WhatsApp plant neues „Kontakte-Hub“ – und kämpft gegen Klage

WhatsApp testet eine neue Online-Übersicht für Kontakte, während eine texanische Klage die Sicherheitsversprechen des Dienstes in Frage stellt.

Der Messenger-Riese arbeitet an einer zentralen Übersicht für Kontakte, während eine texanische Klage die Sicherheitsversprechen des Dienstes erschüttert.

Softwareanalysen der aktuellen Beta-Versionen zeigen: WhatsApp entwickelt ein zentrales „Kontakte-Hub“. Die Funktion soll Nutzern auf einen Blick zeigen, wer online ist – ein Schritt, der die Interaktion auf der Plattform deutlich steigern dürfte. Doch der Zeitpunkt ist heikel: Gleichzeitig sieht sich der Meta-Konzern mit schwerwiegenden Vorwürfen zur Integrität seiner Verschlüsselung konfrontiert.

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Was das neue Kontakte-Hub kann

Tester entdeckten die neue Oberfläche in den aktuellen Beta-Versionen für Android (2.26.13.3) und iOS (26.20.10.70). Das „Kontakte-Hub“ versteckt sich noch im Einstellungsmenü und ist für die breite Öffentlichkeit nicht sichtbar.

Die Funktion bündelt die Verfügbarkeit aller Kontakte in einer scrollbaren Ansicht. Ein grüner Punkt signalisiert, wer gerade online ist – ohne dass Nutzer einzelne Chats öffnen müssen. Die Übersicht priorisiert eine „Favoriten“-Sektion für bis zu vier ausgewählte Personen, gefolgt von einer chronologischen Liste kürzlich aktiver Kontakte.

WhatsApp hat zudem eine Suchleiste, Sortieroptionen und einen QR-Code-Scanner für neue Kontakte integriert. Wichtig: Wer seine „Zuletzt online“- oder „Online“-Status in den Privatsphäre-Einstellungen versteckt hat, bleibt auch im neuen Hub unsichtbar. Die Funktion basiert auf gegenseitiger Sichtbarkeit.

Texas klagt: „Verschlüsselung ist eine Täuschung“

Am 21. Mai 2026 reichte der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton Klage gegen Meta ein. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe rund 3,3 Milliarden Nutzer über die Reichweite seiner Ende-zu-Ende-Verschlüsselung getäuscht. Die Klage stützt sich auf das texanische Gesetz gegen unlautere Geschäftspraktiken.

Die Behörde behauptet, Meta habe durch unverschlüsselte Speicherung und ein internes Ticketsystem Zugriff auf private Nachrichten gehabt. Texas fordert dauerhafte Unterlassungsverfügungen und hohe Geldstrafen.

Meta weist die Vorwürfe zurück und bezeichnet die Klage als technisch unbegründet. Das Unternehmen verweist auf das Signal-Protokoll mit Double-Ratchet-Algorithmus, Curve25519 und AES-256 – eine Verschlüsselung, die es dem Dienstanbieter mathematisch unmöglich mache, Nachrichteninhalte zu entschlüsseln. Kryptografie-Experten der ETH Zürich und des King’s College bestätigen: Die Kernverschlüsselung ist nicht kompromittiert. Allerdings bleiben Metadaten ungeschützt, und Cloud-Backups können angreifbar sein.

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Internationale Regulierung und Wettbewerb

Während WhatsApp an neuen Funktionen feilt, verschärft sich die regulatorische Lage. Die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate verbot am 22. Mai die Nutzung von WhatsApp für Finanzdienstleistungen. Nigeria hingegen startete einen KI-Assistenten für Bürger dienste – ausgerechnet auf WhatsApp.

Die Konkurrenz schläft nicht: Telegram-Gründer Pawel Durow bezeichnete WhatsApps Sicherheitsversprechen am 23. Mai als betrügerisch. Gleichzeitig veröffentlichte Telegram ein Update mit „Sekretär-Modus“ für Geschäftskonten und einem KI-Texteditor.

Doch Telegram kämpft mit eigenen Problemen: In Russland kam es zu massiven Störungen. Die Behörden drosselten den Datenverkehr per Deep-Packet-Inspection – mit Ausfallraten von bis zu 90 Prozent in Moskau und St. Petersburg. Grund sind Weigerungen zur Datenlokalisierung und über 150.000 nicht gelöschte illegale Inhalte.

Plattform-übergreifende Verschlüsselung

Apple und Google haben am 23. Mai einen Beta-Start der Ende-zu-Ende-verschlüsselten RCS-Kommunikation zwischen iPhones (iOS 26.5) und Android-Geräten bekannt gegeben. Die Funktion ermöglicht hochauflösende Medien, Lesebestätigungen und Eingabeanzeigen mit Geräteverschlüsselung.

WhatsApp selbst schloss im Mai zwei Sicherheitslücken über sein Bug-Bounty-Programm. CVE-2026-23863 betraf einen Fehler im Windows-Client mit versteckten NUL-Bytes in Dateinamen, CVE-2026-23866 betraf KI-generierte Textantworten für integrierte Social-Media-Reels. Beide Lücken wurden als moderat eingestuft und vor einem möglichen Missbrauch geschlossen.

Zwischen Transparenz und Privatsphäre

Das Kontakte-Hub ist ein strategischer Schachzug: WhatsApp will die Verweildauer und Interaktionshäufigkeit steigern. Statt reaktivem Nachrichtenaustausch wird der Dienst zu einem proaktiven sozialen Verzeichnis. Das Risiko: verärgerte Privatsphäre-Fans und kritische Regulierer.

Beobachter sehen Meta auf einem schmalen Grat. Einerseits will das Unternehmen mit sozialeren Apps wie Telegram mithalten, andererseits die strengen Datenschutzanforderungen der EU und Nordamerikas erfüllen. Die irische Datenschutzkommission erlaubte kürzlich Werbung im „Updates“-Tab für Europa – ein Zeichen für eine Monetarisierung, die mit dem minimalistischen Markenimage kollidieren könnte.

Der Ausgang des texanischen Rechtsstreits dürfte wegweisend sein. Findet das Gericht Metas Marketing als irreführend, könnte eine Welle ähnlicher Klagen weltweit folgen. Für Anleger und professionelle Nutzer bleibt die Frage: Wie bringt Meta neue Engagement-Funktionen mit den wachsenden rechtlichen Anforderungen in Einklang?