WhatsApp-Konten gekapert: Zwei Updates schließen bekannte Sicherheitslücken

Cyberkriminelle kapern WhatsApp-Zugänge mit technischen Tricks und Täuschung; Behörden raten zu Zwei-Faktor-Schutz und aktuellen Geräten.

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Sicherheitsexperten beobachten weltweit eine Zunahme von Angriffen auf Konten des Messaging-Dienstes WhatsApp. Wie Fachleute, darunter İbrahim Gündüzgil von der Istanbul Commerce University, darlegen, setzen Angreifer auf eine Kombination aus Phishing-Links, Schadsoftware und Social Engineering.

Nach einer erfolgreichen Kaperung analysieren die Täter häufig vorhandene Chatverläufe und imitieren den persönlichen Kommunikationsstil der Betroffenen. Unter dem Vorwand dringender Notlagen fordern sie daraufhin Verwandte oder Freunde per Banküberweisung zu Geldzahlungen auf.

Dass diese Masche greift, zeigt der Fall eines 26-jährigen Opfers aus Bayern, das nach einer Nachricht eines vermeintlichen Freundes mit der Bitte um vorübergehende finanzielle Hilfe mehrere hundert Euro verlor.

Taktiken zwischen Phishing, Schadsoftware und Social Engineering

Die Angriffsmethoden reichen von manipulierten Nachrichten bis hin zu technischer Ausnutzung von Softwarelücken. Forensik-Experte Prof. Dr. Ali Murat Kırık erläutert, dass Cyberkriminelle unter anderem Sicherheitslücken in iOS ins Visier nehmen.

Die Schadsoftware „Coruna“ gelange über präparierte Internetseiten im Safari-Browser auf Geräte, ohne dass Nutzer aktiv Dateien herunterladen oder Links anklicken müssten. Dies ermögliche den Angreifern die Fernkontrolle, um Chatprotokolle auszulesen und Kommunikationsmuster für betrügerische Geldforderungen zu studieren.

Auch ältere Sicherheitslücken spielen weiterhin eine Rolle. Die Polizeidirektion Samandağ Emniyet Müdürlüğü weist auf Angriffe hin, bei denen ältere Programmversionen über die Kombination der Schwachstellen CVE-2025-55177 in WhatsApp und CVE-2025-43300 in Apple ImageIO kompromittiert werden können.

Als Abhilfe gelten aktualisierte Softwareversionen ab WhatsApp 2.25.21.73 sowie WhatsApp Business ab 2.25.21.78 für iOS. Gündüzgil betont zudem, dass veraltete Betriebssysteme und Anwendungen generell ein erhöhtes Risiko darstellen und Angriffe neben WhatsApp auch Telegram-Sitzungen betreffen können.

In Europa registrieren Ermittlungsbehörden vermehrt Social-Engineering-Kampagnen. Die irische Gardaí in Kildare warnt vor manipulierten Nachrichten, in denen Kontakte zur Stimmabgabe für ein Kind namens Mia in einem Wettbewerb aufgerufen werden.

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Die französische Gendarmerie berichtet von einer vergleichbaren Vorgehensweise, bei der angeblich für ein Kind namens Sophie bei einem Tanzwettbewerb abgestimmt werden soll. Diese als „Ghost Pairing“ bekannte Methode verleitet Opfer dazu, ihre Telefonnummer auf externen Websites einzutragen und anschließende Bestätigungscodes weiterzuleiten, wodurch Kriminelle vollen Kontozugriff erlangen.

Internationale Warnungen vor Mailbox-Tricks und Dateianhängen

In Mexiko warnt die von Luis Aguirre geleitete Sicherheitsbehörde Secretaría de Seguridad Pública del Estado (SSPE) vor einer Übernahme über Mobilfunk-Mailboxen. Täter fordern bei der Kontoregistrierung den Verifizierungscode per Sprachanruf an. Nimmt das Opfer nicht ab, wird der Code auf die Mailbox gesprochen, auf die Angreifer bei standardisierten oder schwachen Passwörtern aus der Ferne zugreifen können.

Die Singapore Police Force warnt zudem vor schädlichen Dateianhängen, die über gekaperte WhatsApp-Konten an Desktop- und Web-Nutzer verschickt werden. Getarnt als Dokumente mit Namen wie „Invoice 2026-09-15.iso“, „Statement of Account_54d3.zip“ oder „Salary Revision.rar“, schleusen sie Programme ein, die Tastenanschläge protokollieren und Screenshots an Befehlsserver übertragen.

Wie aus Singapur berichtet wurde, gingen dort im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 410,6 Millionen Singapur-Dollar durch Betrugsfälle verloren, wobei acht von zehn Opfern zur Übergabe von Geld manipuliert wurden und Senioren ab 65 Jahren die höchsten Durchschnittsverluste verzeichneten.

Empfohlene Schutzmaßnahmen für Nutzer

Nach Angaben der Verbraucherzentrale Niedersachsen, die am 6. Oktober 2026 erneut warnte, sowie des Schweizer Bundesamts für Cybersicherheit (BACS), das im Oktober 2026 über 40 Meldungen übernommener WhatsApp-Konten erfasste, reichen oft Mobilfunknummer und ein abgefangener Code aus, um Konten bei WhatsApp, Telegram oder Signal zu übernehmen. Neben Mailbox-Zugriffen nutzen Kriminelle auch Ersatz-SIM-Karten oder Schwachstellen im Signalisierungssystem SS7.

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Experten und Behörden empfehlen einhellig, die Verifizierung in zwei Schritten beziehungsweise Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren, Passkeys zu nutzen und Verifizierungscodes keinesfalls weiterzugeben. Zudem sollten verknüpfte Geräte regelmäßig in den Einstellungen kontrolliert, Mailbox-PINs geändert und Betriebssysteme aktuell gehalten werden.

Im Verdachtsfall raten Experten, Geldbitten telefonisch über andere Kanäle zu überprüfen, Beweise wie Screenshots, Überweisungsbelege und Bankdaten zu sichern, das Smartphone nicht sofort auf Werkseinstellungen zurückzusetzen sowie Banken und Strafverfolgungsbehörden unverzüglich einzuschalten.