Meta überarbeitet die WhatsApp-Oberfläche massiv – und kämpft gleichzeitig mit schweren rechtlichen Vorwürfen in den USA.
Der Messenger-Dienst führt einen zentralen Kontakt-Hub für Android-Nutzer ein, während der Bundesstaat Texas das Unternehmen verklagt. Der Vorwurf: Meta soll Nutzer über die Sicherheit der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung getäuscht haben. Gleichzeitig ebnet die irische Datenschutzkommission den Weg für Werbung in Europa.
WhatsApp liest heimlich Ihre Chats – so schützen Sie sich jetzt dagegen. Kein Zufall: Warum Sie nach einem Gespräch auf WhatsApp plötzlich passende Werbung sehen. Kostenloser Ratgeber zeigt, wie einfach der Wechsel zu Telegram wirklich ist
Neuer „Contacts Hub“ für Android-Nutzer
In der aktuellen Android-Beta (Version 2.26.13.3) testet WhatsApp einen zentralen Kontakt-Hub. Die Funktion bündelt kürzlich aktive Nutzer und favorisierte Kontakte auf einer einzigen Oberfläche. Ein grüner Status-Indikator zeigt an, wer online ist – ohne dass Nutzer einzelne Chats öffnen müssen.
Weitere Neuerungen in der Android-Beta: Sticker-Reaktionen auf Nachrichten (Version 2.26.20.5). Auch iOS-Nutzer profitieren von Updates. Seit dem 22. Mai verbessert ein überarbeitetes Anhang-Menü den Zugriff auf kürzlich gespeicherte Medien – in einem 4×4-Raster. Zudem führte WhatsApp am 21. Mai „Message Credits“ für Geschäftsnachrichten ein. Kostenlose Konten erhalten monatlich rund 35 Broadcast-Nachrichten. Neukunden bekommen in den ersten sechs Monaten 250 Freiversuche – ein Schritt gegen Spam.
Texas verklagt Meta wegen angeblicher Sicherheitslücken
Texas Attorney General Ken Paxton reichte am 21. Mai Klage ein. Der Vorwurf: WhatsApp täusche die Öffentlichkeit über die Reichweite seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Die Klage stützt sich auf einen Bloomberg-Bericht über eine eingestellte Untersuchung des US-Handelsministeriums. Demnach soll Meta technisch in der Lage sein, „praktisch alle privaten Nachrichten“ einzusehen.
Meta-Sprecher Andy Stone wies die Vorwürfe zurück. Sicherheitsexperten zeigen sich skeptisch – eine derartige Hintertür wäre im Code längst entdeckt worden. Der Fall folgt auf einen Vergleich von 2024, bei dem Meta 1,4 Milliarden Dollar (rund 1,3 Milliarden Euro) an Texas zahlte – wegen unrechtmäßiger Nutzung von Biometriedaten.
Einschränkungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Die Zentralbank der VAE verbot am 22. Mai Banken und Finanzinstituten, WhatsApp für offizielle Finanzdienstleistungen zu nutzen. Grund: wachsende Bedenken zu Cybersicherheit und Betrug. Kunden müssen nun auf offizielle Banking-Apps und Webseiten ausweichen. Zudem stellten die Behörden klar: Private WhatsApp-Kommunikation unterliegt weiterhin den Cybercrime-Gesetzen – die Verbreitung falscher Informationen kann zu hohen Geldstrafen oder Haft führen.
Werbung in Europa: Irlands Datenschützer geben grünes Licht
Die irische Datenschutzkommission (DPC) erlaubt Meta, Werbung im „Updates“-Tab von WhatsApp zu schalten. Die Behörde bestätigte, dass Meta ihre Auflagen zur Nutzertransparenz umgesetzt habe. Die Datenschutzorganisation NOYB kritisiert den Schritt scharf. Ihrer Ansicht nach bleibt die plattformübergreifende Verknüpfung von Nutzerdaten nach europäischem Recht illegal.
Nigeria setzt auf WhatsApp als Regierungsassistent
Ein positives Signal kommt aus Afrika: Die nigerianische Regierung startete am 21. Mai „GovGuideNigeria“ – einen KI-gestützten Assistenten, der über WhatsApp zugänglich ist. Entwickelt in Partnerschaft mit Meta, dem National Centre for AI and Robotics und Publica, bietet der Dienst Zugriff auf Informationen von über 35 Ministerien und 60 Behörden. Unterstützt werden die Sprachen Hausa, Igbo und Yoruba. Ziel: Bürokratieabbau für Nigerias mehr als 51 Millionen WhatsApp-Nutzer, besonders in ländlichen Gebieten.
Apples iOS-Updates setzen WhatsApp unter Druck
Die aktuellen Diskussionen um Verschlüsselung fallen mit technischen Entwicklungen bei Apple zusammen. iOS 26.5 (erschienen am 11. Mai) schloss 52 Sicherheitslücken, darunter die kritische Schwachstelle CVE-2026-28950. Seit dem 22. Mai signiert Apple iOS 26.4.2 nicht mehr – ein Downgrade ist damit unmöglich.
Die Updates folgen einem Trend zu mehr On-Device-Verarbeitung und strengeren Privatsphäre-Einstellungen. iOS 26.5 vereinfacht etwa Bluetooth-Pairing für Drittanbieter in der EU und führt Ende-zu-Ende-verschlüsselte RCS-Nachrichten in bestimmten Märkten ein. Beobachter sehen wachsenden Druck auf Messenger-Dienste, die Integrität ihrer Verschlüsselung nachzuweisen.
Viele iPhone-Nutzer übersehen nach dem Update diese gefährliche Einstellung. Ein Apple-Experte erklärt in diesem kostenlosen Ratgeber, wie Sie Ihre Daten und Privatsphäre mit wenigen Klicks wirklich schützen. Sicherheits-Leitfaden für iOS-Updates kostenlos herunterladen
Ausblick: WWDC und die Zukunft von WhatsApp
Branchenanalysten richten den Blick auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC am 8. Juni. Erwartet wird die Vorstellung von iOS 27 mit generativen KI-Tools und einer neu gestalteten Siri. Solche Systemänderungen könnten die Integration von Messaging-Apps grundlegend verändern.
Für WhatsApp stehen die kommenden Monate im Zeichen des Texas-Prozesses und der ersten Werbeerfahrungen in Europa. Während der Messenger mit dem „Contacts Hub“ die Navigation vereinfacht, bleibt die Balance zwischen Kommerz und Privatsphäre die größte Herausforderung. Weitere Android-Beta-Updates werden zeigen, ob der neue Hub dauerhaft Einzug in die Hauptnavigation hält.

