WhatsApp-Konten gehackt: Vote-for-my-friend-Masche breitet sich aus

Kriminelle kapern WhatsApp-Accounts über manipulierte Abstimmungslinks. Experten melden weltweit hohe Schäden und raten zu verstärkter Vorsicht.

Cyberkriminelle nutzen gefälschte Umfragen, um WhatsApp-Konten zu übernehmen. Die Masche verbreitet sich weltweit und verursacht Millionenschäden. Sicherheitsexperten schlagen Alarm – auch für deutsche Nutzer steigt die Gefahr.

Die Angriffe folgen einem perfiden Muster: Nutzer erhalten von einem bekannten Kontakt – dessen Account bereits kompromittiert wurde – eine Nachricht mit der Bitte, an einer Online-Abstimmung teilzunehmen oder ein Freundesprojekt zu unterstützen. Der beigefügte Link führt zu einer gefälschten WhatsApp-Verifizierungsseite. Wer den Anweisungen folgt, autorisiert unwissentlich die Angreifer, ein neues Gerät mit dem eigenen Account zu verbinden. Der „Vote for my friend“-Trick verschafft den Tätern vollen Zugriff auf Chatverläufe und Kontaktlisten.

Gefälschte Umfragen als Einfallstor

Sicherheitsforscher von Malwarebytes und weiteren Überwachungsorganisationen haben die neue Kampagne identifiziert. Die Warnhinweise vom 5. und 7. August zeigen: Die Betrugsmasche breitet sich rasant aus. Auch in der Schweiz warnten das Nationale Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) und Verbraucherschützer vor ähnlichen Mustern, bei denen bösartige Links genutzt werden, um Angreifer-Hardware an legitime Konten zu binden.

Die finanziellen Schäden sind weltweit erheblich. In Malaysia verlor ein Angestellter umgerechnet rund 210.000 Euro, nachdem ihn eine Bande über WhatsApp um Geld gebeten hatte – sie gab sich als Firmenmanager aus. In Ahmedabad, Indien, wurde ein Textilhändler um umgerechnet etwa 2.000 Euro gebracht, nachdem er einem angeblichen Bankmitarbeiter persönliche Daten und Kartendetails preisgegeben hatte.

Schutzmaßnahmen: So sichern Nutzer ihre Konten

Um Kontenübernahmen zu verhindern, empfehlen Sicherheitsexperten regelmäßige Kontrollen der Kontoeinstellungen. Unter dem Menüpunkt „Verknüpfte Geräte“ sollten Nutzer alle aktiven Sitzungen überprüfen und sich von unbekannten Geräten sofort abmelden.

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Weitere empfohlene Sicherheitsmaßnahmen:

  • Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) aktivieren, um eine zweite Schutzebene beim Login zu schaffen
  • Ungewöhnliche Anfragen von Freunden über einen anderen Kanal verifizieren, etwa durch einen direkten Anruf
  • Keine Links oder QR-Codes aus Chats öffnen, die zur Kontoverifizierung oder Gerätekopplung auffordern

WhatsApp hat kürzlich mehrere legitime Funktionen für Gruppeninteraktionen eingeführt, darunter anonyme Umfragen und bearbeitbare Fragebögen. Sicherheitsexperten betonen jedoch: Offizielle Kommunikation zur Kontosicherheit erfolgt niemals über unaufgeforderte Chat-Links.

Weitere Sicherheitsbedrohungen im Umfeld

Die Warnungen vor Abstimmungs-Betrug fallen mit mehreren anderen gravierenden Sicherheitsentwicklungen zusammen. Am 6. August leitete Meta rechtliche Schritte gegen die NSO Group ein. Dem Softwareunternehmen wird vorgeworfen, gegen eine gerichtliche Verfügung verstoßen zu haben, indem es Spear-Phishing-Angriffe gegen WhatsApp-Nutzer versuchte.

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Parallel demonstrierten Forscher auf der Sicherheitskonferenz Black Hat am 6. August, wie KI-Browser-Agenten durch sogenannte „Prompt Injection“ manipuliert werden können, um Massen-Spam an WhatsApp-Kontakte zu senden. Zwar handelt es sich nicht um eine direkte Schwachstelle der Messaging-App selbst, doch die Verwundbarkeit dieser KI-Werkzeuge verdeutlicht die wachsende Komplexität automatisierter Bedrohungen. Der in der Demonstration verwendete KI-Agent soll am 9. August eingestellt werden.

Internationale Betrugswellen mit regionalen Besonderheiten

Die Behörden verschiedener Länder kämpfen zudem mit spezialisierten Phishing-Kampagnen:

  • Singapur: Die Polizei meldete am 5. August, dass seit dem 24. Juni über 1,2 Millionen US-Dollar durch Kurier-Themen-iMessage-Betrug verloren gegangen sind. Bei den 251 dokumentierten Fällen gaben sich Angreifer als Logistikunternehmen wie DHL oder Ninja Van aus.
  • Indien: Cybercrime-Behörden warnten am 6. August vor betrügerischen Steuerrückerstattungs-Bescheiden, die als .zip- oder .exe-Dateien über WhatsApp verschickt werden und Malware auf Geräten installieren können.
  • Nigeria: Der Landwirtschaftliche Quarantänedienst warnte am 3. August vor gefälschten Rekrutierungsgruppen auf WhatsApp und Telegram, die Zahlungen für nicht existierende Stellenangebote verlangen.

Strafverfolgungsbehörden aller Länder erinnern die Öffentlichkeit daran: Offizielle Regierungs- und Finanzinstitutionen kommunizieren über verifizierte Portale und fordern niemals sensible Daten oder Zahlungen über Messaging-Anwendungen an.