsmasche über WhatsApp-Gruppen.
Zusätzlichen Druck macht der Digital Markets Act (DMA) der EU. Er zwingt WhatsApp, seine Plattform für andere Messenger-Dienste zu öffnen. Diese geforderte Interoperabilität stellt den Dienst vor enorme technische und sicherheitsrelevante Herausforderungen. Konkurrenten wie Signal äußern bereits Bedenken.





