WhatsApp: Neue Benutzernamen und Spam-Schutz gegen 626.000 Anrufe

WhatsApp führt Benutzernamen ein und verstärkt den Schutz gegen Spam-Anrufe. Die neuen Sicherheitsfeatures reagieren auf einen massiven Anstieg von Betrugsversuchen.

Der Messaging-Dienst rüstet gegen Betrug auf: WhatsApp führt Benutzernamen ein und bringt neue Schutzmechanismen gegen unerwünschte Anrufe. Die Neuerungen kommen zu einem Zeitpunkt, da Spam-Anrufe massiv zunehmen.

Anrufe von Unbekannten automatisch stumm schalten

Die neue Funktion gegen Spam-Anrufe lässt sich in den Datenschutzeinstellungen aktivieren. Anrufe von unbekannten Nummern werden dann automatisch stummgeschaltet. Das soll Nutzer vor allem vor kostspieligen Betrugsanrufen aus dem Ausland schützen.

Zusätzlich zeigt WhatsApp bei Anrufen von unbekannten Kontakten künftig mehr Informationen an. Vor der Annahme erscheint ein Fenster mit dem Herkunftsland, dem Avatar des Anrufers und gemeinsamen Gruppen. Nutzer können den Anruf direkt ablehnen – der Anrufer erfährt davon nichts.

Die Maßnahmen kommen nicht zu früh. Im Juni 2026 wurden über 626.000 Spam-Anrufe gemeldet. Das ist ein Anstieg von fast 20 Prozent gegenüber dem Vormonat. Im Schnitt entfallen über fünf Spam-Anrufe pro Nutzer. Die Täter geben sich oft als Bankmitarbeiter, Energieversorger oder Verbraucherschützer aus.

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Benutzernamen statt Telefonnummer

Die größte strukturelle Änderung betrifft die Identifikation der Nutzer. WhatsApp führt Benutzernamen ein, die zwischen 3 und 35 Zeichen lang sein können. Erlaubt sind Kleinbuchstaben, Zahlen und bestimmte Sonderzeichen. Die Telefonnummer bleibt zwar für die Kontoführung notwendig, lässt sich in Chats aber durch den Benutzernamen ersetzen.

Die Reservierungsphase für die Namen läuft bereits. WhatsApp will bekannte Marken- und Personennamen für die rechtmäßigen Inhaber schützen. Die vollständige Aktivierung ist für später im Jahr geplant.

Doch nicht alle sind begeistert. Die Verbraucherzentrale NRW rät zu Pseudonymen statt Klarnamen. Auch von einer Verknüpfung mit Instagram- oder Facebook-Profilen raten die Experten ab – das Risiko von Identitätsdiebstahl steige sonst. In Indien wurde der Rollout der Funktion wegen Sicherheitsbedenken vorerst gestoppt.

Neuer Online-Status und Updates für Wearables

WhatsApp zeigt den Online-Status künftig als grünen Punkt an – als Live-Status. Für die Samsung Galaxy Watch unter Wear OS gibt es ebenfalls Neuerungen. Nutzer können direkt von der Smartwatch aus Konversationen starten, Nachrichten markieren und Chats verwalten.

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Parallel treibt Mutterkonzern Meta die KI-Integration voran. Der Bildgenerator „Muse Image“ erstellt künftig Bilder per Texteingabe. Das Tool ermöglicht auch die Erstellung von QR-Codes und Schriftzügen innerhalb von WhatsApp, Facebook und Instagram.

Warnung vor Schadsoftware über gehackte Konten

Trotz der neuen Sicherheitsfeatures bleibt Vorsicht geboten. Das Computer Emergency Response Team (CERT) warnt vor einer Masche, bei der Kriminelle über kompromittierte WhatsApp-Kontos bösartige Dateien versenden. Die Dateien sind oft als Rechnungen oder Kontoauszüge getarnt. Besonders gefährlich: Dateien mit der Endung „.vbs“. Sie sind darauf ausgelegt, Schadcode auf den Geräten der Empfänger auszuführen.

Die Relevanz der Sicherheitsupdates zeigt ein Blick auf die Nutzerzahlen: 83 Prozent der 16- bis 74-Jährigen in Deutschland nutzen Messenger-Dienste. Bei Kindern zwischen 6 und 13 Jahren liegt die tägliche Nutzungsrate von WhatsApp bei 60 Prozent. Experten raten daher, Profile so anonym wie möglich zu halten und die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung konsequent zu nutzen.