Meta stattet den Messenger mit Instagram-ähnlichen Privatsphäre-Tools aus – und reagiert auf wachsende KI-Gefahren.
WhatsApp steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte. Der Messenger-Dienst testet ab dem 19. Mai 2026 eine „Close Friends“-Funktion für Status-Updates, die Nutzern erlaubt, ihre Kontakte in spezifische Gruppen einzuteilen. Gleichzeitig führt die Plattform einen neuen „Nach dem Lesen“-Timer für verschwindende Nachrichten ein und verstärkt die Sicherheitsvorkehrungen gegen KI-basierte Bedrohungen. Das Ziel: Vom groben Broadcast-Tool zum kuratierten, privaten sozialen Netzwerk.
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Close Friends: Der grüne Ring wird lila
Die Beta-Phase für iOS und Android läuft seit heute. Statt wie bisher für jeden Status manuell Kontakte aus- oder einschließen zu müssen, können Nutzer künftig mehrere Listen anlegen – für Familie, enge Freunde oder Arbeitskollegen. Der Clou: Teilt jemand einen Status exklusiv mit einer Liste, erscheint ein lila Ring um das Profilbild. Der Standard-Status mit allen Kontakten bleibt grün.
Um sozialen Sprengstoff zu vermeiden, gibt es keine Benachrichtigung, wenn jemand zu einer Liste hinzugefügt oder daraus entfernt wird. Branchenbeobachter sehen darin einen cleveren Schachzug: Die „Zuschauer-Angst“ – das Unbehagen, Persönliches mit einem undifferenzierten Kreis zu teilen – soll verschwinden. Die Funktion ist eine direkte Übernahme des Instagram-Konzepts, das dort seit Jahren zu den beliebtesten Features gehört.
Nachrichten, die nach dem Lesen sterben
Noch tiefgreifender ist die Neuerung bei den verschwindenden Nachrichten. Bisher tickte die Uhr ab dem Moment des Sendens. Die neue Option, die in der Beta-Version 26.19.10.72 für iOS getestet wird, startet den Countdown erst, wenn der Empfänger die Nachricht tatsächlich geöffnet hat.
Die Test-Optionen umfassen fünf Minuten, eine Stunde und zwölf Stunden. Bleibt eine Nachricht 24 Stunden ungelesen, wird sie automatisch gelöscht. Die Funktion lässt sich pro Chat aktivieren – ideal für sensible Informationen, die gesehen, aber nicht gespeichert werden sollen. Sie ergänzt die bestehende „Einmal ansehen“-Option für Medien, die kürzlich auch für Sprachnachrichten ausgerollt wurde.
Sicherheitsexperten warnen jedoch: Perfekt ist der Schutz nicht. Screenshots mit einem zweiten Gerät lassen sich nicht verhindern. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt aber das Rückgrat aller neuen Funktionen.
KI-Bedrohung: Meta warnt vor Sicherheitslücken
Die neuen Features kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Erst am 18. Mai 2026 veröffentlichte Meta eine dringende Sicherheitswarnung zu zwei Schwachstellen. Die als CVE-2026-23866 gelistete Lücke betrifft iOS und Android und könnte Angreifern erlauben, manipulierte KI-Nachrichten in Chats einzuschleusen. Die zweite, CVE-2026-23863, betrifft die Windows-Version und nutzt eine NUL-Byte-Manipulation zur möglichen Installation von Schadsoftware. Nutzer wurden aufgefordert, ihre Apps sofort zu aktualisieren.
Parallel dazu führt Meta einen „Inkognito-Chat“ für die integrierte Meta-KI ein. Diese Unterhaltungen sind Ende-zu-Ende verschlüsselt – Meta kann sie weder lesen noch zum Training seiner Modelle nutzen. Nachrichten werden standardmäßig gelöscht, eine „Side Chat“-Funktion fasst die Interaktionen zusammen. Ein klarer Schritt angesichts wachsender Bedenken, wie große Sprachmodelle mit sensiblen Daten umgehen.
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Der Wettbewerb schläft nicht
Die Entwicklung ist auch eine Reaktion auf die Konkurrenz. Apple hat seine Worldwide Developers Conference (WWDC) für den 8. bis 12. Juni 2026 angesetzt. Erwartet wird die Vorstellung von iOS 27 mit einer grundlegend überarbeiteten Siri, die angeblich auf Google-Gemini-Technologie basiert. Auch Apple plant auto-löschende Chats mit Zeiträumen von 30 Tagen bis zu einem Jahr.
Bereits am 11. Mai 2026 veröffentlichte Apple iOS 26.5 mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für RCS-Nachrichten zwischen iPhones und Android-Geräten. Diese lang erwartete Interoperabilität, entwickelt mit Google, bietet eine sichere Alternative zur klassischen SMS und greift direkt WhatsApps Kernversprechen der plattformübergreifenden Sicherheit an.
Ausblick: Vom Status-Tool zur Kommunikationsinfrastruktur
WhatsApps Weg war schon immer einer der ständigen Anpassung. Was Jan Koum 2009 als reines Status-Tool baute, scheiterte zunächst an geringer Nutzerinteraktion – bis die Chat-Funktion integriert wurde. Heute nutzen selbst Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation die Plattform zur Verbreitung von Gesundheitsinformationen.
Nach erfolgreichem Abschluss der Beta-Phase sollen die „Close Friends“- und „Nach dem Lesen“-Funktionen breit ausgerollt werden. Die Plattform muss sich zudem auf Hardware-Innovationen einstellen: Apple kämpft Berichten zufolge mit Scharnier-Problemen bei seinem faltbaren „iPhone Ultra“, dessen Massenproduktion für Juli 2026 erwartet wird. Größere, faltbare Displays werden neue Interface-Lösungen für Multitasking und Status-Sharing erfordern. Fürs Erste liegt der Fokus aber auf der Software-Ebene – wo private, flüchtige und KI-gestützte Kommunikation zum neuen Standard wird.

