Messenger-Dienste wie WhatsApp werden zum Schauplatz für professionelle Cyberkriminalität, während der Bundesgerichtshof die rechtlichen Hürden für staatliche Überwachung präzisiert.
KI-Phishing explodiert: 1.200 Prozent mehr Angriffe
Branchenexperten schlagen Alarm: Die Zahl der KI-gestützten Phishing-Angriffe auf Android-Geräte ist in zwei Jahren um 1.200 Prozent gestiegen. Kriminelle nutzen gestohlene Datensätze, um ihre Attacken hochgradig zu personalisieren.
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Ein aktuelles Beispiel ist der Datenabfluss bei Booking.com im Frühjahr. Die erbeuteten Informationen dienen als Grundlage für eine massive Betrugswelle via WhatsApp. In der Schweiz meldete das Bundesamt für Cybersicherheit eine Verdreifachung der Vorfälle innerhalb weniger Wochen.
Die Täter nutzen Namen, Aufenthaltsdaten und E-Mail-Adressen. Mit fingierten Stornierungsdrohungen oder Rückerstattungsversprechen locken sie Nutzer auf Phishing-Seiten. Ziel ist meist der Diebstahl von Kreditkartendaten. Das FBI bezifferte die globalen Verluste durch Cyberkriminalität für das vergangene Jahr auf rund 19,2 Milliarden Euro – ein Plus von 26 Prozent.
BGH stärkt Ermittler bei Krypto-Handy-Überwachung
Parallel zur kriminellen Ausnutzung rückt die staatliche Überwachung in den Fokus der Justiz. Der Bundesgerichtshof traf eine grundlegende Entscheidung zur Verwertbarkeit von Chatprotokollen aus Krypto-Handys.
Konkret ging es um die Plattform Anom, bei der das FBI die Kommunikation heimlich mitgelesen hatte. Der BGH hob einen vorherigen Teilfreispruch auf und entschied: Diese Daten sind grundsätzlich als Beweismittel in Strafprozessen zulässig. Ein pauschales Verwertungsverbot bestehe nicht, auch wenn im Einzelfall geprüft werden müsse, ob konkrete Rechtsverstöße bei der Datenerhebung vorlagen.
Die Entscheidung stärkt die Position der Ermittlungsbehörden bei der Verfolgung organisierter Kriminalität über digitale Wege.
Sprachassistenten als Einfallstor
Technische Schwachstellen erweitern das Risiko ungewollter Überwachung. Sicherheitsforscher von SafeBreach Labs demonstrierten unter dem Namen „Fake Context Alignment“, wie Sprachassistenten wie Googles Gemini über eingehende Nachrichten in WhatsApp oder Signal manipuliert werden können.
Angreifer schmuggeln demnach Befehle in Push-Benachrichtigungen, die vom KI-System interpretiert werden. Das kann dazu führen, dass ohne Wissen des Nutzers Videocalls gestartet oder Phishing-Aktionen eingeleitet werden. Google gab an, die Schwachstellen bereits Ende vergangenen Jahres behoben zu haben.
Meta testet Bezahlmodell bei WhatsApp
Inmitten dieser Sicherheitsdebatte treibt Meta die Monetarisierung voran. In ersten Regionen wurde ein kostenpflichtiges Abonnement namens „WhatsApp Plus“ für 2,49 Euro monatlich eingeführt. Es bietet exklusive Funktionen wie zusätzliche App-Designs, das Fixieren von bis zu 20 Chats und individuelle Klingeltöne. Die Grundfunktionen bleiben für Privatnutzer weiter kostenlos.
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Warnung vor KI-Sucht bei Jugendlichen
Während Meta sein Geschäftsmodell erweitert, fordern Organisationen wie die DAK strengere gesetzliche Regelungen für KI-Chatbots. Laut einer aktuellen Suchtstudie nutzen bereits 8 Prozent der Minderjährigen in Deutschland KI-Systeme regelmäßig. Besonders einsame oder depressive Jugendliche weisen eine überdurchschnittlich hohe Nutzungsrate auf.
Die Studie warnt vor den sozialen Folgen riskanten Medienkonsums. Bundesweit sind rund 1,5 Millionen junge Menschen betroffen.

